Arbeiterinnen im Werk eines deutschen Unternehmens in Shanghai. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Deutsche Unternehmer in China "Von einer Krise weit entfernt"

Stand: 27.01.2016 11:58 Uhr

Erlebt Chinas Wirtschaft einen Crash oder wird sie weich landen? Diese Frage beschäftigt Analysten, Manager und Politiker. Die Wirtschaft in dem Land wächst jedenfalls nicht mehr so wie bisher. Steffen Wurzel hat sich in Shanghai mit deutschen Mittelständlern getroffen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Bettina Schön
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Bettina Schön sieht deutsche Firmen im Vorteil

Bettina Schön leitet von Shanghai aus die regionale Konzernzentrale Asien des Weinheimer Familienunternehmens Freudenberg. Die Firma produziert unter anderem Dichtungen, Filter und Spezialchemikalien für unterschiedliche Branchen.

"Die Automobilindustrie ist von großer Bedeutung von uns", sagt Bettina Schön. Aber auch der Maschinen- und Anlagenbau, außerdem die Bauindustrie und die Bereiche Textil und Chemie, so die Unternehmerin. Natürlich gäbe es da im vergangenen Jahr eine Abschwächung. Das Wachstum habe sich verlangsamt. Einfach deswegen, weil in den Jahren vorher viele Überkapazitäten geschaffen wurden.

Chinas Wirtschaft wächst

Die Managerin legt Wert auf die Tatsache, dass sich Chinas Wirtschaft zwar abkühlt, aber immer noch wächst. Vergangenes Jahr - nach offiziellen Angaben - um 6,9 Prozent. Selbst wenn diese Zahl möglicherweise geschönt sei, sei das erstens immer noch beeindruckend und biete zweitens europäischen Unternehmen weiter ein attraktives Umfeld.

Immer mehr Service und Dienstleistungen

Thomas Dorn
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Thomas Dorn ist Asien-Chef des französischen Mittelständlers TLD

Thomas Dorn ist Asien-Chef des französischen Mittelständlers TLD. Die Firma stellt unter anderem Spezialfahrzeuge und -maschinen für Flughäfen her. "Das ist ein ganz natürlicher Prozess, der mit der Entwicklung eines Landes von Statten geht", sagt Dorn. Es würde weniger arbeitsintensiv, es würde immer mehr auf Service und Dienstleistungen gehen.

Genau das ist es, was auch die Regierung in Peking seit Jahren sagt: Chinas Wirtschaft muss und wird sich entwickeln von einer industriellen und exportorientierten hin zu einer serviceorientierten Wirtschaft. Eine der Auswirkungen: Die Wachstumsraten von früher werden heute nicht mehr erreicht. Unternehmer Dorn sagt, dass die meisten Kollegen in dem Land sehr stark auf die Kostenbremse drücken. Es sei ein permanentes Schauen, sich die Effizienz und die Kosten so hinzuschleifen, dass man auch in den nächsten Monaten noch Bestand habe.

Es ist nicht schwarz-weiß

Sowohl Bettina Schön als auch Thomas Dorn bekommen regelmäßig Mails und Anrufe aus der Heimat mit Fragen wie: Was ist denn da los bei Euch, sieht es wirklich so düster aus? Ihre Antwort: Die Situation sei nicht schwarz-weiß. Natürlich gebe es Probleme, aber Dorn findet: "Die Unkenrufe, die sehe ich eher als Reißer. Der eine will Geld an der Börse machen, der andere will seine Zeitung verkaufen. Das hat mit dem täglichen Geschäft im Betrieb in China und in Asien nicht viel zu tun."

Deutsche Firmen im Vorteil

Künftig, das sagen fast alle europäischen Mittelständler in China, müsse man sich eben andere Branchen aussuchen, um in der Volksrepublik Geld zu verdienen. Schwerindustrie, Textilien und Grundstoffe - das war einmal. Managerin Schön meint, diese Kontinuitätsannahme, dass man in China immer doppelstellig wachse, und zwar durchgängig in allen Industrie-Branchen, die könne man heute nicht mehr machen. Bereiche wie Photovoltaik, Elektromobilität, Medizin- und Internet-Technologie - das sei die Zukunft. Und da seien wegen der hohen Qualität und des guten Images vor allem deutsche Firmen im Vorteil.

Unternehmerin Schön beruhigt: "Also ich denke, dass das wirklich immer sehr einseitig betrachtet wird. China wächst. Und es tut sich wahnsinnig viel im Markt. Deswegen lehne ich es ab, von einer Krise zu sprechen. Davon sind wir weit entfernt."

Deutsche Unternehmer vernehmen keine Wirtschaftskrise in China
S. Wurzel, ARD Shanghai
27.01.2016 10:06 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 27. Januar 2016 um 17:22 Uhr im Deutschlandfunk.

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