Papst Franziskus bei der Bischofssynode | Bildquelle: dpa

Nach Ende der Bischofssynode im Vatikan Enttäuschung oder Öffnung?

Stand: 25.10.2015 11:08 Uhr

Wer konkrete Ergebnisse von der Bischofssynode im Vatikan erhofft hatte, wurde enttäuscht: Wiederverheiratete sind weiter nicht zur Kommunion zugelassen, von Homosexuellen war kaum die Rede. Papst Franziskus sieht sich dennoch in seinem Reformkurs bestärkt.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Am Ende der Bischofssynode macht sich eine gewisse müde Euphorie breit. Nach drei Wochen der Beratungen, nach drei Wochen, in denen um einen Text gerungen wurde - von dem viele schon nicht mehr Großes erwartet hatten. Am Ende sind 33 Seiten Text zusammengekommen, in denen nicht so sehr von der strengen Lehre der katholischen Kirche die Rede ist, sondern viel von Lösungswegen für Familien, die nicht so recht in diese Lehre passen.

Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz jedenfalls kann mit diesem Abschlussdokument gut leben. "Es ist sehr wichtig für mich, dass wir am Ende sagen können: Wir haben diskutiert. Wir waren uns nicht immer einig. Wir haben versucht, Kompromissformeln zu finden. Aber insgesamt ist der Weg des Papstes gestützt worden." Er sehe das auch so und fühle sich ermutigt, sagt Marx. "Es sind für das weitere Überlegen keine Türen geschlossen worden, sondern es sind Türen geöffnet worden - vor allem im Blick auf die schwierigen Situationen von Menschen."

Keine klaren Lösungen

Alle, die konkrete Antworten erwartet hatten, werden enttäuscht. Von Homosexuellen und ihrem Platz in der katholischen Kirche ist fast gar nicht die Rede. Und auch für wiederverheiratete Geschiedene, die zur Kommunion gehen und sich nicht ausgeschlossen fühlen wollen, gibt es keine klare Lösung. Aber das konnte für Kardinal Christoph Schönborn, den Erzbischof von Wien, auch gar nicht das Ziel sein.

"Es geht nicht um die Frage 'Ja' oder 'Nein', dürfen sie jetzt die Hostie nehmen oder nicht? Es geht um genaues Hinschauen, es geht ums Begleiten. Es gibt nicht die Situation von den wiederverheirateten Geschiedenen, sondern es gibt eine riesige Vielfalt von Situationen. Und dieses Differenzieren erlaubt keine Rezepte, sondern erfordert Kriterien", sagt Schönborn.

Synode ohne konkrete Reformen beendet
tagesschau 17:15 Uhr, 25.10.2015

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Differenzieren, ohne zu diskriminieren: Diese Formel hat man dieser Tage in Rom hin und wieder gehört. Im Falle von gescheiterten Ehen soll das heißen: Es gibt viele unterschiedliche Situationen, und ebenso unterschiedlich können die Lösungen ausfallen - immer im Rahmen der katholischen Lehre. Nicht zuletzt weil die Lage in den vielen Diözesen weltweit sehr verschieden ist. Das Abschlussdokument der Synode spricht von verschiedenen Formen des Ausschlusses, deren Überwindung im Einzelfall überprüft werden müsse.

Das ist eine bemerkenswerte Öffnung, die auch Papst Franziskus in seiner Abschlussrede noch einmal angesprochen hat: "Die erste Pflicht der Kirche ist nicht Strafen oder den Kirchenbann zu verhängen, sondern die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden, zur Umkehr aufzurufen und alle Menschen zum Heil zu führen."

Abschlussdokument verabschiedet

Alle 94 Abschnitte des Synodendokumentes wurden mit der mindestens nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet. Bei den Abschnitten zur den wiederverheiratet Geschiedenen nur knapp. Bis zuletzt war um den Wortlaut gerungen worden, bis zuletzt wollten Konservative die strengen Positionen katholischer Lehre einarbeiten. Aber auch für sie fand der Papst am Ende klare Worte: "Durch die Erfahrung dieser Synode haben wir auch besser verstanden, dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht die sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern den Geist, nicht die Ideen, sondern den Menschen, nicht die Formen, sondern dass die Liebe und das Verzeihen Gottes umsonst gegeben sind."

Überhaupt liegt es jetzt am Papst, was aus den Ergebnissen der Synode wird. Das Abschlusspapier enthält nur Vorschläge, aus denen Franziskus neue Regeln machen kann. Viele sehen ihn aber nach der Bischofssynode in seinem Reformkurs bestärkt. So stellt die schwierige Einigung in Rom wohl einen großen Schritt für die katholische Kirche da - auch wenn er für die Menschheit nur ein recht kleiner zu sein scheint.

Abschluss der Bischofssynode
J.-C. Kitzler, ARD Rom
25.10.2015 11:11 Uhr

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