Benedict Cumberbatch und Keira Knightley bei einer Filmpremiere (Archivbild vom Oktober 2014)

Prominente und das EU-Referendum Cumberbatch/Knightley vs. Cleese/Jagger

Stand: 20.06.2016 10:35 Uhr

Das Rennen ist knapp, am Ende kann jede Stimme zählen. Und so werben kurz vor dem Referendum auch immer mehr Prominente für ihre Position: John Cleese und Mick Jagger für den Brexit - Benedict Cumberbatch und Keira Knightley dagegen.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Schon in dem Monty-Python-Film "Das Leben des Brian" aus den 70er-Jahren bezweifelt der britische Komiker John Cleese, dass übergeordnete Autoritäten jemals etwas Gutes bringen könnten. In seiner Rolle rief er damals also empört: "Was haben die Römer denn jemals für uns getan?" "Sie haben uns den Frieden gebracht", meint ein Kumpel. "Frieden? Ach, halt doch die Klappe!"

John Cleese @JohnCleese
If I thought there was any chance of major reform in the EU,I'd vote to stay in.But there isn't.Sad.Sorry,Paddy.

Parallelen zu real existierenden Institutionen sind natürlich rein zufällig, doch Cleese bezieht auch jetzt in der Brexit-Debatte Stellung und twitterte: "Gäbe es in der EU die Chance auf maßgebliche Reformen, würde ich für den Verbleib stimmen.  Aber diese Chance sehe ich nicht." Der 76-Jährige rät zum Austritt, ebenso wie Rolling Stone Mick Jagger, der im Brexit-Fall langfristig für Großbritannien Vorteile vermutet.

The-Who-Frontman Roger Daltrey empfiehlt nicht nur seiner Generation den Austritt, sondern allen - und beschimpfte laut Zeitungsberichten die EU-Führungsriege in Brüssel mit Begriffen, die hier nicht wiedergegeben werden können. Auch der Schauspieler Michael Caine, erfolgreicher Brite in Hollywood, hat von der EU die Nase voll. "Wir können uns nicht von Tausenden gesichtslosen Beamten rumkommandieren lassen", sagte er.

"Stärker, einfallsreicher und kreativer in Europa"

Doch prominente Bekenntnisse zum Brexit sind in der britischen Kulturszene eher Einzelfälle. Bereits im Mai hatten fast 300 Prominente aus der britischen Film-, Kunst und Musikszene einen offenen Brief für den Verbleib in der EU geschrieben: Die Insel sei nicht nur "stärker in Europa", sie bleibe auch "einfallsreicher und kreativer", wenn der Brexit abgewendet werde. Mit Hinweis auf William Shakespeare und David Bowie stellen die Briefschreiber fest, dass britische Kreativität "den Rest der Welt inspiriere und beeinflusse". Und als Mitglied der EU werde die britische Führungsrolle gestärkt.

Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderem die Kinostars Benedict Cumberbatch, Keira Knightley und Emma Thompson. "Warum sollten wir raus aus Europa? Wir sind Europäer, nur durch einen schmalen Streifen Wasser vom Kontinent getrennt. Wir haben lange und komplexe Beziehungen mit allen europäischen Ländern", heißt es in dem Schreiben weiter.

Für den Verbleib in der der EU werben auch Regisseur Danny Boyle, die Band Franz Ferdinand, die Musikerinnen Paloma Faith und Lily Allen sowie Modeschöpferin Vivienne Westwood.

"Absoluter Wahnsinn"

Die Künstlerin Tracey Emin schuf einen Neonschriftzug mit den Worten "Love In" zum Thema Brexit: "Es wäre absoluter Wahnsinn jetzt Europa zu verlassen, wir stehen an der Schwelle zu einem dritten Weltkrieg und wenn Europa zu irgendeiner Zeit zusammenstehen sollte, dann jetzt", meinte sie. Ein Austritt werde das Land nicht stark und unabhängig aussehen lassen, sondern schwach und abhängig. Und der Bildhauer Anish Kapoor kommentiert einen möglichen Brexit schlicht mit den Worten: Isolationismus führt unweigerlich irgendwann zum Tod.

Auch der deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans, der seit Jahrzehnten in Berlin und London lebt, engagiert sich gegen den Brexit. Er entwarf eine Posterserie mit Fotos und Geschichten über die EU-Errungenschaften, die man im Internet kostenlos ausdrucken kann. Tillmanns warnt unter anderem davor, Gestalten wie der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen oder dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, denen der Brexit in die Hände spielen würde, das Feld zu überlassen.

Mit Warnungen vor Putin darf man Brexit-Befürworter Bernie Ecclestone allerdings nicht kommen - das wurde unlängst in einem Interview klar. Der Formel-1-Boss findet nicht nur, dass Europa seine Bedeutung eingebüßt hat, sondern wünscht sich auf Nachfrage des Moderators auch gleich noch, dass Putin Europa künftig mitregiert.

Stay or Go? Promis und Kulturschaffende zu Brexit
G. Biesinger, ARD London
20.06.2016 10:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juni 2016 um 12:00 Uhr.

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