Martin Winterkorn und Ferdinand Piech

VW-Abgasskandal Piëch belastet Winterkorn

Stand: 03.02.2017 20:01 Uhr

Der frühere VW-Aufsichtsratschef Piëch belastet Ex-VW-Chef Winterkorn. Der habe durch ihn, Piëch, früher als bisher eingeräumt von dem Abgasskandal erfahren, meldet der "Spiegel". Nach Informationen von NDR, WDR und "SZ" erfuhr Piëch durch Israels Ex-Botschafter Primor von dem Skandal.

Der im Groll bei Volkswagen ausgeschiedene frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch belastet in der Abgasaffäre einem "Spiegel"-Bericht zufolge den ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn. Piëch habe in einer ausführlichen Aussage vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig erklärt, Winterkorn habe viel früher von dem Dieselbetrug erfahren, als bislang eingeräumt, berichtet das Magazin. Piëch selbst habe Ende Februar 2015 den Hinweis erhalten, dass VW in den USA ein Problem habe. Hinweise auf eine Software zur Manipulation von Abgaswerten hätten US-Behörden bereits an den Konzern weitergeleitet.

Laut "Spiegel" will Piëch Winterkorn damals darauf angesprochen haben. Doch der damalige VW-Chef habe ihm versichert, ein solches Papier aus den USA existiere nicht. Diese Aussage habe Piëch bereits Ende vergangenen Jahres gemacht, berichtet das Magazin ohne Quellenangabe. Von der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es bislang keine Stellungnahme. VW wollte den Bericht nicht kommentieren.

Ferdinand Piech | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Der frühere VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch belastet...

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn | Bildquelle: dpa
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...den ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn.

Informationen kamen von Israels Ex-Botschafter

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" bekam Piëch die Informationen von dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland, Avi Primor. Der war demnach im Februar 2015 in der VW-Zentrale in Wolfsburg zu Besuch. Eigentlich sollte es um Sicherheitsfragen gehen. Später hätten sich Piëch und Primor noch zu einem Vier-Augen-Gespräch zurückgezogen. Primor soll gesagt haben, in Amerika gebe es Probleme mit den Abgasen, VW habe geschummelt. Primor zitierte dabei aus einem Papier. Piëch soll allerdings keine Kopie davon bekommen haben.

Von NDR, WDR und "SZ" mit diesem Vorgang und seiner Rolle konfrontiert, erklärte Primor am Nachmittag in einem Telefonat: "Ich will gar nichts sagen. Danke für Ihr Verständnis." Mit den Informationen aus dem Gespräch mit Primor will Piëch dann im März 2015 beim Genfer Autosalon den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn auf Manipulationen in den USA angesprochen haben.

Dieses Thema soll auch einer der Hintergründe für Piëchs überraschende Attacke im April 2015 auf Winterkorn gewesen sein. Piëch wollte den VW-Chef damals mit den Worten loswerden: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Piëch soll vor Monaten zu Vertrauten gesagt haben, die Abgasaffäre sei der wahre Grund, warum er schon vor Bekanntwerden der Betrügereien öffentlich auf Winterkorn losgegangen sei.

Avi Primor
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Informierte Piëch frühzeitig über US-Ermittlungen gegen VW: Der ehemalige israelische Boschafter in Deutschland, Avi Primor.

Neue Ermittlungen gegen Winterkorn

Winterkorns Anwälte teilten der Nachrichtenagentur dpa mit, ihr Mandant habe "erst vor wenigen Tagen von der Existenz einer weitergehenden Aussage des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden, Prof. Dr. F. Piëch, erfahren". Winterkorn kenne jedoch noch keine Details. "Herr Winterkorn wird sich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen - und damit auch zu dieser Aussage - äußern, sobald ihm die Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig zur Einsicht vorgelegen haben."

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hatte vor einer Woche erst die Ermittlungen gegen Winterkorn auf den Betrugsverdacht ausgeweitet. Laut den Strafverfolgern hatten sich "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" ergeben, dass der ehemalige Konzernchef früher als von ihm öffentlich behauptet von der Betrugssoftware und ihrer Wirkung gewusst haben könnte. Dabei berief sich die Ermittlungsbehörde auf eigene Vernehmungen von Zeugen und die Auswertung beschlagnahmter Dateien.

Winterkorn selbst hat mehrfach beteuert, erst im September 2015 den millionenfachen Abgasmanipulationen erfahren zu haben. Er war kurz nach Bekanntwerden des Dieselskandals von seinem Amt an der Spitze von Europas größtem Autobauer zurückgetreten.

Höhere Hürden für Managerboni

Unterdessen ist im Konzern die Debatte über Abfindungen und Boni von Topmanagern neu entbrannt. Nach dem Willen der Betriebsräte sollen die üppigen Bonuszahlungen für Manager nur noch bei bei entsprechend hoher Leistung fließen. Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh forderte in der "Braunschweiger Zeitung": "Es passt nicht ins Bild: Leiharbeiter werden vom Vorstand abgemeldet, und gleichzeitig geht ein Vorstandsmitglied mit Millionen aus der Tür."

VW hatte bereits 2016 angekündigt, sein Managervergütungssystem ändern zu wollen. Zuletzt hatte es jedoch Kritik gegeben, weil Christine Hohmann-Dennhardt zu ihrem Abschied eine Zahlung von über zwölf Millionen Euro nach nur gut einem Jahr Arbeit als VW-Vorstand für Integrität und Recht erhält.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Februar 2017 um 15:00 Uhr.

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