Menschen protestieren vor einem Gericht in Istanbul gegen den Prozess. | Bildquelle: AFP

"Cumhuriyet"-Prozess Sieben Journalisten kommen frei

Stand: 28.07.2017 20:19 Uhr

Im Prozess gegen die regierungskritische Zeitung "Cumhuriyet" werden sieben der elf in U-Haft sitzenden Angeklagten auf freien Fuß gesetzt, entschied ein Istanbuler Gericht. Die vier prominentesten Angeklagten bleiben aber im Gefängnis.

Ein Istanbuler Gericht hat die Freilassung von sieben Mitarbeitern der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" angeordnet, darunter ist der Karikaturist Musa Kart. Sie werden laut "Cumhuriyet" und der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu bis zu einem Urteil in dem Prozess auf freien Fuß gesetzt.

Die vier wichtigsten Angeklagten müssen allerdings in Untersuchungshaft bleiben: Chefredakteur Murat Sabuncu, Herausgeber Akin Atalay, der Investigativjournalist Ahmet Sik und der Kolumnist Kadri Gürsel. Das Gericht war dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt, sie nicht freizulassen.

"Wir bleiben aufrecht"

"Macht euch keine Sorgen um uns, wir bleiben aufrecht!", rief Atalay den Zuschauern zu, die mit Applaus reagierten. "Bleib standhaft, Ahmet, wir werden widerstehen und durchhalten", rief Siks Ehefrau Yonca vor der Verkündung der Gerichtsentscheidung.

Den Journalisten, Herausgebern und anderen Mitarbeitern des traditionsreichen Blatts wird Unterstützung der Gülen-Bewegung und anderer "Terrororganisationen" vorgeworfen. Die Zeitung weist die Vorwürfe entschieden zurück und beschuldigt die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan, mit dem Prozess eine der letzten unabhängigen Pressestimmen zum Schweigen bringen zu wollen.

Unterstützung von Abdullah Gül

Unterstützung erhielten die Angeklagten vom früheren Staatspräsidenten Abdullah Gül. "Ich habe immer gesagt, dass Journalisten frei sein sollten, während ihnen der Prozess gemacht wird. Auch jetzt denke ich, dass es richtig wäre, dass ihnen der Prozess gemacht wird, ohne dass sie in Haft sind", sagte Gül, der sich sonst selten öffentlich äußert.

Bisher waren elf von 17 angeklagten Mitarbeiter im Gefängnis. Zumeist saßen sie seit Ende Oktober im Gefängnis, nur Ahmet Sik wurde zwei Monate später festgenommen. Die nächste Anhörung wurde für den 11. September angesetzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juli 2017 um 20:00 Uhr.

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