George W. Bush | Bildquelle: imago/ZUMA Press

Kritik an Medienschelte Bush teilt gegen Trump aus

Stand: 28.02.2017 04:56 Uhr

In den vergangenen Jahren hielt er sich mit Äußerungen zur aktuellen Politik zurück. Nun aber meldete sich Ex-Präsident Bush zu Wort: Er verurteilte die Angriffe von US-Präsident Trump gegen die Medien. Auch zum Einreiseverbot äußerte er sich.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Der frühere US-Präsident George W. Bush hat sich nach seinem Ausscheiden aus dem Amt nur selten öffentlich zu Wort gemeldet. Während der achtjährigen Amtszeit seines Nachfolgers Barack Obama mischte sich Bush bewusst nicht in die aktuelle Politik ein.

"Leute wie mich zur Verantwortung ziehen"

Umso bemerkenswerter ist es, dass Bush nun die ständigen Angriffe des neuen Präsidenten Donald Trump gegen die Medien scharf verurteilte. In einem Interview des Senders NBC bezeichnete Bush die Medien als "unverzichtbar für eine Demokratie": "Wir brauchen unabhängige Medien, um Leute wie mich zur Verantwortung zu ziehen. Macht kann sehr süchtig machen. Und sie kann zerstörerisch sein."

Trump dagegen bezeichnete in den vergangenen Wochen mehrfach US-Medien, die kritisch über seine bisherige Arbeit berichten, als "Feinde des amerikanischen Volkes".

Bush, der sich wegen des Irak-Krieges selbst heftiger Medienkritik ausgesetzt sah, betonte, es sei wichtig, dass die Medien Politiker zur Rechenschaft ziehen, vor allem Menschen, die ihre Macht missbrauchen. Als Präsident habe er mehrfach versucht, Russlands Präsident Wladimir Putin von den Vorteilen einer unabhängigen kritischen Presse zu überzeugen: "Es ist schwierig, andere dazu zu bringen, eine unabhängige freie Presse zu akzeptieren, wenn wir selbst dazu nicht bereit sind."

Kritik auch am Einreiseverbot

Bush distanzierte sich auch von Trumps Einreiseverbot gegen sieben überwiegend muslimische Länder. Für ihn sei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sofort klar gewesen, dass es den Terroristen nicht um Religion ging, sondern um eine Ideologie. Deshalb seien Maßnahmen kontraproduktiv, die den Eindruck erwecken, sie seien gegen Muslime gerichtet. Bush sprach sich für eine "gastfreundliche Einwanderungspolitik" aus, die nicht gegen die Gesetze verstößt.

US-Präsident Trump will Mitte der Woche ein neues überarbeitetes Einreiseverbot vorstellen. Nach bisherigen Informationen soll es erneut die sieben überwiegend muslimischen Länder betreffen. Es soll allerdings nur für Personen gelten, die noch nie in den USA waren.

Der Sender CNN meldete zudem, dass das Weiße Haus seine Suche nach Mitarbeitern, die Informationen an die Medien durchstechen, deutlich verschärft. Trumps Sprecher Sean Spicer habe die Handys der Mitarbeiter in der Pressestelle des Weißen Hauses eingesammelt und überprüfen lassen, mit welchen Reportern sie kommunizieren. Präsident Trump sei "wütend", dass ständig Informationen aus dem Weißen Haus nach außen dringen.

Bush kritisiert Trumps Medienattacken
M. Ganslmeier. ARD Washington
28.02.2017 08:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Februar 2017 um 06:02 Uhr

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