Schuld für einen Atomschutzbunker in New York | Bildquelle: AFP

Fallout Shelter New Yorks vergessene Atomschutzbunker

Stand: 29.08.2017 20:54 Uhr

Im Kalten Krieg wurden in New York 18.000 Atomschutzbunker gebaut. Dort sollten die rund 1,7 Millionen Menschen Schutz suchen für den Fall eines russischen Angriffs. Angesichts des Nordkorea-Konflikts werden die Fallout Shelter plötzlich wieder ein Thema.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Das Schild zeigt in einem grauen Kreis ein gelbes, stilisiertes Zeichen für Radioaktivität. Darunter heißt es: Fallout Shelter, Atomschutzbunker. Man findet sie in Brooklyn zum Beispiel im Viertel Crown Heights genauso wie in Manhattan oder in Chelsea. Darauf hingewiesen, reibt sich eine Anwohnerin die Augen: Seit mehr als 30 Jahren lebe sie hier, aber das Schild sei ihr noch nie aufgefallen.

Seitdem in Nordkorea Kim Jong Un mit Langstreckenraketen und nuklearen Sprengköpfen hantiert, finden die aus dem Kalten Krieg stammenden, Jahrzehnte alten Bunker neue Beachtung - von der renommierten "New York Times" bis zum Boulevardblatt "Daily News"- sie alle berichten. Erst vor gut zehn Jahren noch hat man überraschend einen Bunker mit Vorräten ausgerechnet in der Brooklyn Bridge entdeckt.

Brooklyn Bridge in New York | Bildquelle: REUTERS
galerie

Auch die Brooklyn Bridge beherbergte einst einen Atomschutzbunker.

Umfunktioniert zum Lagerraum

"Ironischerweise ist das Bunkerprogramm für eine nordkoreanische Waffe sogar besser geeignet als für die thermonuklearen Waffen des Kalten Krieges", sagt Jeff Schlegelmilch vom Katastrophenschutzzentrum an New Yorks Columbia Universität. "Die waren sogar noch stärker als das, was man in Hiroshima und Nagasaki gesehen hat. Sie hätten einen Großteil der Stadt und Umgebung zerstört - einfach durch die Macht der Explosion." Schlegelmilch sagt bewusst: ironischerweise. Schließlich sind von den einst rund 18.000 Bunkern vor allem die Schilder geblieben.

Wenn man heutzutage in eines der Gebäude mit dem Bunker-Schild geht, dann gibt es dort keinen Schutzraum mehr. Höchstwahrscheinlich ist es ein Lager- oder Wäscheraum. Auf Manhattans Immobilienmarkt wird man solche Flächen nicht ungenutzt lassen.

"Duck and cover"

"Duck and cover" - "wegducken und schützen" - so führte eine Zeichentrick-Schildkröte 1951 in einem Film der Zivilverteidigung vor, was im Fall eines atomaren Angriffs zu tun ist. Im selben Jahr empfahl Martin Caden vom damaligen New Yorker Zivilschutz die Flucht in Atomschutzbunker, U-Bahn-Stationen oder Kellerräume. Heute dagegen, so warnt Schlegelmilch, sollte man die Schilder nicht mehr bei seinem ganz persönlichen Katastrophenschutz beachten: "Schutz suchen. Das gilt heute allerdings genau wie 1951, am besten im Keller massiver Betongebäude. Kontaminierte Kleidung ausziehen und wenn möglich abduschen."

Fallout Shelter in New York | Bildquelle: AFP
galerie

18.000 Atomschutzbunker gab es einst in der Stadt - wie hier in Manhattan.

Wem das ein bisschen Katastrophenszenario ist - zumal New York selbst in dem unwahrscheinlichen Fall einer solchen Attacke Nordkoreas gar nicht in Reichweite läge - der kann wie andere begeisterte Hobby-Historiker die alten Schilder als Wegweiser nutzen: für einen musealen Spaziergang.

New Yorks vergessene Atomschutzbunker
Kai Clement, ARD New York
29.08.2017 19:54 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. August 2017 um 08:05 Uhr.

Darstellung: