Verleihung Alternativer Nobelpreis | Bildquelle: REUTERS

Alternative Nobelpreise Unbequem sein gehört dazu

Stand: 25.11.2016 22:04 Uhr

Der Alternative Nobelpreis will unbequem sein. Und das sind in diesem Jahr auch die Preisträger. Beispiel "Cumhuriyet": Von der Vertreterin der türkischen Zeitung kam bei der Verleihung vor allem Kritik an Europa.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Nicht alle Preisträger waren bei der Verleihung dabei. Allein zehn Mitarbeiter der für "unerschrockenen Journalismus" ausgezeichneten regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" sitzen in türkischer Untersuchungshaft - wegen angeblichen Terrorverdachts. Außerdem hatte die ägyptische Regierung der Preisträgerin Mozn Hassan die Reise nach Stockholm verboten. Sie setzt sich in ihrer Heimat für die Rechte der Frauen ein. Ausgezeichnet wurden auch die syrischen Weißhelme, eine Gruppe ziviler Helfer, die sich um Opfer des Bürgerkrieges kümmert, und die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina.

Verleihung Alternativer Nobelpreis
tagesschau 20:00 Uhr, 25.11.2016, Oliver Richter, ARD Stockholm

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Am Rande der Verleihung wies Weißhelm-Chef Raed Al Saleh auf die dramatische Lage in Syrien hin: "Allein in den vergangenen zwei Wochen sind alle Einrichtungen und Krankenhäuser der Weißhelme Ziele von Luftangriffen gewesen. Im Moment müssen unsere Leute mit den Hilfsmitteln auskommen, die dabei nicht zerstört wurden. Die Menschen in Aleppo würden wohl lieber sterben. Weil es nicht mehr genug Ärzte und Medikamente gibt, um alle Verletzten zu behandeln."

Für die "Cumhuriyet"-Redaktion nahm die türkische Journalistin Zeynep Oral die Auszeichnung entgegen: "Dieser Preis gibt uns das Gefühl, dass wir nicht alleine sind auf der Welt. Wir wollen jetzt noch härter arbeiten, eine noch bessere Zeitung machen und unseren journalistischen Auftrag weiter erfüllen!"

"Wir fühlen uns von der EU sehr verletzt"

Unbequem sein gehört dazu: Auf die aktuellen Spannungen zwischen der Europäischen Union und ihrer Heimat angesprochen, kritisiert sie nicht etwa den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, sondern die EU: "Die Türkei hätte in den 1990er-Jahren besser in die Union gepasst als nahezu alle Staaten, die später dazu gekommen sind. Wir fühlen uns von der EU sehr verletzt. Trotzdem ist die Empfehlung des EU-Parlamentes falsch, die Beitrittsgespräche einzufrieren. Denn Europa braucht die Türkei - und die Türkei braucht Europa!"

Ole von Uexküll ist Geschäftsführer der "Right Livelihood"-Stiftung, die den Preis vergibt und sich gerne gegen Trends und den Meinungsmainstream stellt: "Es ist häufig so, dass unsere Preisträger gerade von ihren Regierungen auch kritisiert werden, weil sie in ihren eigenen Heimatländern kritisch sind gegenüber den Machthabern."

Absage vom schwedischen Reichstag

Für die Stiftung sei es wichtig, Kontroversen nicht aus dem Wege zu gehen. "Aber wir wollen genau wissen, auf wessen Seite wir stehen. Deshalb untersuchen wir die Kandidaten, die vorgeschlagen werden, natürlich sehr genau und stellen uns dann auf die Seite der Preisträger, wenn wir zu dem Schluss gekommen sind, dass ihre Arbeit über jeden Zweifel erhaben ist."

Der Preis steht in bewusst kritischer Distanz zu den "offiziellen" Nobelpreisen und ist mit umgerechnet etwa 306.000 Euro dotiert. Er wird seit 1980 jährlich und oft an mehrere Träger verliehen.

Zum ersten Mal seit 1985 ist das diesmal übrigens nicht im schwedischen Reichstag passiert, sondern im Vasa-Museum vor der Kulisse eines gut erhaltenen Kriegsschiffes aus dem 17. Jahrhundert, das bei seiner Jungfernfahrt gesunken war. Und vor einem offenbar politischen Hintergrund. Denn das Reichstagspräsidium hatte der unbequemen Stiftung in diesem Jahr überraschend eine Absage für die Preisverleihung erteilt. Offizielle Begründung: Platzmangel.

Alternative Nobelpreise in Stockholm verliehen
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
25.11.2016 20:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. November 2016 um 20:00 Uhr.

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