Ein US-Soldat kundschaftet während seines Einsatzes in Afghanistan ein Gebiet bei einem Helikopterflug aus | Bildquelle: AFP

Militäreinsatz in Afghanistan USA verlangsamen Truppenabzug

Stand: 15.10.2015 15:41 Uhr

US-Präsident Obama hatte es eigentlich versprochen: Noch in seiner Amtszeit sollten die meisten der in Afghanistan stationierten Soldaten heimkehren. Doch nach neuen Angriffen der Taliban wollen die USA ihre Truppenstärke in dem Land langsamer abbauen.

Rund 9800 US-Soldaten sind derzeit noch in Afghanistan stationiert. Bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Barack Obama Anfang 2017 sollte der Großteil von ihnen in die Heimat zurückkehren. Doch von diesen Plänen weicht die USA nun wieder ab. Das erneute Vorrücken der radikalislamischen Taliban in den vergangenen Monaten - vor allem auf die afghanische Stadt Kundus - verlangt aus Sicht von Militärvertretern eine stärkere und längere Präsenz der Truppen in dem Land.

Die Entscheidung über den minimierten Abzug der Streitkräfte soll Obama noch im Laufe des Tages bekanntgeben, wie mehrere US-Medien berichteten. Die neue Strategie solle vorsehen, die momentane Truppenstärke noch bis Ende des kommenden Jahres aufrecht zu erhalten und nach dem Jahreswechsel zu 2017 weiterhin 5500 Soldaten in Afghanistan zu stationieren. Eigentlich hätte die Zahl der Soldaten bis 2017 auf rund 1000 Einsatzkräfte sinken sollen

Obama kann Versprechen nicht halten: Kein Truppenabzug aus Afghanistan
tagesschau 20:00 Uhr, 15.10.2015, Ina Ruck, ARD Washington

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Militärs haben zu langsameren Abzug geraten

Damit weicht Obama von seinem Versprechen ab, die meisten Soldaten während seiner Amtszeit nach Hause zu holen. Ursprünglich sollte nur eine kleine Militärpräsenz in einer Botschaft in Afghanistan verbleiben. Diese Zusage hatte er bereits Anfang 2009 gegeben, noch bevor er sein Amt als Präsident angetreten hatte. Er werde den Einsatz am Hindukusch beenden, sicherte Obama damals zu. Begonnen hatte der Einsatz nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001. Bislang kamen etwa 2000 US-Soldaten in Afghanistan ums Leben.

Doch vor wenigen Wochen nahm der Konflikt in Afghanistan wieder an Schärfe zu. Ende September starteten die Taliban eine neue Offensive auf Kundus, woraufhin Militärs dem Präsidenten dazu geraten hatten, den Truppenabzug zu überdenken. Auch US-Oberkommandeur John Campbell hatte sich vor kurzem in Afghanistan für einen langsameren Abzug ausgesprochen.

Kampfeinsatz gilt weiterhin als beendet

Doch auch, wenn die Truppen länger bleiben müssen, ändere das nichts daran, dass der eigentliche Kampfeinsatz in Afghanistan beendet sei, hieß es aus Regierungskreisen in Washington. Die Aufgaben der Soldaten blieben die gleichen: "der Anti-Terror-Kampf sowie die Ausbildung, Beratung und Unterstützung unserer afghanischen Partner".

Der von der NATO geführte Kampfeinsatz war Anfang dieses Jahres zu Ende gegangen, seitdem läuft in Afghanistan die Folgemission "Resolute Support", bei der vor allem die Armee des Landes und Polizeikräfte von NATO-Soldaten ausgebildet und beraten werden.

Überwiegend positive Reaktionen auf mehr US-Soldaten in Afghanistan
S. Fritz, SWR Washington
16.10.2015 03:32 Uhr

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