VW-Logo vor blauem Himmel | Bildquelle: dpa

Abgas-Manipulationen in den USA Dobrindt lässt VW-Diesel überprüfen

Stand: 21.09.2015 21:36 Uhr

Der Druck auf Volkswagen wächst: Auch in Deutschland sollen nun VW-Dieselfahrzeuge überprüft werden. Das kündigte Verkehrsminister Dobrindt an. Außerdem zitierte er VW-Chef Winterkorn zu sich. Der Konzern hat in den USA im großen Stil Abgastests manipuliert.

Das Vertrauen in Volkswagen ist erschüttert - und das gilt nicht nur in den USA sondern auch diesseits des Atlantiks. Verkehrsminister Dobrindt zitierte VW-Chef Martin Winterkorn zu sich. Und nach dem Gespräch kündigte Dobrindt an, strenge Nachprüfungen bei den VW-Dieselmodellen zu veranlassen. Unabhängige Gutachter sollen nachmessen, ob die Schadstoffwerte, die VW angibt, tatsächlich stimmen.

Die Politik hegt somit den Verdacht, dass VW auch in Europa die Schadstoffmessungen manipuliert hat. Anders lässt sich diese Ankündigung wohl nicht interpretieren. In den USA musste VW zugeben, dass die Fahrzeugsoftware Testsituationen erkannte - und dann bei Abgasmessungen die Motorleistung entsprechend herunterregelte, dass das Auto weniger Schadstoffe ausstieß, vor allem weniger Stickoxide.

Dabei hatte Dobrindt noch am Mittag ausrichten lassen, es gebe keine Erkenntnisse über Manipulationen. Umweltministerin Barbara Hendricks drängte aber darauf, dass die Autohersteller belastbare Informationen vorlegen müssen, ob die gemeldeten Schadstoffwerte stimmen. VW-Chef Winterkorn habe dem Verkehrsminister volle Unterstützung von VW für die Nachprüfungen versprochen, hieß es.

Seit Winterkorn zugeben musste, dass der Autobauer die Diesel-Abgas-Normen in den USA manipuliert hat, gerät der Konzern-Chef zunehmend unter Druck. Erste Analysten sowie die Deutsche Umwelthilfe fordern bereits einen personellen Neuanfang. Eigentlich soll Winterkorns Vertrag auf der Aufsichtsratssitzung am Freitag vorzeitig um zwei Jahre bis Ende 2018 verlängert werden.

Bundesregierung fordert lückenlose Aufklärung
tagesthemen 22:15 Uhr, 21.09.2015, Carsten Wagner, NDR

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Forderung nach Aufklärung und Konsequenzen

Auch aus dem Bundesumweltministerium kamen sehr deutliche Worte. Staatssekretär Jochen Flassbarth sagte, "wir stehen vor einem Fall von eklatanter Verbrauchertäuschung und Umweltschädigung." Er erwarte, dass VW dies rückhaltlos aufkläre.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel nannte die Manipulationen schlimm. Er sei aber sicher, dass VW den Fall aufklären und die denkbar eingetretenen Schäden wiedergutmachen werde. Gabriel sagte weiter, der Begriff "Made in Germany" sei ein weltweiter Qualitätsbegriff, daher sei es gut, Messfehler oder Manipulation vielleicht einmal grundsätzlich zu überprüfen.

Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der auch Mitglied des Präsidiums des VW-Aufsichtsrates ist, nannte die Manipulation von Emissionstests völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen. Es müsse selbstverständlicher Anspruch des Konzerns sein, diese Vorfälle schnell und gründlich aufzuklären. Einer der mächtigsten Männer bei Volkswagen, Betriebsratschef Bernd Osterloh, forderte, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Osterloh betonte, verlorenes Vertrauen müsse zurückgewonnen werden.

Der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Nabu, Leif Miller, sagte, das Bestreben von Volkswagen, bis 2018 zum umweltfreundlichsten Autobauer der Welt zu werden, sei stark beschädigt. Es sei naheliegend, hieß es in einer Mitteilung des Nabu weiter, dass neben VW auch andere Hersteller manipulierten und zwar auch in Europa. Der Nabu kritisiert seit langem, dass die Abgaswerte vieler Fahrzeuge nur auf dem Prüfstand eingehalten, in der Praxis aber deutlich überschritten würden.

Thorsten Hapke, NDR, zum Skandal bei VW
tagesschau 20:00 Uhr, 21.09.2015

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VW drohen Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar

Volkswagen hatte gestern Abgas-Manipulationen in den USA zugegeben, die eine Milliardenstrafe nach sich ziehen könnten. Konzernchef Winterkorn kündigte daraufhin eine externe Untersuchung der Vorgänge an. Die US-Umweltschutzbehörde EPA wirft VW vor, bei knapp 500.000 Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften mithilfe einer Software vorsätzlich umgangen zu haben. Dem Konzern drohen deswegen schlimmstenfalls Strafzahlungen von rund 18 Milliarden Dollar. Das sind umgerechnet 16 Milliarden Euro. Würde die Strafe so hoch ausfallen, würde sie den Gewinn nach Steuern im vergangenen Jahr von elf Milliarden Euro deutlich übersteigen.

Anleger stoßen VW-Aktien ab

Im Zuge des Skandals brach der Kurs der VW-Aktie deutlich ein. Das Papier verlor seit Handelsbeginn mehr als 20 Prozent seines Wertes. Auf dem US-Markt stellte VW den Verkauf einiger Modelle mit Dieselmotoren inzwischen ein. US-Autohändler seien angewiesen worden, bestimmte Wagen des Modelljahres 2015 zurückzuhalten, sagte ein VW-Vertreter. Die Zahl der betroffenen Fahrzeuge nannte er nicht.

Abgas-Manipulation bei VW - die Vorwürfe

Die US-Umweltschutz-Behörde EPA beschuldigt VW, vorsätzlich Abgasvorschriften bei Diesel-Fahrzeugen umgangen zu haben. Ihnen sei eine Software eingesetzt worden, mit der die Messung bestimmter Abgaswerte umgangen werden könne.

"Einfach gesagt, diese Autos hatten ein Programm, das die Abgaskontrollen beim normalen Fahren ausschaltet und bei Abgastests anschaltet", erklärt eine EPA-Vertreterin. Folge solcher Manipulationen sei, dass die Autos für den Umweltschutz festgesetzte Abgas-Limits um das bis zu 40-Fache überstiegen. Im Fokus der EPA-Ermittlungen stehen laut EPA Vier-Zylinder-Modelle der Jahre 2009 bis 2015. Volkswagen räumte die Manipulationen ein. Nach bisherigem Stand sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

Plusminus extra: Manipulationsskandal bei VW. Zu sehen im Ersten um 22.45 Uhr und im Livestream auf tagesschau.de.

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