VW-Logo an einer Filiale des Autokonzerns in den USA | Bildquelle: AFP

Prozess gegen VW-Manager in den USA "In die Augen geschaut und gelogen"

Stand: 04.08.2017 11:53 Uhr

VW-Manager Schmidt ist im Abgas-Skandal der bislang einzige in den USA angeklagte Vertreter des Autokonzerns. Heute will er formell ein Schuldbekenntnis abgeben. US-Ermittler beschreiben, wie er während der Untersuchungen versuchte, sie zu täuschen.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

VW-Manager Oliver Schmidt aufgenommen von einem Fotografen der Polizei nach seiner Festnahme in den USA. | Bildquelle: AP
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VW-Manager Oliver Schmidt aufgenommen von einem Fotografen der Polizei nach seiner Festnahme in den USA.

Im Bezirksgericht Detroit will sich VW-Manager Oliver Schmidt heute schuldig bekennen. Er ist angeklagt wegen Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten und Verstößen gegen Umweltauflagen. Schmidt war der Volkswagen-Mann in den USA, der für die Abstimmung mit den Umweltbehörden zuständig war.

So hat ihn auch Alberto Ayala kennengelernt - der damalige Vizechef der kalifornischen Umweltbehörde Carb. Das Amt war maßgeblich daran beteiligt, die Abgas-Affäre aufzudecken. Jahrelang haben Ayala und sein Team den Ausstoß von Dieselfahrzeugen untersucht und sich über die Werte gewundert, die sie gemessen haben. Am Ende stand die Ernüchterung. Sie saßen einer Lüge auf.

Ayala sagt im Gespräch mit dem ARD-Studio Washington, dass ihn der zeitliche Aufwand am meisten ärgert hat. "Wir haben viel Arbeit und Zeit verschwendet, weil wir dachten, das wäre eine Herausforderung für unsere Umwelt und dass wir das lösen könnten. Die hätten uns viel Ärger und harte Arbeit ersparen können, wenn sie früher reinen Tisch gemacht hätten", sagt Ayala.

Enttäuschtes Vertrauen

Alberto Ayala | Bildquelle: picture alliance / Uli Deck/dpa
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Alberto Ayala - ehemaliger Vizechef der kalifornischen Umweltbehörde Carb - war maßgeblich daran beteiligt, die Abgas-Affäre aufzudecken.

Ayala ist Ingenieur wie Schmidt auch. Sie saßen zusammen an einem Tisch - der eine als Vertreter der Regulierungsbehörde, der andere als Vertreter von Volkswagen. Ayala ging davon aus, dass sie gemeinsam nach technischen Erklärungen suchten. Er vertraute dem VW-Ingenieur. Ayala sagt: "Er war jemand, den ich respektiert habe. Ich habe sein Fachwissen geschätzt und die Art, wie er mit mir und meinem damaligen Team als Regulierungsbehörde umgegangen ist."

Schmidt ist einer von sechs VW-Managern, die in den USA angeklagt sind. Er ist jedoch der einzige, der vor Gericht steht. Er wurde im Januar nach einem Urlaub in Florida festgenommen. Die anderen fünf VW-Manager halten sich nicht in den USA auf. Sie müssen auch keine Auslieferung fürchten.

Persönlich hat Ayala trotz allem fast ein wenig Mitleid mit Schmidt. Er sagt: "Die haben mir in die Augen geschaut und mich angelogen bei unserem letzten Gespräch. Klar bin ich zu einem gewissen Grad sauer, aber ich hatte Respekt für Oliver als Ingenieur. Es tut mir leid, was mit ihm passiert." Am Ende spielten alle eine Rolle in ihren beruflichen Leben, so Ayala. "Aber wir haben auch ein Privatleben, Familie, Träume und Ziele."

Erst vom Nachfolger in Kenntnis gesetzt

Im August 2015 sah Ayala Schmidt zum letzten Mal - auch hier bekam der Mann von der kalifornischen Umweltbehörde nicht die Wahrheit zu hören. Erst später beichtete Schmidts Nachfolger Ayala, wie VW bei den Abgaswerten getrickst hatte. Ayala ist stinksauer und macht keinen Hehl daraus. "Ich habe die Beherrschung verloren, als ich das gehört habe. Ich habe wohl bis zum Schluss gehofft, dass es irgendeine Erklärung gibt. Aber als ich erfahren habe, was los ist, war ich echt sauer."

Durch ein Schuldeingeständnis kann Schmidt auf eine Strafminderung hoffen. Die US-Behörden zählen darauf, von ihm Insider-Wissen über die Hintergründe des Abgasskandals bei VW zu erhalten. Volkswagen hat zugegeben, die Abgaswerte manipuliert zu haben.

Was Oliver Schmidt möglicherweise heute an Beweisen auf den Tisch legt, ist nicht bekannt - vermutlich wird darüber dann vorerst auch geschwiegen. Ayala hat seine Aussagen bei den Ermittlern gemacht. Er verfolgt den Prozess jetzt nur noch über die Medien.

In den USA angeklagter VW-Manager bekennt sich schuldig
Martina Buttler, ARD Wahington
04.08.2017 10:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. August 2017 um 06:08 Uhr.

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