Euro-Münze

Warnung vor Euro-Kollaps Europas Top-Ökonomen legen Krisenplan vor

Stand: 24.07.2012 22:17 Uhr

Europa steuert nach Ansicht führender Ökonomen auf eine wirtschaftliche Katastrophe unabsehbaren Ausmaßes zu und muss sein Währungs- und Finanzsystem grundlegend reformieren. "Die Wahrnehmung einer nicht endenden Krise, in der ein Dominostein nach dem anderen fällt, muss revidiert werden", schrieb eine Gruppe von 17 renommierten europäischen Wirtschaftsexperten in einem Bericht vom Institute for New Economic Thinking (INET) in New York.

Die US-Denkfabrik hatte das Gremium aus 17 renommierten europäischen Volkswirten ins Leben gerufen. Dem Rat gehören mehrere in Deutschland prominente Vertreter der Zunft an. Zwei Mitglieder des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Lars Feld und Peter Bofinger, sowie Dennis Snower, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, sind vertreten. Ebenfalls mitgewirkt an dem Gutachten haben Daniel Gros, Direktor der Brüsseler Denkfabrik Ceps, und die ehemalige Sachverständige Beatrice Weder di Mauro.

Wirtschaftsweiser Peter Bofinger über die Warnung vor einem Finanzkollaps
tagesschau 12:00 Uhr, 25.07.2012

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Mehr Engagement nötig

Ihr Tenor: Nicht weniger Engagement, sondern mehr ist nötig. "Es braucht von deutscher Seite größere Anstrengungen, um die hohen Refinanzierungskosten für Länder wie Spanien und Italien zu senken", sagte Feld der "Financial Times Deutschland". Das Problem: Der Rettungsschirm ESM sei zu klein, um den größeren Euro-Ländern zu helfen. Daher verständigten sich die europäischen Wirtschaftswissenschaftler als akute Krisenmaßnahme auf den vom Sachverständigenrat vorgeschlagenen Schuldentilgungsfonds. Damit könnten die Verbindlichkeiten langfristig wieder auf ein tragfähiges Niveau fallen, sagte Feld der Zeitung. "Dann wäre auch ein Licht am Ende des Tunnels erkennbar."

Euro-Ökonomen fordern mehr Anstrengung
J. Zierhut, ARD Berlin
25.07.2012 09:57 Uhr

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Der Pakt sieht vor, dass die Euro-Staaten gegenseitig für einen Teil ihrer Verbindlichkeiten gemeinsam einstehen und sich zugleich verpflichten sollen, die Schulden auf 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung abzubauen.

Die EU und der Euro
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Was ist der richtige Weg aus der Euro-Krise? Ökonomen streiten.

Dazu sollen nationale Schulden, die die 60-Prozent-Marke übersteigen, in einen gemeinsamen Tilgungsfonds ausgelagert werden. Für den Tilgungsfonds würden alle Euro-Mitglieder gemeinsam haften. Die Bundesregierung hatte diesen Vorschlag bisher aus rechtlichen Gründen immer wieder abgelehnt.

Die 17 europäischen Wirtschaftsexperten widersprechen damit auch den rund 170 deutschen Ökonomen, die nach dem jüngsten EU-Gipfel Anfang Juli in einem Offenen Brief vor einem stärkeren Engagements Deutschlands in der Euro-Krise gewarnt hatten. Der Protestaufruf hatte seinerseits Protest bei anderen Ökonomen und seitens der Politik ausgelöst.

Schaffung einer Bankenunion

Zu den weiteren Vorschlägen der Gruppe gehört die Schaffung einer gemeinsamen Bankenunion mit einer zentralisierten Aufsicht. So werde die Stabilität der Banken zu einem Anliegen der ganzen Union. Langfristig sei es möglich, den Währungsraum so auszugestalten, dass europäische Schulden nicht vergemeinschaftet würden, glauben die 17 Ökonomen.

Alle Strukturreformen könnten aber nur Erfolg haben, wenn die Staaten ihre hohen Schulden abbauten und ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellten, erklärten die Ökonomen.

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