Expo 2015 in Mailand

Expo 2015 in Mailand Konzerne statt kritischer Themen

Stand: 02.05.2015 19:30 Uhr

Bei der Expo in Mailand dreht sich alles um das Thema Ernährung - doch die Millionen Menschen, die hungern, thematisiert nur der Vatikan. Stattdessen sind Lebensmittelgiganten wie Coca Cola, Nestlé und McDonald's präsent. Jeder Konzern hat dabei seine eigene Strategie.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Kim Anderson versteht die ganze Aufregung nicht. Die Sprecherin von Coca Cola muss sich ständig dafür rechtfertigen, dass ihr Konzern sich auf einer Weltausstellung präsentiert, bei der es um das Thema Ernährung geht. "Wo es um Ernährung und Getränke geht, sind wir doch goldrichtig. Wir bringen hier Regierungen, Privatleute und Unternehmen zusammen", stellt Anderson dar. "Wir nennen das 'die goldene Dreieck' und wollen eine Plattform für Zukunftsfragen bieten."

So kann man es auch sehen: Coca Cola als die UN der Welternährung. In immerhin 206 Ländern ist der Limonadenhersteller aktiv, auf der Expo sind nur 145 Staaten vertreten - so gesehen passt das Bild von den Vereinten-Coca-Cola-Nationen. Natürlich geht es dem Getränkeproduzenten aus Atlanta aber auch ums Marketing: Der Coca-Cola-Pavillon auf der Expo ist zu allererst ein großer Werbestand.

Lebensmittelkonzern als Ausstellungsmacher

Die Konkurrenten handhaben das anders: Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat eine Ausstellung im Schweizer Pavillon gestaltet und will dort die "faszinierende Beziehung zwischen Mensch und Essen" ergründen.

In der Schweiz gab es jede Menge Kritik, dass Pavillondirektor Nicola Bideau ausgerechnet den Lebensmittelkonzern vom Genfer See als Hauptsponsor gewonnen hat. Bideau selbst konntert, es sei wichtig, "ein Gleichgewicht zu finden zwischen wirtschaftlicher Förderung auf der einen Seite und auf der anderen Seite wollen wir auch unsere Werte kommunizieren und auch Solidarität".

Vier Lebensmittelsilos hat die Schweiz befüllt, jeder Besucher darf sich bedienen, aber nur soviel nehmen, wie er verantworten kann. Die Silos werden nicht wieder aufgefüllt. So wird der schonende Umgang mit Ressourcen eingeübt. Eine schöne Idee - wenn da nicht der Sponsor wäre. Einen Turm hat Nestlè mit Nescafé-Tütchen gefüllt.

Vatikan als warnender Akteur

Lebensmittel im Überfluss - das ist eines der großen Themen dieser Expo. Ein Drittel aller Nahrungsmittel wird nicht genutzt, sondern weggeworfen, es verrottet oder verdirbt. Im Pavillon der Expo-Veranstalter wird das den Besuchern eindrücklich vor Augen geführt - mit einem riesigen Lebensmittelberg.

Den Hunger bekommt man bei dieser Weltausstellung kaum zu Gesicht. Nur der Vatikan ist so mutig, den Besuchern die Folgen von Unterernährung und Armut zu zeigen: in beeindruckenden Videoinstallationen in einem ansonsten sehr schlichten Pavillon.

Und Papst Franziskus kündigte zur Eröffnung der Expo an: Er wolle bei dieser Weltausstellung armen und hungernden Menschen eine Stimme geben: "Die Expo ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, Solidarität zu globalisieren. Wir sollten diese Gelegenheit nicht verpassen, sondern voll zu nutzen."

McDonald's als Verpfleger

Alfons Schuhbeck auf der Expo 2015 in Mailand
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Alfons Schuhbeck ist ein Botschafter der Weltausstellung zum Thema Ernährung.

Natürlich geht es in Mailand nicht nur darum, dass Menschen genug zu Essen bekommen, sondern auch, wie sie sich ernähren - das Lieblingsthema unter anderem des deutschen Spitzenkochs Alfons Schuhbeck. Er ist einer der Botschafter dieser Weltausstellung. Der Schlüssel zu gesunder Ernährung heutzutage sei eben auch die Frage, wie man Lebensmittel zubereite, so Schuhbeck.

Dass ausgerechnet die Fastfood-Kette MacDonalds ein Restaurant auf der Expo betreibt, halten viele vor diesem Hintergrund für ein falsches Signal. "Wenn diese Veranstaltung über die Zukunft der Ernährung nachdenken will, hätte man unserer Meinung nach bestimmte Entscheidungen treffen müssen. Den Planeten ernähren, heißt nicht, ihn mästen", kritisiert Marco Burdese von der italienischen "Slow Food"-Bewegung, die für eine für eine bewusste und regionale Ernährung wirbt.

Besucher als Tester

Die Besucher der Weltausstellung haben ohnehin die Qual der Wahl. Bei 54 verschiedenen Ländern, die hier ausstellen, gibt es mindestens 54 verschiedene Küchen. Die Deutschen präsentieren sich ganz klassisch mit Würstchen und Kartoffelsalat, die Gastgeber sehr vielfältig: italienische Küche von Sizilien bis Südtirol. Als besonders exotisch sticht die thailändische Präsentation heraus, denn hier kann man sogar Insekten kosten.  

Ernährung ist zentrales Thema auf der Expo
T. Kleinjung, ARD Rom
03.05.2015 11:41 Uhr

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