Der Sitz der EBA in London. | Bildquelle: dpa

Umzug zweier EU-Agenturen Balgen um die Brexit-Beute

Stand: 31.07.2017 15:51 Uhr

Die EU-Bankenaufsicht und die Europäische Arzneimittelbehörde müssen wegen des Brexit von Großbritannien in andere Mitgliedstaaten umziehen. Reihenweise EU-Länder haben Interesse angemeldet. Nun endete die Bewerbungsfrist. Wer bekommt den Zuschlag?

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

So mancher EU-Staat greift ziemlich tief in die Bewerbungs-Trickkiste: Die Regierung der Niederlande etwa ließ sich ein Eigen-Werbevideo einfallen, das nicht durchgängig ernst gemeint ist. So versuchen die Niederländer die Mitarbeiter der noch in London angesiedelten EU-Arzneimittelbehörde (EMA) unter anderem damit ins Land zu locken, dass die ganz gewiss keinen Kulturschock zu befürchten hätten.

"Wir sind gar nicht so viel anders", heißt es in dem Video. Und dann weiter: "Wir haben auch eine sehr elegante Königin. Und mögen Fish and Chips." Im Wettstreit darum, wer die Europäische Arzneimittelbehörde samt ihrer fast 900 Mitarbeiter bekommt, hat der deutsche Bieter Bonn jedenfalls jede Menge Konkurrenz.

Bonn will die EMA, Frankfurt die EBA

Mehr als die Hälfte der EU-Staaten hatte sich bereits bis Mitte Juli beworben. Das geht aus einer Liste hervor, die dem ARD-Studio Brüssel vorliegt. Deutlich weniger Städte buhlen um die ebenfalls noch in London angesiedelte EU-Bankenaufsicht (EBA). Doch das heißt nicht, dass Frankfurt als Bieterstadt den Sieg beziehungsweise die Agentur bereits in der Tasche hätte: Warschau, Wien, Prag, Paris - so heißen einige der prominenten Konkurrenten.

Der Hauptsitz der Europäischen Arzneimittel-Agentur. | Bildquelle: REUTERS
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Der Hauptsitz der Europäischen Arzneimittelbehörde.

Und jetzt geht das Rennen ja erst so richtig los: "Es gibt ja fast kein Land, das nicht Kandidat ist", witzelte unlängst Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn, dessen Land sich inzwischen offiziell um die Bankenaufsicht beworben hat.

EU-Kommission prüft nun die Bewerber

Als nächstes ist nun die EU-Kommission dran, die alle Angebote prüft und bis Ende September eine Bewertung abgibt. Im Oktober führen dann die Europaminister eine politische Diskussion über das Thema. Im November schließlich wird abgestimmt - in einem Verfahren, das ein wenig an den Eurovision Song Contest erinnert.

Der Sitz der EBA in London. | Bildquelle: dpa
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Die EU-Bankenaufsicht muss London verlassen.

Abstimmung wie beim ESC

Jedes EU-Land hat im ersten Wahlgang das Recht, sechs Punkte an die einzelnen Bewerber zu verteilen. Ein Verfahren, auf das sich auf dem EU-Gipfel im Juni die Staats- und Regierungschefs einigten.

"Dass wir uns schnell darauf verständigen konnten, beweist abermals unsere Einigkeit und den gemeinsamen Willen, die Unsicherheit, die der Brexit mit sich bringt, zu verringern", erklärte damals EU-Ratspräsident Donald Tusk.

Doch schon bei der Diskussion über das Auswahlverfahren hatte es hinter den EU-Kulissen zuvor heftig rumort. Es ist daher kaum zu erwarten, dass bei der endgültigen Entscheidung alles harmonisch zugeht.

Balgen um Brexit-Beute
Kai Küstner, ARD Brüssel
31.07.2017 15:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Juli 2017 um 15:12 Uhr.

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