Feuer im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos | Bildquelle: AP

Brand in Flüchtlingslager auf Lesbos Tausende fliehen vor den Flammen

Stand: 20.09.2016 09:04 Uhr

3000 bis 4000 Flüchtlinge sind wegen eines Feuers aus dem Flüchtlingslager "Moria" auf der griechischen Insel Lesbos geflohen. Laut Polizei wurde das Feuer möglicherweise absichtlich gelegt. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Wegen eines Feuers sind Tausende Menschen aus einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos geflohen. "Zwischen 3000 und 4000" Flüchtlinge hätten das Lager von Moria verlassen, sagte ein Polizeivertreter. Rund 150 Minderjährige, die in dem Lager untergebracht waren, wurden in eine Einrichtung für Kinder auf der Insel gebracht. Das Feuer konnte noch am Abend unter Kontrolle gebracht werden, verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe "keinen Zweifel" daran, dass das Feuer von den Bewohnern des Flüchtlingslagers gelegt wurde. Zur Ursache der Flammen kursierten zunächst unterschiedliche Angaben. Erst hieß es, Krawalle zwischen den Bewohnern des Lagers hätten zur Eskalation geführt. Am späten Montagabend berichteten griechische Medien dann, es habe Gerüchte über die drohende Abschiebung von Migranten in die Türkei gegeben, weshalb es zu Aufständen und Brandstiftung gekommen sei. Es habe keine Verletzten gegeben.

Gerüchte über drohende Abschiebungen

Bereits tagsüber hätten die Menschen gegen die vermeintlich drohenden Abschiebungen protestiert, am Nachmittag sei dann an verschiedenen Stellen inner- und auch außerhalb des Lagers Feuer gelegt worden, berichtete die griechische Zeitung "To Vima". Zunächst seien deshalb rund 150 Minderjährige aus dem Lager gebracht worden. Später sei die Lage auf der Insel dann außer Kontrolle geraten und die mehr als 3000 Bewohner seien geflohen.

Julie Delem @julie_lescaut
After multiple fights between nationalities and no #security for the 6000 ppl inside, #Moria camp is now on fire https://t.co/6Q2d8awm9N

Viele machten sich Medienberichten zufolge auf dem Weg zur rund sechs Kilometer entfernten Inselhauptstadt Mytilini, in deren Hafen die Fähren Richtung Athen ablegen. Schon länger fordern die Flüchtlinge, auf das griechische Festland reisen zu dürfen, um den Zuständen im Hotspot zu entkommen, aber auch in der Hoffnung, sich von Athen aus weiter nach Mittel- und Nordeuropa durchschlagen zu können.

Kritik an prekären Verhältnissen

Das Lager "Moria" gehört zu den größten des Landes. Schon in der Vergangenheit hatte es dort gebrannt, außerdem gab es immer wieder Zusammenstöße zwischen den Flüchtlingen. Menschenrechtsgruppen kritisierten in der Vergangenheit immer wieder die prekären Verhältnisse in den griechischen Aufnahmezentren, besonders auf Lesbos und anderen Ägäis-Inseln. So leben auf insgesamt fünf griechischen Inseln mehr als 13.000 Flüchtlinge, obwohl die Einrichtungen nur für knapp 8000 Menschen ausgelegt sind.

In Griechenland halten sich derzeit mehr als 60.000 Schutzsuchende auf. Die meisten von ihnen wollen aber weiter Richtung Deutschland oder in andere westeuropäische Staaten. Weil eine Reihe von osteuropäischen Ländern und Balkanstaaten aber mittlerweile die Grenzen geschlossen haben, ist ein Weiterkommen nahezu unmöglich.

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