Ein Junge spült am Stadtrand von Sanaa einen Eimer mit Wasser aus. | Bildquelle: dpa

Humanitäre Katastrophe im Jemen Ein Land rast auf den Abgrund zu

Stand: 01.08.2017 21:50 Uhr

70 Prozent der jemenitischen Bevölkerung brauchen akut Hilfe. Ihre größten Feinde: der Hunger, die Cholera und die zwei Kriegsparteien, die sich unbeirrt weiter bekämpfen. Mittendrin verzweifelte UN-Helfer.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Auke Lootsma, er ist vermutlich derzeit einer der verzweifeltsten UN-Mitarbeiter überhaupt. Der Mann, Direktor des UN-Entwicklungsprogrammes für den Jemen, sitzt in Sanaa, inmitten von Hunger, Tod und Cholera und sagt, die humanitären Helfer vor Ort müssten Löcher stopfen, die sie nie und nimmer mehr stopfen könnten.

27 Millionen Menschen im Jemen brauchen humanitäre Hilfe - 70 Prozent der Bevölkerung. Zwei Millionen Kinder und Babys sind akut unterernährt. Es fehlt an allem, nur nicht am Krieg und am Sterben in dem Land, das jetzt im traurigen UN-Ranking der Katastrophen den Spitzenplatz einnimmt.

Zerstörungen nach Luftangriff im Jemen | Bildquelle: AFP
galerie

Zerstörungen in der Provinz Sadaa nach einem Luftangriff des von Saudi-Arabien geführten Bündnisses.

Die größte Hungersnot und der weltgrößte Cholera-Ausbruch - und mittendrin die hilflosen Helfer wie der Niederländer Lootsma. Per wackeliger Videoleitung zugeschaltet in die Zentrale der Vereinten Nationen nach New York, beschreibt der Mann, was knapp zwei Jahre Bürgerkrieg und Bombardement durch die saudi-arabisch geführte Koalition aus dem Jemen gemacht haben. Das Land, sagt er, sei wie ein Bus voller Jemeniten, der auf einen Abgrund zurase. "Aber der Fahrer, statt auf die Bremse zu treten, gibt Gas und rast weiter auf den Abgrund zu."

Katastrophale Situation für Kinder im Jemen
tagesschau24 09:00 Uhr, 02.08.2017, Esther Saoub, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Ein Land geht unter, weil zwei Kriegsparteien weiterkämpfen. 400.000 Cholerafälle sind derzeit registriert und jeden Tag kommen 7000 Neuinfektionen hinzu. Die Cholerakrise - menschengemacht. Erst kam der Krieg, dann brach die Infrastruktur zusammen. Seit September 2016 erhielten 1,2 Millionen Lehrer, Angestellte, Ärzte, Pfleger, Wasserwerker, Müllarbeiter kein Geld mehr. Die Folge: "Der Müll türmt sich, und die Wasseraufbereitungsanlagen stehen still, weil kein Treibstoff für die Generatoren bezahlt werden kann", erklärt Lootsma.

Müll auf den Straßen von Sanaa | Bildquelle: REUTERS
galerie

Die Straßen von Sanaa sind mit Müll verstopft - Keimzelle für Bakterien.

Gefangen im Teufelskreis

Krieg macht Hunger, macht Cholera und lässt sterben. Im Jemen, sagen die Vereinten Nationen, habe die Menschheit diesen Teufelskreis perfektioniert. Unterernährung macht Kinder anfälliger für Cholera und Cholera sorgt für noch mehr Unterernährung. Es ist eine tödliche Kombination.

2,1 Milliarden Dollar brauchen die Helfer. 45 Prozent davon sind da. Über die Hälfte der Krankenhäuser zerbombt oder nicht mehr arbeitsfähig, weil Ärzte und Pfleger nicht mehr bezahlt werden und auf andere Art versuchen, Geld für Lebensmittel zu verdienen. Die Schulen geschlossen. Demnächst beginnt das neue Schuljahr. Aber die Lehrer, die noch da sind, wollen streiken, sagt Auke Lootsma. Der Jemen, einst ein vergessener Krieg. Jetzt warnen die Helfer. Bald könne die Welt den Jemen vergessen. Er gehe gerade unter.

UN warnen vor Katastrophe im Jemen
Georg Schwarte, ARD New York
01.08.2017 21:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. August 2017 um 09:00 Uhr und Deutschlandfunk am 26. Juli 2017 um 23:35 Uhr.

Darstellung: