Neuer US-Notenbankchef gesucht Wer folgt auf Janet Yellen?

Stand: 18.10.2017 10:42 Uhr

Die Debatte um die Nachfolge von Janet Yellen an der Spitze der Fed ist voll entbrannt. Erste Namen zirkulieren, darunter auch die von "Falken" - was dem Dollar Auftrieb verleiht.

Es sind vor allem Berichte über ein Treffen von Donald Trump mit dem Ökonomen John Taylor, die den Dollar beflügeln - und den Euro entsprechend unter Druck setzen. So ist die europäische Gemeinschaftswährung seit Beginn der Woche wieder unter die Schwelle von 1,18 Dollar gerutscht.

Dabei ist noch längst nicht entschieden, wer Nachfolger oder Nachfolgerin der derzeitigen Fed-Chefin Janet Yellen wird, deren Amtszeit am 1. Februar 2018 ausläuft. Medienberichten zufolge habe sich der amerikanische Präsident zuletzt mit dem Ökonomen John Taylor von der Stanford University getroffen - und sich anschließend lobend über ihn geäußert.

Weitere Kursinformationen zu US-Dollar in Euro

Taylor und seine Regel

Der inzwischen 70-jährige Wirtschaftswissenschaftler gilt als Verfechter einer eher restriktiven Geldpolitik, ein sogenannter "Falke". Taylor ist bekannt geworden durch die von ihm erstellte Regel, die in den 90er Jahren auch von der Bundesbank angewandt wurde. Mit Hilfe dieser Regel versuchen die Notenbanker mit Blick auf die realwirtschaftliche Entwicklung und die Inflation den optimalen Zinssatz abzuleiten.

John B. Taylor
galerie

John B. Taylor

Tatsächlich hat sich Taylor zuletzt kritisch zur Zinspolitik der Fed geäußert. Er vertritt die Ansicht, dass die US-Notenbank wegen ihrer expansiven Politik die Finanzkrise von 2007/08 mitverursacht hat. Seitdem bewege sich die Fed in einem "strategiefreien Raum". Ihr Vorgehen sei zu zögerlich und oft zu wenig vorhersehbar.

Entscheidung noch vor dem 3. November?

Eine allzu restriktive Geldpolitik ist allerdings nicht im Sinne der amerikanischen Unternehmen und des wirtschaftsfreundlichen US-Präsidenten. Taylor ist deshalb keineswegs der einzige Kandidat, der als möglicher Nachfolger von Janet Yellen gehandelt wird. Medien nennen vor allem Fed-Direktor Jerome Powell als aussichtsreichsten Kandidaten. Zudem ist die Rede vom ehemaligen Fed-Mitglied Kevin Warsh, Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn sowie Yellen selbst. Am morgigen Donnerstag will sich Trump mit Yellen als letzte der fünf Kandidaten treffen.

Jerome Powell
galerie

Jerome Powell

Das "Wall Street Journal" berichtet, dass Trump seine Entscheidung noch vor seiner Asienreise, die am 3. November beginnt, bekanntgeben könnte. Die Bekanntgabe der Personalie Anfang November würde dem Senat Zeit für den Bestätigungsprozess verschaffen, sagte der Insider.

Jerome Powell hat beste Chancen

Die besten Chancen im Rennen um den Fed-Führungsposten hat nach Einschätzung von Volkswirten derzeit Powell. Knapp mehr als die Hälfte von 40 befragten Ökonomen gehen davon aus, dass Powell von Trump zum Nachfolger Yellens ernannt wird, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters ergab. Mit Powell wäre nach Ansicht der Volkswirte ein hohes Maß an Kontinuität gewährleistet. Das käme an den Finanzmärkten gut an, sagte Ryan Sweet von Moody's Analytics. Es bleibt also spannend.

lg

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: