Afghanistan

Darul-Aman-Palast in Kabul Mahnmal des Kriegs bald in neuem Glanz

Stand: 31.05.2016 21:13 Uhr

Die Ruine des Darul-Aman-Palasts am Rande Kabuls - sie ist Mahnmal für viele Jahre Krieg in Afghanistan. Das zerfallene Gebäude soll bald in neuem Glanz erstrahlen - auch wenn im Land immer noch gekämpft wird.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi, zzt. Kabul

Bakhtullah steht vor der gewaltigen Ruine. Seine Augen gleiten von links nach rechts, und von rechts nach links. Langsam, fast so, als würde er die unzählbaren Einschusslöcher des Darul-Aman-Palastes zählen.

"Das ist unsere Geschichte. Das ist ein wichtiger Ort für unsere Nation", sagt der junge Offiziersanwärter der afghanischen Armee. Er ist 21 Jahre alt, und er ist stolz.

Bakhtullah, ein junger Offiziersanwärter der afghanischen Armee
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Offiziersanwärter Bakhtullah will Afghanistan wieder mit aufbauen.

"Es gibt überall auf der Welt Ruinen und Krieg. In Europa und Amerika auch. In Europa hat der Zweite Weltkrieg auch alles in Schutt und Asche gelegt. Aber Europa ist wieder auferstanden. Die Jugend Afghanistans wird dieses Land wieder aufbauen. Auch diesen Palast. Nicht heute, nicht morgen. Aber vielleicht in 100 Jahren."

Taliban, Al Kaida und andere Milizen bekämpfen weiter den Staat

Vielleicht. Ein Ende des afghanischen Dauerkriegs ist nicht abzusehen. Die afghanische Taliban-Bewegung greift den Staat an, für den Bakhtullah kämpft. Auch Terrorgruppen wie Al Kaida und die Milizen von selbsternannten Kriegsfürsten ziehen mordend über das afghanische Schlachtfeld.

Besonders in den Drogenanbaugebieten im Süden wie Helmand toben zurzeit heftige Kämpfe. Friedensverhandlungen scheinen eine Illusion zu sein. Dennoch will die afghanische Regierung den Darul-Aman-Palast wiederaufbauen.  

"Unsere Nation verlangt die Restaurierung"

"Heute kehren wir zu unserer Vergangenheit zurück, um das Fundament für unsere Zukunft zu legen", sagt Präsident Aschraf Ghani bei einer feierlichen Zeremonie in der Palastruine. "Unsere Nation verlangt die Restaurierung", betont Ghani. Darul Aman solle später ein nationales Museum beherbergen und für nationale Feiern und Staatsempfänge genutzt werden, fügt der Präsident an. Auch der Oberste Gerichtshof soll auf das Gelände ziehen.

Ruine des Darul Aman Palasts in Kabuls Hauptstadt Afghanistan.
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Die Restaurierung des Darul Aman Palastes soll etwa fünf Jahre dauern und gut 15 Millionen Euro kosten.

Der zerschossene Palast liegt auf einem kleinen, staubigen Hügel etwas mehr als zehn Kilometer außerhalb des Stadtzentrums im Westen von Kabul. Der reformfreudige afghanische König Amanullah hatte ihn in den 1920er-Jahren bauen lassen - von einem Experten-Team um den deutschen Architekten Walter Harten. Der Palast sollte die Heimat des afghanischen Parlaments werden. Doch Amanullah wurde gestürzt, seine Pläne wurden verworfen.

Größte Zerstörung nach Abzug sowjetischer Besatzung

Den größten Teil der enormen Zerstörung erfuhr Darul Aman nach dem Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen 1989. Damals brach ein bestialischer Bürgerkrieg zwischen den afghanischen Gotteskriegern aus, die das kommunistische Regime bekämpft hatten.

Viele derjenigen, die den Palast damals zerstörten, gehören heute als Partner des Westens zur afghanischen Regierung. Andere kämpfen auf Seiten der Taliban. Auf beiden Seiten gibt es Streit und interne Machtkämpfe.

Aktuelles afghanisches Parlamentsgebäude , eingeweiht 2015.
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Das aktuelle afghanische Parlamentsgebäude - eingeweiht im Dezember 2015.

Indien stiftete neues Parlamentsgebäude

Die Regionalmacht Indien hat unterdessen gegenüber der mahnenden Palast-Ruine einen Neubau für das afghanische Parlament errichten lassen.

"Das ist ein sehr schöner Anblick. In diesem Parlament werden unsere Abgeordneten für eine bessere Zukunft arbeiten", versichert der junge Soldat Bakhtullah. Vielleicht. Eigentlich sollen in diesem Jahr Parlamentswahlen stattfinden. Doch der Krieg scheint sie zu verschlingen. Zu frisch sind außerdem die Erinnerungen an die Präsidentschaftswahl von 2014, die von Terror und Betrug überschattet war.

Afghanistan - Auferstehen aus Ruinen
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
01.06.2016 11:07 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 01. Juni 2016 um 05:44 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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