Bombardierte Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" in Kundus | Bildquelle: dpa

Neun Zivilisten getötet Luftangriff auf Klinik in Kundus

Stand: 03.10.2015 12:07 Uhr

Im nordafghanischen Kundus sind bei einem Angriff auf ein Krankenhaus der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" mindestens neun Mitarbeiter getötet worden. Nach Angaben des US-Militärs könnte die Klinik bei einer Aktion der US-Luftwaffe getroffen worden sein.

Bei einem Angriff auf ein Krankenhaus der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" sind im nordafghanischen Kundus mindestens neun Menschen getötet worden. Bei den Opfern handle es sich um Mitarbeiter, teilte die Organisation mit. Weitere 37 Menschen wurden demnach schwer verletzt. Unter den Schwerverletzten seien 19 Mitarbeiter des Krankenhauses. Die Opferzahl könne sich noch erhöhen. Außerdem sei die Klinik durch den Luftangriff schwer beschädigt worden und stand in Flammen.

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Dem US-Militär zufolge könnte das Krankenhaus bei einer Aktion der US-Luftwaffe getroffen worden sein. "Bei dem Angriff ist es möglicherweise zu einem Kollateralschaden bei einer nahe gelegenen medizinischen Einrichtung gekommen", sagte Militärsprecher Brian Tribus. "Der Vorfall wird noch untersucht."

Laut "Ärzte ohne Grenzen" wurde das medizinische Zentrum zur Traumabewältigung mitten in der Nacht gegen 2.10 Uhr während anhaltender Bombardierung mehrfach getroffen. Seitdem würden mehr als 30 Menschen vermisst. Die US-Luftwaffe räumte ein, dass sie gegen 2.15 Uhr einen Angriff auf Kundus geführt habe. US-Militärsprecher Tribus sagte, der Zwischenfall werde untersucht.

Bombardierte Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" in Kundus | Bildquelle: dpa
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Nach dem Luftangriff stand die Klinik in Flammen.

Nach Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" wurden allen Konfliktparteien vorsorglich mehrfach die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen übermittelt, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert. Dennoch habe das Bombardement noch mehr als 30 Minuten angehalten.

Noch keine abschließenden Angaben über Opferzahl

Der Leiter von "Ärzte ohne Grenze" vor Ort, Bart Janssens äußerte sich schockiert über den Angriff und forderte alle Konfliktparteien auf, die Sicherheit von Gesundheitseinrichtungen und deren Personal zu respektieren.

Seit dem überraschenden Taliban-Angriff am Montag sind nach Angaben der Organisation in der Klinik 394 Verletzte behandelt worden. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs am Samstag seien 105 Patienten, Angehörige und gut 80 Mitarbeiter in dem Gebäude gewesen, erklärte Janssen.

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Die Klinik wird ausschließlich aus Spenden finanziert und behandelt jeden - unabhängig von Herkunft oder Religion. Das Foto in dem Tweet von "Ärzte ohne Grenzen" zeigt die Klinik ein paar Tage vor dem Angriff.

Zurzeit versuchen afghanische Regierungstruppen mit Hilfe der NATO, die Stadt wieder komplett unter Kontrolle zu bekommen. Seit Donnerstag sind reguläre Soldaten in der Stadt, doch gibt es nach wie vor Kämpfe mit Aufständischen.

In Kundus war bis Oktober 2013 die Bundeswehr im Rahmen der NATO-Schutztruppe ISAF stationiert. Die Provinz in der Nähe der afghanischen Grenze zu Tadschikistan galt zeitweise als vergleichsweise ruhig. Doch seit dem Frühjahr haben die Taliban mehrfach versucht, die 300.000 Einwohner zählende Stadt Kundus einzunehmen.

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