VW-Chef Martin Winterkorn | Bildquelle: REUTERS

Neue Details in der VW-Affäre Förderte Winterkorns Ehrgeiz den Betrug?

Stand: 08.11.2015 11:29 Uhr

Unregelmäßigkeiten beim CO2-Ausstoß hat VW bisher zugegeben - ohne aber weitere Details zu nennen. Doch die kommen nun ans Licht. Laut einem Medienbericht haben VW-Ingenieure bewusst betrogen, um die ehrgeizigen Ziele von Ex-VW-Chef Winterkorn erreichen zu können.

Im jüngsten Skandal um falsche Angaben über den CO2-Ausstoß und Spritverbrauch bei Volkswagen-Modellen liegen der Konzernrevision laut einem Zeitungsbericht mehrere Geständnisse von VW-Mitarbeitern vor. Die Ingenieure hätten angegeben, sie hätten die ambitionierten Ziele des inzwischen zurückgetretenen VW-Chefs Martin Winterkorn mit legalen Mitteln nicht erreichen können, berichtete die "Bild am Sonntag".

Winterkorn hatte beim Genfer Autosalon im März 2012 angekündigt, VW werde den CO2-Ausstoß seiner Modelle bis 2015 um 30 Prozent verringern. Die VW-Techniker hätten sich den Geständnissen zufolge nicht getraut, Winterkorn mit den tatsächlichen Umsetzungsschwierigkeiten zu konfrontieren, schreibt die Zeitung.

Schweigen Ende Oktober gebrochen

Dem Bericht zufolge begannen die Manipulationen 2013 und liefen bis zum Frühjahr 2015. Demnach kamen die Manipulationen heraus, weil ein Wolfsburger Ingenieur Ende Oktober sein Schweigen gebrochen habe. Die Techniker hätten mit diversen unerlaubten Maßnahmen die Werte manipuliert, zum Beispiel durch einen höheren Reifendruck von mehr als 3,5 bar. Außerdem sei auch Diesel ins Motoröl gemischt worden, damit Testwagen leichter laufen und weniger Sprit verbrauchen.

VW Wolfsburg | Bildquelle: dpa
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Ein VW-Ingenieur soll Ende Oktober die Manipulationen gestanden haben.

Der Konzern prüft laut "BamS" derzeit, welche Mitarbeiter beurlaubt werden müssten. Der Techniker, der mit seinem Geständnis alles ins Rollen gebracht habe, dürfe bleiben. "Wir können nicht jemanden bestrafen, der so einen mutigen Schritt gemacht hat", hieß es dem Bericht zufolge in der Konzernspitze.

Die manipulierten Testberichte wurden laut Aussage des Mitarbeiters an das Kraftfahrtbundesamt (KBA) weitergeleitet, das die Werte offenbar nur auf dem Papier prüfte. Wegen der Rolle des KBAs im VW-Skandal war zuletzt auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt in die Kritik geraten. Der CSU-Politiker hat mittlerweile eine Verschärfung der Kontrollen angekündigt. Dennoch reißt die Kritik der Opposition an Dobrindt nicht ab. "Erst hat er alle Verdachtsmomente übersehen, jetzt ist er als Aufklärer ein Totalausfall", sagte Grünen-Chefin Simone Peter der "Welt am Sonntag".

Peter fordert Zulassung von Sammelklagen

Peter forderte die Bundesregierung auf, bei den Autokonzernen härter durchzugreifen. "Wir erwarten, dass die Gesundheitsbelange der Bevölkerung und der Umweltschutz an erster Stelle stehen", sagte die Grünen-Vorsitzende. Sie fordert zudem die Zulassung von Sammelklagen nach US-Vorbild. "Wenn Konzerne bewusst betrügen und Grenzwerte verletzen, müssen sie sich auch der Verantwortung stellen, eine Mitschuld an Gesundheitsschäden zu tragen", so die Grünen-Politikerin.

VW hatte am Dienstag mitgeteilt, dass bei der Zertifizierung von rund 800.000 seiner Fahrzeuge zu niedrige CO2- und damit auch Verbrauchsangaben festgelegt worden seien. Der CO2-Ausstoß eines Autos spielt bei der Berechnung der Kfz-Steuer eine Rolle. Wegen manipulierter Abgaswerte steht der VW-Konzern seit Wochen massiv unter Druck. Im September hatte das Unternehmen nach Enthüllungen der US-Umweltbehörde EPA zugeben müssen, dass bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen Software eingesetzt war, welche die Abgaswerte als zu niedrig auswies. Durch den Skandal entstehen dem Konzern Milliardenkosten.

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