Blumen und Kerzen auf einem Fußweg in St. Petersburg | Bildquelle: dpa

Anschlag in St. Petersburg Attentäter soll aus Kirgistan stammen

Stand: 04.04.2017 15:25 Uhr

Der Anschlag auf die U-Bahn in St. Petersburg ist nach Angaben russischer Ermittler von einem 22-jährigen Selbstmordattentäter verübt worden. Es handle sich um einen in Kirgisien geborenen russischen Bürger, so der kirgisische Geheimdienst.

Einen Tag nach dem Bombenanschlag in der U-Bahn der Millionenmetropole St. Petersburg ist der Attentäter offenbar identifiziert. Russische Ermittler erklärten, der Selbstmordattentäter sei ein 22-jähriger Mann, der in Kirgistan geboren sei. Davon sei angesichts der Aufnahmen von Überwachungskameras und genetischen Spuren auszugehen.

Die Ermittler bestätigten damit eine Aussage des Geheimdienstes der zentralasiatischen Republik. Dieser hatte mitgeteilt, der Mann sei 1995 in Osch geboren und habe die russische Staatsbürgerschaft.

Russische Ermittler waren bereits von einem Selbstmordattentäter aus Zentralasien ausgegangen, der vermutlich in Kontakt zu radikalislamischen Gruppen stand. Wenige Stunden nach der Explosion hatten die Behörden Ermittlungen wegen Terrorverdachts aufgenommen.

Verschärfte Kontrollen gegen Zentralasiaten in St. Petersburg
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.04.2017, Golineh Atai, ARD Moskau

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Die Ermittler nehmen an, dass der Verdächtige eine als Feuerlöscher getarnte Bombe an der Metro-Station Ploschtschad Wosstanija (Wosstanija-Platz) deponiert habe - und sich danach in dem Zug in die Luft sprengte. Der Feuerlöscher lag nach Angaben der Ermittler in einer Tasche, an denen sich genetische Spuren des Verdächtigen fanden.

Die erste Bombe konnte entschärft werden, bevor sie explodierte. Behörden schätzten die Sprengkraft auf 200 bis 300 Gramm TNT. Der Sprengsatz sei mit Metallteilen versehen gewesen, um die tödliche Wirkung zu verstärken.

Mindestens 14 Tote

Mindestens 14 Menschen wurden bei dem Anschlag getötet. Elf Menschen seien vor Ort gestorben, drei weitere später ihren Verletzungen erlegen, sagte Gesundheitsministerin Weronika Skworzowa. 49 Menschen würden noch in Krankenhäusern behandelt.

Die Sicherheitsvorkehrungen in St. Petersburg wurden nach dem Anschlag massiv verstärkt. Alle Zugänge zu den U-Bahnen würden zusätzlich bewacht, teilte der Metro-Betreiber mit. Zudem würden Busse und Straßenbahnen stärker überprüft. Der Metro-Betrieb, der zunächst eingestellt war, läuft wieder. Die Metro der Linie 2, auf der es zu der Explosion kam, werde zunächst jedoch nur einige Stationen anfahren, so der U-Bahn-Betreiber. Für weitere Ermittlungen bleibe auch eine zweite U-Bahn-Station gesperrt. Auch in der Hauptstadt Moskau patrouillieren zahlreiche Polizisten an den Flughäfen, Bahnhöfen und in den Metro-Stationen.

Der Gouverneur der Stadt, Georgi Poltawtschenko, versprach, die Stadt werde alles tun, um die Sicherheit der Touristen zu garantieren. Im Juni findet unter anderem in St. Petersburg der Confederations Cup und im kommenden Jahr die Fußball-WM statt.

Dreitägige Trauer

Die Stadtverwaltung der Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt rief eine dreitägige Trauer aus. Präsident Wladimir Putin, der am Abend rote Rosen am Eingang der Metrostation Technisches Institut ablegte, sei über alle Entwicklungen informiert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Putin hielt sich zur Zeit des Anschlages in St. Petersburg auf, war aber nicht gefährdet.

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Explosion in der Metro von St. Petersburg

Bombenexplosion in der Metro St. Petersburg

Trauer und Entsetzen in St. Petersburg: Ein Mann legt an der Metrostation Sennaja Ploschtschad Blumen nieder - in Trauer um die Opfer der Explosion. | Bildquelle: REUTERS

Weltweite Anteilnahme

Die Anteilnahme ist weltweit groß. Bei einem Telefonat mit Putin bot US-Präsident Donald Trump Russland volle Unterstützung bei der Fahndung nach den Tätern an. Trump habe die Attacke verurteilt und dem russischen Volk sein tiefstes Beileid ausgesprochen, teilte das Weiße Haus mit.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Anschlag ebenfalls scharf und bezeichnete die Tat als "barbarischen und feigen terroristischen Angriff". In der einstimmig beschlossenen Erklärung forderten die 15 Mitglieder des Sicherheitsrates, die Verantwortlichen müssten vor Gericht gestellt werden.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich "schockiert und betrübt" über den Anschlag und betonte: "Nichts kann solche barbarischen Handlungen rechtfertigen." Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini kondolierte. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich in einem Kondolenztelegramm an Putin entsetzt über die Explosion in St. Petersburg. "Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es sich um einen feigen Anschlag gehandelt hat", heißt es in dem Schreiben.

St. Petersburg nach Bombenanschlag - Attentäter war Kirgise
S. Stöhr, ARD Moskau
04.04.2017 17:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. April 2017 um 17:00 Uhr.

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