Kinder warten in einer Schlange auf die Verteilung von Essen | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Hunger in Afrika In ständiger Angst

Stand: 15.09.2017 13:59 Uhr

Die Zahl der Hungernden weltweit nimmt laut UN wieder zu. Die Gründe: eine wachsende Zahl an Konflikten und der Klimawandel. Besonders betroffen ist weiterhin Afrika. Essen ist häufig unerschwinglich, die Angst vor Gewalt allgegenwärtig.

Von Linda Staude, ARD-Studio Nairobi

Der heiße Wind treibt den Staub über die karge Turkana-Ebene. Selbst die Dornenbüsche sind trocken. Vereinzelt liegen die Skelette von Ziegen auf dem ausgedörrten, rissigen Boden - oder der aufgedunsene Kadaver eines Rindes. "Ich weiß nicht mehr, wann es zuletzt geregnet hat", klagt Bafkado Hassan. "Seit Jahren kommt der Regen zur falschen Zeit oder gar nicht."

Die kleine Herde des Viehhirten ist ausgezehrt, viele Tiere sind bereits verendet. Die Dürre im Nordosten Kenias dauert bereits rund zwei Jahre. Seit dem Frühjahr hat sich die Lage weiter verschlechtert, weil auch die große Regenzeit im Mai und Juni viel zu wenig Wasser gebracht hat.

Zwei Bauern stehen vor einem toten Kamel | Bildquelle: picture alliance / HELMUT FOHRIN
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Kenia leidet unter der Dürre - bereits seit zwei Jahren.

Nach Schätzungen der UN haben hier etwa 3,4 Millionen Menschen zu wenig zu essen - fast so viele wie während der schweren Dürre 2011. Vier magere Ernten haben die Preise für Grundnahrungsmittel explodieren lassen. Essen ist unerschwinglich, vor allem für die Ärmsten. "Wenn ich ein Paket Maismehl kaufe, ist das nicht genug für uns alle", sagt Linda Nasielo aus Nairobis Slum Kangemi. "Ich lasse die Kinder zuerst essen, selbst wenn ich hungrig bleibe".

In den Dürregebieten sind 40 bis 60 Prozent aller Kinder unterernährt. Im Wahljahr reagierte die Regierung viel zu spät auf die Hungerkrise, und auch die internationale Hilfe fließt zögerlich. Vom benötigten Geld ist nicht einmal die Hälfte eingegangen. Immerhin ist es in Kenia möglich, Nahrungsmittel in die betroffenen Gebiete zu bringen. In den Nachbarländern wie Somalia, wo ganze Regionen von der Terrorgruppe Al-Shabaab kontrolliert werden und von jeder Hilfe abgeschnitten sind, oder dem Südsudan ist das völlig anders.

UN-Statistik

Nach den jüngsten Zahlen der Welternährungsorganisation FAO hungerten im vergangenen Jahr mehr als 815 Millionen Menschen. Das sind 38 Millionen mehr als im Jahr davor und etwa elf Prozent der Weltbevölkerung.

Auf der Flucht

Eine schmale Holzbrücke führt über den schmalen Fluss bei dem Grenzstädtchen Busia. Dutzende Flüchtlinge aus dem Südsudan marschieren im Gänsemarsch über die wackelige Konstruktion - nach Uganda. In Sicherheit vor dem blutigen Bürgerkrieg zu Hause. "Es gibt nichts zu essen, jeder ist ständig in Panik", erinnert sich Betty Takalb.

"Nachts kann man nicht schlafen wegen der Kämpfe." Drei Tage war sie unterwegs nach Uganda, mit 15 Mitgliedern ihrer Familie - zu Fuß und in ständiger Angst vor Überfällen durch bewaffnete Kämpfer. Mehr als zwei Millionen Menschen sind mittlerweile aus dem Südsudan in die Nachbarländer geflüchtet. Zwar ist die Hungersnot, die Anfang des Jahres für das Land erklärt wurde, inzwischen offiziell vorbei. Aber das ist eher eine Formalität - tatsächlich hungern mehr Menschen als im Frühjahr.

Nothilfe ist kaum möglich, weil die Kämpfer beider Seiten auch die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen angreifen und töten. Als einziger Ausweg bleibt die Flucht - vor allem nach Uganda. Das Land nimmt zwar Flüchtlinge mit offenen Armen auf, kann aber mit den vielen Menschen kaum noch fertig werden.

Hilfsgelder fließen spärlich

Die Flüchtlingslager platzen aus allen Nähten - und auch hier fließen die internationalen Hilfsgelder nur spärlich. Filipo Grandi, der Chef des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, sagte bereits im Juni bitter: "Die Tatsache, dass unser Spendenaufruf nur 14 Prozent der nötigen Mittel eingebracht hat, sagt eine Menge darüber, wie wir die Flüchtlinge und ihre Gastländer im Stich lassen - wenn wir diese Unterstützung nicht hochfahren."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. September 2017 um 15:00 Uhr.

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