Ägyptens Präsident Abdel Fattah al Sisi in Kairo am 10.10.15 | Bildquelle: REUTERS

Nach Attentat auf Kopten Ägypten fliegt Angriffe in Libyen

Stand: 27.05.2017 13:34 Uhr

Ägyptische Kampfflugzeuge haben als Reaktion auf den Anschlag auf koptische Christen Stützpunkte von mutmaßlichen Extremisten im Nachbarland Libyen angegriffen. Das Attentat wurde international verurteilt. Der IS reklamierte es für sich.

Nach dem Angriff auf einen mit koptischen Christen besetzten Bus hat die ägyptische Luftwaffe Ausbildungslager von Dschihadisten im Osten des Nachbarlandes Libyen bombardiert. Ziel der Angriffe seien sechs "Terroristencamps" in der Küstenstadt Derna gewesen, meldete das ägyptische Staatsfernsehen. Die Kampfjets hätten das Hauptquartier des Shura-Rats der Mudschaheddin in dem Ort ins Visier genommen. Örtliche Milizen dort sollen Verbindungen zu Al-Kaida haben.

Laut dem Sender Al-Arabiya gab es Todesopfer unter den Extremisten. Al-Jazeera meldete unter Berufung auf Militärkreise, es habe in der Region insgesamt sechs Luftangriffe gegeben. Auch ostlibysche Sicherheitskräfte beteiligten sich nach eigenen Angaben an den Angriffen.

Nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi, 2011, sind in Libyen verschiedene islamistische Extremisten-Organisationen stark geworden. Einige von ihnen - im Osten des Landes, nahe dem ägyptischen Hoheitsgebiet - sollen auch über die Grenze hinweg aktiv sein. Sei es, dass sie Waffen schmuggeln; sei es, dass sie Kämpfer schleusen.

Appell an Trump

Ägypten werde jegliche Ausbildungsstützpunkte von Extremisten angreifen, die Anschläge in Ägypten verübten, wo immer sie seien, sagte Präsident Abdel Fattah al-Sisi. In einer im Fernsehen übertragenen Rede appellierte er direkt an US-Präsident Donald Trump, den Kampf gegen den Terror anzuführen.

Trump verurteilte das Attentat, bei dem am Freitag 29 koptische Christen beim Überfall auf ihre beiden Busse getötet worden waren."Das Blutvergießen der Christen muss ein Ende haben und alle, die ihren Mördern helfen, müssen bestraft werden", erklärte Trump. Der Angriff stärke die Entschlossenheit der USA, gemeinsam mit anderen Staaten den Terrorismus zu bekämpfen.

Inzwischen reklamierte der "Islamische Staat" den Überfall für sich.

Papst Franziskus "tief betrübt"

Papst Franziskus äußerte sich "tief betrübt" über die "barbarische" Gewalttat. Der Anschlag ereignete sich knapp einen Monat nach dem Ägypten-Besuch des Papstes, der in Kairo zur Eintracht zwischen Christen und Muslimen aufgerufen hatte.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff aufs Schärfste: "Es kann keine Rechtfertigung geben für solch furchtbare Gewalt", sagte er. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Ich bin erschüttert, dass zum wiederholten Male koptische Christen in Ägypten Opfer eines Anschlags wurden."

Anschlag auf koptische Christen in Ägypten
tagesschau 20:00 Uhr, 26.05.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Wiederholt Angriffe auf Kopten

Die Kopten machen rund zehn Prozent der 92 Millionen Ägypter aus. Jihadisten-Gruppen werfen den Kopten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben. Im Februar hatte der "Islamische Staat" dann in einem Video zu Gewalt gegen Kopten aufgerufen. Seither flohen Hunderte der Christengemeinschaft von der Sinai-Halbinsel in Landesinnere.

In den vergangenen Monaten waren bei mehreren Angriffen auf koptisch-orthodoxe Gläubige zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Erst Anfang April wurden bei Anschlägen in Alexandria sowie in Tanta nördlich von Kairo insgesamt 45 Menschen getötet.

Zuvor hatte sich im Dezember 2016 ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in der koptischen Kirche St. Peter und Paul in Kairo in die Luft gesprengt. 29 Menschen wurden getötet und Dutzende verletzt. Die Anschläge reklamierte der IS für sich.

Ägypten fliegt Angriffe in Libyen nach Attentat auf Kopten
B. Blaschke, ARD Kairo
27.05.2017 07:09 Uhr

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Mit Informationen von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Mai 2017 um 20:00 Uhr.

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