Stilles Gedenken an die Opfer des Anschlags auf der norwegischen Insel Utöya | Bildquelle: AFP

Terroranschläge in Norwegen Erinnern an die Opfer von Oslo und Utöya

Stand: 22.07.2017 08:24 Uhr

Vor sechs Jahren tötete der norwegische Rechtsterrorist Breivik 77 Menschen. Noch immer ringen die Norweger um eine würdige Gedenkstätte. Sie nähern sich zwar langsam an. Zur Ruhe kommen sie aber dennoch nicht.

Von Björn Dake, ARD-Studio Stockholm

Ein Fähranleger am Tyrifjord. Birken und Tannen säumen das Ufer. Verstreut stehen einige Holzhäuser. Wenige Hundert Meter von hier liegt Utöya. Dort erschoss der Rechtsextremist Anders Behring Breivik 69 Menschen. Es waren vor allem Jugendliche. Sie waren zu einem Sommerlager der Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei auf die Insel gekommen.

Sechs Jahre später ringen die Norweger darum, wie sie der Opfer der Anschläge auf Utöya und in Oslo gedenken sollen. Vor einem Monat stoppte Kommunalminister Jan Tore Sanner die Pläne für eine Gedenkstätte: "Wir sind den direkten Nachbarn entgegengekommen und haben uns von dem ursprünglich geplanten Platz verabschiedet. Utöya-Kai wird ein würdiger und schöner Ort werden."

Norwegen erinnert an die Opfer von Oslo und Utöya
tagesschau 20:00 Uhr, 22.07.2017

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Anwohner wehrten sich gegen Gedenkstätte

Das geplante Mahnmal für die Opfer von Utöya (Quelle: Jonas Dahlberg Studio)
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So sollte Dahlbergs Denkmal aussehen.

Der schwedische Künstler Jonas Dahlberg wollte eine Landzunge durch einen dreieinhalb Meter breiten Graben vom Festland abtrennen. Ein tiefer Einschnitt, schon von Weitem zu sehen.

Die Anwohner des Tyrifjord gingen auf die Barrikaden. Sie wollten nicht jeden Tag durch eine spektakuläre Gedenkstätte an die Anschläge vom 22. Juli 2011 erinnert werden. Außerdem befürchteten sie, dass eine Touristenattraktion entsteht. Sie zogen vor Gericht.

"Leises Denkmal" geplant

Jetzt soll die Gedenkstätte einige Nummern kleiner ausfallen - direkt am Fähranleger nach Utöya. Anwohner Oddvar Hansen begrüßt das: "Ich denke, eine Gedenkstätte hier am Kai ist richtig und gut. Das ist dem Ort, wo es geschehen ist, würdig." Es soll ein leises Denkmal werden. Zurückhaltend.

Die Planungen hat die staatliche Baubehörde übernommen - von der Behörde für Kunst im öffentlichen Raum. Einen neuen Künstlerwettbewerb soll es nicht mehr geben. Es scheint so, als wollten Politik und Hinterbliebene einen Schlussstrich ziehen, unter die jahrelange Debatte über die richtige Form des Gedenkens.

Die norwegische Insel Utöya. | Bildquelle: dpa
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Die Insel Utöya, auf der 2011 der Terrorist Breivik 69 überwiegend junge Menschen erschossen hat.

"Wir begnügen uns damit. Das Stadtbauamt hat alle Parteien vorbildlich in den Prozess involviert und die verschiedenen Alternativen untersucht. Wir sind froh, dass jetzt eine Entscheidung gefallen ist", sagt Lisbeth Röyneland. Sie hat vor sechs Jahren ihre 18 Jahre alte Tochter Synne auf Utöya verloren. Röyneland setzt große Hoffnungen in die neuen Pläne. "Wir wünschen uns eine wirklich schöne Gedenkstätte. Sie sollte alle Namen aufführen und einladend sein."

Breivik gibt keine Ruhe

Wie das Denkmal am neuen Standort genau aussehen soll, ist noch nicht klar. Die Erinnerung an die Anschläge auf Utöya fällt den Norwegern möglicherweise auch so schwer, weil der Name des Täters auch sechs Jahre danach immer wieder in der Öffentlichkeit auftaucht. Mal klagt er, weil er seine Haftbedingungen für "unmenschlich" hält. Mal lässt er seinen offiziellen Namen ändern. Den Massenmord von Utöya und Oslo bereut er nach wie vor nicht.

Anders Behring Breivik
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Anders Behring Breivik sorgt auch nach seiner Verurteilung für Schlagzeilen.

Bauchschmerzen bereiten den Überlebenden und den Angehörigen der Opfer auch die Pläne für einen Spielfilm. Ein norwegischer Regisseur hat neulich angekündigt, die Ereignisse des 22. Juli zu verfilmen. Ihm graue davor, sagt der Chef der Jugendorganisation der Arbeiterpartei Mani Hussaini. Aber er verstehe auch, dass die Geschichte erzählt werden muss.

Norwegen erinnert an Anschläge in Oslo und Ütöya
Björn Dake, ARD Stockholm
22.07.2017 09:33 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 22. Juli 2017 um 07:10 Uhr im Deutschlandfunk.

Korrespondent

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Björn Dake, BR

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