Che Guevara - Leben in Bildern | Bildquelle: REUTERS

50. Todestag von Che Guevara "Wir nennen ihn Santo Che"

Stand: 09.10.2017 16:19 Uhr

Am 9. Oktober 1967 wurde Che Guevara in einer Schule erschossen, erst 30 Jahre später fand man die Überreste seiner Leiche. "Dreckig und deprimiert" sei Che bei seiner Ergreifung gewesen, sagt ein Zeuge. Doch mit dem Tod des Revolutionärs war eine Legende geboren.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Südamerika

Allein gelassen von seinen Verbündeten, ohne Rückhalt bei den Bauern, keuchend vor Asthma und verfolgt von der CIA und 650 Soldaten - so endete vor 50 Jahren Che Guevaras Idee, von Bolivien aus eine Weltrevolution zu starten.

"Als wir ihn gefangen nahmen, am Tag, bevor er exekutiert wurde, war er krank, dreckig und deprimiert", sagt Gary Prado, der den wohl berühmtesten Revolutionär und seinen verbliebenen Trupp von 17 Guerilleros in einer Schlucht im bergigen bolivianischen Hinterland stellte. "Sein Revolutionsprojekt war gescheitert, seine Geschichte zu Ende."

War sie das? Oder begann damals, als Guevara am 9. Oktober 1967 in der kleinen Dorfschule von La Higuera erschossen wurde, nicht vielmehr eine neue Geschichte?

Fidel Castro und Che Guevara im Jahr 1960 | Bildquelle: dpa
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Die Revolutionäre Fidel Castro und Che Guevara im Jahr 1960.

"Seine Augen standen weit offen"

Dona Irma war damals 20 Jahre alt. Heute verkauft sie gegenüber der Schule Limonade, Fotos und Che-Guevara-Shirts. "Damals gab es die Propaganda, dass die Guerilleros die Menschen in den Dörfern misshandelten und die Frauen vergewaltigten", erzählt sie. Danach sei es verboten gewesen, über Guevara zu sprechen. "Es war gefährlich. Erst nach der Diktatur haben wir erfahren, dass er den Armen helfen wollte. Wenn wir das damals gewusst hätten, hätten wir ihn vielleicht unterstützt und wären heute nicht so arm."

Viel, das ahnt man, hat sich in La Higuera seit 50 Jahren nicht verändert, auch im Spital Nuestro Senor de Malta nicht, das drei Autostunden entfernt in der Kreisstadt Vallegrande liegt. Dort, im alten Waschhaus, wurde Che Guevaras Leichnam einst aufgebahrt und fotografiert.

"Seine Augen standen weit offen", erinnert sich Ligia Morán, die damals ein junges Mädchen war. "Wie er da lag, sah er aus wie Jesus Christus. Er war sehr schön, und sein Blick sagte uns: Sie haben meinen Körper getötet, aber mein Geist ist lebendig geblieben."

Che Guevara ca. 1957 in der Sierra Maestra | Bildquelle: picture-alliance / akg-images
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Che Guevara um 1957 in der Sierra Maestra. In dem Gebirge im Osten Kubas lag das Hauptquartier der Guerilleros.

Popikone mit wehendem Haar

Che, der Märtyrer, der für seine Ideen und Überzeugungen das eigene Leben ließ - dieses Bild ging um die Welt. Dabei wollte Boliviens Militärregime das eigentlich verhindern, der Leichnam wurde in einer Nacht-und-Nebelaktion unter dem Militärflughafen verscharrt. Erst 30 Jahre später wurden die Überreste gefunden.

Heute steht dort eine Art Pilgerstätte für Che-Jünger, ein Mausoleum in Form einer Kapelle. Fotos und Tafeln zeichnen den Lebensweg des in Argentinien geborenen Rebellen und Arztes nach, der erst ganz Südamerika bereiste, dann in Kuba an der Seite Fidel Castros das Regime stürzte und später zum Volksheiligen der Linken wurde - eine Popikone mit wehendem Haar, schütterem Bart und diesem entrückten und doch entschlossenen Blick unter Baskenmütze und rotem Stern.

"Es ist gut, dass man an seine Geschichte erinnert, gerade heute, wo unsere Gesellschaft wie eingeschläfert ist", sagt ein Tourist. Und eine andere Besucherin: "Ich bete jeden Tag zu ihm und er hilft mir, er vollbringt Wunder, wir nennen ihn Santo Che, den Heiligen."

Kritik an Guevara, an den vom ihm in Kuba kaltblütig angeordneten Hinrichtungen etwa oder daran, dass er den bewaffneten Kampf als einzige Alternative propagierte, hört man hier nicht.

Ein mehrtägiges Gedenkfestival zum 50. Todestag

Che Guevara | Bildquelle: picture alliance / ASSOCIATED PR
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Guevara wurde am 14. Juni 1928 in Argentinien geboren.

"Zu sagen, er war gewalttätig und ein Mörder, hat etwas Scheinheiliges" sagt Erlán Garcia. "Wir müssen die andere Seite sehen und den historischen Kontext. Heute ist die Zeit der Guerillas vorbei, aber nicht die seiner Ideale. Solange es Ungerechtigkeit gibt, wird es neue Ches geben." Garcia führt Touristen zu den letzten Stationen seines Idols. Sein Problem: Die kommen bisher nur zaghaft in das abgelegene Provinznest. Der Boom, auf den die Region gehofft hat, ist ausgeblieben.

"Vallegrande ist nicht auf internationale Touristen vorbereitet", sagt Garcia. "Wir haben kaum ordentliche Restaurants und Hotels, die Straßen sind schlecht. Das ist so, weil die Verwaltung hier seit Jahren in Händen der rechten Opposition ist und keinen Sinn darin sieht, in Che zu investieren."

Dabei profitiert Vallegrande wie nie von der Revolutions-Ikone. Im Vorfeld des 50. Todestages ist viel Geld geflossen. Kuba ließ alle historischen Schauplätze auf Vordermann bringen. Die linke Regierung von Bolivien lässt ein mehrtägiges Gedenkfestival veranstalten, ein Statement gegen den aktuellen Rechtsruck auf dem Kontinent. Die mangelnde Hotelkapazität hält den Staatschef und bekennenden Che-Fan Evo Morales nicht ab. Er schlafe, so ließ er verlauten, in einem Zelt.

Was vom Mythos Che Guevara übrig blieb
Anne Herrberg, ARD Buenos Aires
09.10.2017 14:25 Uhr

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50. Todestag von Che Guevara

Che Guevara

Ernesto (genannt "Che") Guevara de la Serna wurde am 14. Juni 1928 in Argentinien geboren. Sein Vater Ernesto Guevara Lynch war Mate-Plantagenbesitzer, | Bildquelle: picture alliance / ASSOCIATED PR

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Oktober 2017 um 14:50 Uhr.

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