Migranten aus Syrien, Pakistan und Afghanistan sitzen in Belgrad vor einem Zelt. | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge auf dem Balkan Zäune, Züge und zynische Politik

Stand: 25.07.2015 04:39 Uhr

Weiterreichen oder gar nicht ins Land kommen lassen: So versuchen sich die Regierungen der Balkanländer der Flüchtlinge zu entledigen. Diesen Ländern fehlt Infrastruktur, Geld und Wille zur Erstbetreuung. Kanzlerin Merkel kündigte bei ihrer Balkantour EU-Unterstützung an.

Von Karla Engelhard, ARD-Hörfunkstudio Wien

Gevkelija, Mazedonien, an der Grenze zu Griechenland. In der Kleinstadt sind Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht Alltag. Ein Einheimischer erzählt, dass am Tag zwischen 500 bis 700 Menschen aus Syrien, Ägypten und anderen Ländern den Ort erreichten.

Magdalena Jakimovska vom Roten Kreuz versorgt die Menschen bei sengender Hitze mit Wasser und leistet erste Hilfe. "Wir verteilen Medikamente gegen Fieber oder Kopfschmerzen, wenn nötig fahren wir Verletzte ins Krankenhaus", erzählt sie.

Ein erschöpfter junger Syrer ist von Griechenland aus über die Türkei nach Gevkelija gekommen. Seit Stunden wartet er auf die Registrierung. "Es ist sehr heiß. Wir wollen weiter, durch Serbien, einige von uns wollen nach Schweden, andere nach Deutschland", sagt der Mann.

Flüchtlingsrouten via Balkan
Karla Engelhard, ARD-Hörfunkstudio Wien
25.07.2015 03:46 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Serbiens Infrastruktur komplett überlastet

Das neue mazedonische Asylgesetz erlaubt den Flüchtlingen, wenn sie registriert sind, sich 72 Stunden frei in Mazedonien zu bewegen. Die regulären Züge und Busse sind kostenlos, damit fahren sie rasch weiter nach Serbien. Im Süden lassen das EU-Land Griechenland und Mazedonien die Menschen einfach ziehen. Im Nordwesten macht Nachbar Ungarn seine Grenze dicht. Das bringt EU-Anwärter Serbien in eine prekäre Lage. Seit Jahresanfang kamen mehr als 50.000 Flüchtlinge ins Land, noch einmal so viele werden erwartet. Eine Infrastruktur zur Erstbetreuung der Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht fehlt meist. So campieren die Flüchtlinge in Parks oder an Busbahnhöfen, denn sie wollen weiter.

Der Syrer Abdulla ist schon bis Belgrad gekommen: Über 78 Tage ist er bereits unterwegs: von Izmir nach Belgrad, durch die Türkei, Griechenland, Mazedonien, bis nach Serbien. Abdulla will nach Deutschland, vor ihm liegen noch gut 1000 Kilometer.

Ein unmenschliches Verfahren

Das EU-Land Ungarn baut an einem vier Meter hohen und 175 Kilometer langen Grenzzaun zu Serbien. Schon jetzt kommen viele Flüchtlinge nicht weiter oder werden von ihren Schleppern einfach im Stich gelassen. Die, die es geschafft haben, versuchen in die überfüllten Züge zu steigen. Die ungarischen Staatsbahnen transportieren auch Flüchtlinge in von außen verschlossenen Personenwaggons. Damit die Flüchtlinge sicher in die Aufnahmeanlagen gelangen, lautet die offizielle Begründung. Viele der Menschen, die mit diesen Zügen reisen müssen, sind meist so verschreckt, dass sie, wenn die Türen wieder geöffnet werden, panisch herausspringen und wegrennen. Ein unmenschliches Verfahren.

Die ungarische Regierung will künftig illegales Einwandern als Straftat bewerten. Außerdem will sie Flüchtlinge von bewohnten Städten fernhalten. Sie sollen nicht mehr in bewohnten Orten, sondern in Zeltlagern in der Peripherie untergebracht werden. Ein Zeltlager soll direkt an der Grenze zu Serbien entstehen. Das EU-Land Ungarn ist Transitland für Flüchtlinge. Nachbar Österreich dagegen gehört zu den Zielländern, neben Frankreich, Schweden und Deutschland.

Dieser Beitrag lief am 25. Juli 2015 um 06:14 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: