Die Mitglieder des nigerianischen Bobteams | Bildquelle: REUTERS

Nigeria bei den Winterspielen Auf den Spuren von "Cool Runnings"

Stand: 02.01.2018 20:29 Uhr

In Nigeria gehört Wintersport noch nicht einmal zu den Randsportarten. Trotzdem wird wohl das halbe Land im Februar an den Bildschirmen kleben und nach Südkorea schauen. Denn mit drei mutigen Frauen ist ihr Land zum ersten Mal bei Olympischen Winterspielen dabei.

Von Stefan Ehlert, ARD-Studio Rabat

Seun Adigun ist eine versierte Hürdensprinterin. 2012 nahm sie an den Olympischen Spielen in London teil. Als sie ihre Laufschuhe an den Nagel hängte, so erzählt sie in Interviews, brachten Kolleginnen sie auf die Idee, auf den Bobsport umzusatteln. Ihr erstes Trainingsgerät baute sie sich selbst aus Holz, sie nannte es Mayflower.

Mit dem Holzschlitten machte Adigun sich fit für das US-Bobteam. Sie lebt in Houston, Texas, ist 1987 in den USA geboren, doch ihre Eltern stammen aus Nigeria. Gemeinsam mit zwei weiteren nigerianischen Leichtathletinnen hob sie dann eine eigene Nationalmannschaft aus der Taufe. Adigun ist die Pilotin, dazu kommen eine Bremserin und eine Ersatzfrau.

Bobpilotin Seun Adigun | Bildquelle: REUTERS
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Seun Adigun gründete die nigerianische Bobmannschaft.

Skeptische Töne in der Heimat

Die drei durchtrainierten, temperamentvollen und energiegeladenen Frauen sind gern gesehene Gäste in so mancher Talkshow. Ihr Ziel: eine Medaille in Südkorea. Nicht nur sportlich, auch mental sei die Qualifikation ein weiter Weg gewesen, sagt Adigun. "Wir kommen von einem Kontinent, wo niemand auf die Idee käme, mit 80 oder 90 Meilen pro Stunde einen Eiskanal runterzurasen."

Tatsächlich trafen Nigerias Bobfrauen in Nigeria selbst anfänglich auf ein gewisses Unverständnis - auch bei versierten Sportmoderatoren. "Was haben wir in diesem Teil der Welt mit Winter zu tun?", fragten etwa die Experten von Channel TV.

Adigun und ihrem Team ist bewusst, dass sie die ersten Nigerianerinnen bei Olympischen Winterspielen sind - und die ersten Vertreter Afrikas im Olympischen Eiskanal. Wobei Adigun einmal gegenüber der BBC andeutete, dass sie noch immer kaum fassen könne, was sie sich da zumute: "Jeden Morgen wache ich auf und denke mir: 'Gott hilf mir, was mache ich da eigentlich gerade?'"

Die Mitglieder des nigerianischen Bobteams | Bildquelle: REUTERS
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Seun Adigun, Ngozi Onwumere und Akuoma Omeoga sind die ersten Winterolympioniken Nigerias. Die Bobwettbewerbe der 2-er-Frauen sind für den 20. und 21. Februar angesetzt.

"Es geht um mehr als den Sport"

Als Sprinterinnen, sagt Adigun, hätten sie gute Voraussetzungen: Geballte Schubkraft beim Start, Konzentration auf die wichtigen Sekunden und Nervenstärke, wenn der mehr als 300 Kilogramm schwere Schlitten mit 130 Kilometern pro Stunde durch die Röhre saust.

Dabei gehe es um mehr als den Sport, sagt Bremserin Ngozi Omwumere. Es gehe auch darum, Menschen in Nigeria Mut zu machen: "Wir sind starke Leute, wir können alles erreichen, was wir uns vornehmen. Es geht immer um das größere Bild und darum, Nigeria gut dastehen zu lassen." - "Putting Nigeria on the map", sagt Omwumere wörtlich.

Den Film "Cool Runnings" kennen Afrikas Bobpionierinnen natürlich: die unglaubliche, aber wahre Geschichte von vier Jamaikanern, die es vor 30 Jahren in Kanada zum ersten Mal bis zum Start bei Olympischen Winterspielen in Calgary brachten. Es sei ihr eine Ehre, sagt Pilotin Adigun, mit etwas so Großem verglichen zu werden. Am Drehbuch ihres eigenen Lebens schreibt sie im Februar weiter: im Eiskanal von Pyeongchang.

Nigerias Bob-Frauen vor der Olympiapremiere
Stefan Ehlert, ARD Rabat
02.01.2018 19:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Januar 2018 um 22:50 Uhr.

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