Ein bewaffneter Soldat steht auf einem Posten oberhalb des weihnachtlich beleuchteten Platzes vor der Geburtskirche. | Bildquelle: AFP

Weihnachten in Bethlehem Die Politik lässt sich nicht ausblenden

Stand: 25.12.2017 03:58 Uhr

Die befürchteten Unruhen blieben in Bethlehem aus - doch die politischen Spannungen überlagerten die Besinnlichkeit. Bei der Weihnachtsmesse erklangen Appelle für Frieden. Und auf den Straßen fehlten teilweise die Touristen, die zu den Festtagen in die Stadt reisen.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Die Katharinenkirche in Bethlehem. Hunderte Gläubige aus der ganzen Welt drängten sich am Weihnachtsabend in dem verhältnismäßig kleinen Gotteshaus.

In seiner Predigt sagte der Erzbischof von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, dass er nicht lange über Politik reden wolle. Doch der oberste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land hielt sich nicht an sein Vorhaben. Er könne sich vorstellen, dass man von ihm erwarte, über Jerusalem zu reden, sagte Pizzaballa.

Mitternachtsmesse in Bethlehem
tagesschau24 09:00 Uhr, 25.12.2017

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"Eine Stadt des Friedens"

Seitdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannt hat, kommt es in der Region zu schweren Unruhen. Kurz vor Heiligabend hatten sowohl Vertreter der Israelis als auch die Palästinenser erneut betont, dass sie die Stadt für sich beanspruchen.

Pizzaballa erinnerte an die Haltung des Vatikan: Demnach sollen beide Seiten eine Einigung in Verhandlungen erzielen. Einseitige Festlegungen dürfe es nicht geben. "Jerusalem ist eine Stadt des Friedens. Es gibt keinen Frieden, wenn jemand ausgeschlossen wird", sagte der Erzbischof. "Jerusalem ist unsere Mutter. Sie liebt alle ihre Kinder. Wenn ein Kind fehlt, dann kann die Mutter nicht in Frieden leben."

In seiner Ansprache wandte sich Pizzaballa auch an die internationale Gemeinschaft. Der Bischof forderte neue Visionen für eine Einigung zwischen Israelis und Palästinensern. Dies verlange von allen Seiten Mut.

Der katholische Erzbischof von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, bahnt sich seinen Weg durch die Gläubigen. | Bildquelle: dpa
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Der katholische Erzbischof von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, hat die Israelis und Palästinenser zu neuen Verhandlungen aufgerufen.

Tagestouristen bleiben fern

Der Palästinenser Bassem Giacaman glaubt jedoch nicht mehr, dass es zum Frieden kommt. Der Mut, von dem der Bischof gesprochen hat, hat ihn verlassen. Seit 1925 betreibt Giacamans Familie in der Altstadt von Bethlehem eine Fabrik für Olivenholzschnitzereien. Bis kurz vor Heiligabend hatte das Geschäft der Familie geöffnet. Doch es kamen kaum Touristen. Wegen der Ausschreitungen haben viele Länder ihren Staatsbürgern geraten, die palästinensischen Gebiete zu meiden.

"Es ist schrecklich. Wir arbeiten nur, weil es irgendwie weitergehen muss. Wenn es Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern gibt, dann sagen alle ihre Reisen ab", beklagt Giacaman. Die Hotelbetreiber in Bethlehem widersprechen dem Olivenholzschnitzer. Viele Hotels sind voller Pilgergruppen und ausgebucht. Doch Händler wie Giacaman profitieren vor allem von Tagestouristen, die aus Jerusalem anreisen. Von denen, sagt der katholische Palästinenser, kämen nur noch wenige.

"Es fühlt sich nicht wie Weihnachten an"

Und dann die Gewalt der vergangenen Wochen. "Das ist in diesem Jahr kein friedliches Weihnachtsfest. Wir feiern nicht richtig. Wenn es Ausschreitungen gibt, dann fühlt sich das einfach nicht wie Weihnachten an", sagt Giacaman.

In seiner Weihnachtspredigt wandte sich der Erzbischof Pizzaballa an die Christen in der Region und damit auch an den Olivenholzschnitzer Giacaman:

"Kirche des Heiligen Landes, fürchte Dich nicht. Es gibt viele Probleme. Aber Jesus wird auch in diesem Jahr geboren. Wenn Jesus das Leben hat, dann haben wir das Leben. Lasst uns nicht traurig sein. Die Freude des Herrn ist unsere Stärke."

Nach der Messe legte der Pizzaballa eine Figur des Jesuskindes in die Geburtsgrotte von Bethlehem. Jesus Christus sei der Friedensfürst.

An Heiligabend hielten sich alle Bewohner von Bethlehem an die Botschaft des Bischofs. Es blieb friedlich.

Bethlehem: Die Politik lässt sich nicht ausblenden
Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv
25.12.2017 08:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Dezember 2017 um 08:08 Uhr.

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