GEMA | Bildquelle: dpa

YouTube und GEMA einigen sich Keine Sperrtafeln mehr bei Musikvideos

Stand: 06.12.2017 03:12 Uhr

Gute Nachrichten für deutsche Musikfans: Die Videoplattform YouTube und die Rechte-Verwertungsgesellschaft GEMA haben sich auf einen Lizenzvertrag geeinigt. Ab sofort fallen die roten Sperrtafeln weg, die Videos sind wieder abrufbar. Künstler bekommen dafür Geld.

Die Videoplattform YouTube hat nach jahrelangem Streit eine Einigung mit der Rechteverwertungsgesellschaft GEMA erzielt. Dank der Vereinbarung könnten Nutzer in Deutschland "ab sofort noch mehr ihrer Lieblingssongs auf YouTube hören", erklärte die Plattform. Die GEMA zeigte sich erfreut, dass die Künstler nun "für die Nutzung ihrer Musikwerke angemessen vergütet werden". Sie erhalten jetzt Geld für die Abrufe ihrer Videos. Über die Summe, die YouTube pro Videoabruf an die GEMA zahlt, wurde jedoch Stillschweigen vereinbart.

Die Google-Tochter YouTube und die GEMA hatten jahrelang über die Bezahlung der Rechteinhaber beim Abruf von Musikvideos über das Internet und andere rechtliche Modalitäten gestritten, teils auch vor Gericht. Einen entsprechenden Nutzungsvertrag gab es zwar bereits, dieser lief jedoch 2009 aus. Danach gab es keine neue Lizenzvereinbarung. Viele Inhalte waren daher für deutsche Nutzer auf YouTube nicht verfügbar; gekennzeichnet wurde dies mit roten Sperrgrafiken. Diese entfallen nun. Die betreffenden Videos können aus Deutschland wieder abgerufen werden.

"Meilenstein" und "bahnbrechende Vereinbarung"

YouTube-Manager Christophe Muller erklärte, die gefundene Vereinbarung mit der GEMA ermögliche es, "Einnahmen für ihre Mitglieder zu generieren". Zu den Details äußerte er sich nicht. YouTube sprach von einer "bahnbrechenden Vereinbarung".

Der GEMA-Direktor für Sendung und Online, Thomas Theune, sagte dem Portal "faz.net", es handele sich um einen "Meilenstein". Die Vereinbarung sichere "den rund 70.000 Künstlern endlich eine Beteiligung für die Nutzung ihrer geistigen Schöpfungen auf YouTube". Die Vereinbarung gilt offenbar rückwirkend für die Jahre bis 2009. Die GEMA vertritt in Deutschland neben rund 70.000 Komponisten, Textdichtern und Musikverlegern auch die Urheberrechte von über zwei Millionen Rechteinhabern aus aller Welt.

GEMA-Chef mahnt Reform des Urheberrechts an

Weiterhin bestehen jedoch unterschiedliche Rechtsauffassungen zwischen YouTube und der GEMA darüber, ob YouTube oder die Uploader für die Lizenzierung der genutzten Musikwerke verantwortlich sind. "Trotz Abschluss dieses Vertrages, ist die Politik gefordert, einen klaren Rechtsrahmen zu schaffen", betonte GEMA-Chef Harald Heker. "Der wirtschaftliche Wert kultureller und kreativer Werke muss auch den Schöpfern der Werke zugutekommen. Hier muss ein modernes Urheberrecht geschaffen werden, das den Musikschaffenden ermöglicht, ihren wirtschaftlichen Anteil an der digitalen Wertschöpfung geltend zu machen."

Wer ist die GEMA?

Die 1903 gegründete GEMA - "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" - vertritt als Verwertungsgesellschaft die Nutzungsrechte ihrer Mitglieder - das heißt von Komponisten, Textern und Musik-Verlegern, die ihre Rechte als Urheber von Musikstücken geltend machen wollen.
Die GEMA nimmt dafür treuhänderisch Geld für alle Verwertungen von Musik ein: Also für den Verkauf von CDs oder Musikdownloads, aber auch von Radiosendern, Kneipenbesitzern oder Festveranstaltern für das Abspielen von Musik. 2015 lag der Ertrag der Verwertungsgesellschaft bei fast 900 Millionen Euro; rund 750 Millionen davon schüttete sie an die Mitglieder aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. November 2016 um 09:55 Uhr.

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