Parkende Autos stehen vor einem VW Logo | Bildquelle: AFP

Abgasskandal US-Anklage gegen VW-Manager

Stand: 09.01.2017 18:34 Uhr

Das FBI hat bestätigt, einen deutschen VW-Mitarbeiter festgenommen und angeklagt zu haben. Ihm werden Betrug und Verschwörung im Dieselskandal vorgeworfen. US-Medienberichten zufolge könnte VW in Kürze einen weiteren Vergleich in den USA erzielen.

Im VW-Abgasskandal hat die US-Bundespolizei FBI einen Manager des Autokonzerns wegen Betrugs angeklagt und dabei schwere Vorwürfe gegen die Führungsebene in Wolfsburg erhoben.

Das leitende Management in der Zentrale sei am 27. Juli 2015 über Existenz und Ziel der Betrugssoftware (Defeat Device) informiert worden, hieß es in der der Agentur Reuters vorliegenden Klageschrift. "Statt für eine Offenlegung des Defeat Devices gegenüber der US-Aufsicht einzutreten, genehmigte das VW-Management die weitere Verschleierung", heißt es demnach in der Klage. Dem beschuldigten Oliver S. und anderen wird darin eine Verschwörung zum Verstoß gegen US-Umweltrecht und zum Betrug der Käufer von VW-Dieselfahrzeugen vorgeworfen.

Der Beschuldigte, ehemals Chef des für die Koordination mit den US-Behörden zuständigen Umwelt- und Ingenieursbüros von VW in den USA, soll die amerikanischen Umweltbehörden im Sommer 2015 belogen haben. Er habe andere technische Gründe für die festgestellten höheren Schadstoffemissionen angeführt. Am Sonntag wurde er in Florida festgenommen.

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VW-Logo und US-Flagge
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Der VW-Konzern äußert sich zu der Verhafdtung nicht.

Ein VW-Sprecher sagte, der Konzern äußere sich nicht zu den laufenden Ermittlungen. Auf der Automesse in Detroit sagte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann, das Management sei von der Verhaftung völlig überrascht worden. Im vergangenen Jahr hatte bereits ein Ingenieur in den USA zugegeben, an der Manipulation beteiligt gewesen zu sein. Ihm steht ein Prozess noch bevor.

Hoffnung auf weiteren Vergleich in den USA

Laut der "New York Times" steht VW kurz vor einem Milliarden-Vergleich mit dem US-Justizministerium. In mehreren Zivilverfahren in den USA hatte Volkswagen bereits Entschädigungssummen ausgehandelt. So muss der Konzern insgesamt 14,7 Milliarden Dollar zahlen, um Besitzern von rund 480.000 Wagen mit 2,0-Liter-Dieselmotoren ihre Autos abzukaufen oder diese umzurüsten.

In Europa steht der VW unterdessen vor einer Welle von Schadensersatzklage von Autokäufern und Anlegern. In Großbritannien reichte die Kanzlei Harcus Sinclair eine Sammelklage von Autobesitzern ein. Die erste Anhörung dafür sei für den 30. Januar anberaumt.

Im September 2015 gab Volkswagen zu, bei insgesamt elf Millionen Diesel-Fahrzeugen weltweit eine Software eingebaut zu haben, die die Abgase nur auf dem Prüfstand der Behörden so reinigte wie vorgeschrieben, nicht aber im Fahrbetrieb.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Januar 2017 um 09:04 Uhr

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