Ein Mann steigt aus einem Privatjet aus. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Rüge für Vorstände Zu viel Luxus auf VW-Kosten

Stand: 04.12.2016 12:36 Uhr

Mit dem Firmenjet in den Privaturlaub, logieren in Firmen-Villen zu Spottpreisen, Chauffeure für private Zwecke: Einem Medienbericht zufolge lebten VW-Vorstandsmitglieder lange Zeit auf großem Fuß - auf Kosten des Konzerns. Bis der damalige Aufsichtsratschef Piëch durchgriff.

Wer im VW-Vorstand sitzt, kassiert im Jahr mehrere Millionen Euro. Die Finanzierung von schönen und auch luxuriösen Urlaubsreisen sollte damit kein Problem sein - könnte man meinen. Doch einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge bezahlten in der Vergangenheit viele der VW-Vorstände ihr privates Luxus-Leben nicht aus eigener Tasche. Stattdessen sollen sie für private Zwecke firmeneigene Jets, Villen und Chauffeure genutzt haben und kaum etwas dafür bezahlt haben.

Ein Beispiel: Für die Nutzung des "VW-Privatjets", der laut "Bild am Sonntag" 10.000 Euro pro Flugstunde kostet, sollen die Manager maximal einen Linienflugpreis bezahlt haben - selbst, wenn sie mit der Familie in den Urlaub flogen. Auch sollen die Bosse zu extrem günstigen Preisen in herrschaftlichen VW-Villen logiert haben - mit Gärtner und bisweilen auch mit teurer Spezial-Heizung für einen Koi-Karpfenteich.

Piëch bittet Bosse zur Kasse

Durch dieses Verhalten der Bosse stiegen die Reisekosten des Konzerns im Jahr 2014 derart an, dass der damalige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die Aktivitäten seiner Vorstandsmitglieder einzeln untersuchen ließ.

Kurz darauf forderte der Konzern laut der Zeitung von den Chefs Millionen zurück. Alle neun Vorstandsmitglieder zahlten demnach - die meisten sechsstellige Beträge, der eine oder andere aber auch mehr als eine Million Euro. Ähnliche Informationen erhielt auch die Deutsche Presse-Agentur aus VW-Kreisen.

Ferdinand Piech | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Ferdinand Piëch: Nahm die Spesen des Vorstandes genau unter die Lupe.

Steuerrechtlich in Ordnung?

Fraglich ist laut "Bild am Sonntag" allerdings, ob diese Rückzahlungen steuerrechtlich einwandfrei waren. Deshalb habe der Konzern selbst auch ein Gutachten dazu erstellen lassen. "Die Ausgaben wurden nach den geltenden steuerlichen Grundsätzen korrekt behandelt", zitiert das Blatt einen VW-Sprecher.

Zusätzlich zu den Rückforderungen erließ der Aufsichtsrat auch neue Regeln für den Vorstand, die dessen Reiseprivilegien deutlich einschränkten. Seitdem bezahle der VW-Vorstand marktübliche Mieten für die Nutzung der Villen, die Nutzung der Jets sei deutlich eingeschränkt und auch der kostenlose Gärtner sei gestrichen worden, berichtet die "Bild am Sonntag". Ein Privileg bleibt demnach aber unberührt: Nach wie vor dürfen die Bosse zum Wochenende im Firmenjet kostenlos nach Hause fliegen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Dezember 2016 um 11:11 Uhr

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