Matthias Müller | Bildquelle: dpa

VW-Chef Müller in den USA Stolperer bei Entschuldigungs-Tour

Stand: 12.01.2016 18:13 Uhr

VW-Chef Müller ist derzeit in den USA ein gefragter Interviewpartner. Nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte hatte er sich bereits medienwirksam entschuldigt. Dem Sender NPR lieferte er nun eine denkwürdige Interpretation der Geschichte - und seiner PR-Abteilung jede Menge Ärger.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die große Entschuldigungs-Tour von VW-Chef Matthias Müller durch die USA hat eine Schramme bekommen. Anlass war ein Interview bei der Autoshow in Detroit mit dem öffentlich-rechtlichen Radiosender NPR. Zur Feststellung des Reporters, Volkswagen habe die Umweltbehörde EPA absichtlich angelogen, sagte Müller: "Wir haben nicht gelogen. Wir haben die Frage zuerst nicht verstanden. Und dann arbeiteten wir seit 2014, um das Problem zu lösen. Es war ein Versäumnis von VW, dass wir so lange gebraucht haben." Müller erklärte, man habe den Ingenieuren Ziele gesetzt, die sie erfüllt hätten, indem sie Software-Lösungen eingebaut hätten, die nicht US-Recht entsprächen.

Zweiter Anlauf nach Interview-Panne

Das klingt ganz anders als die Geschichte, die wir seit Monaten von VW hören: Der Konzern hatte doch eigentlich längst eingeräumt, dass er wissentlich getäuscht hatte. Die verwendete Software entsprach nicht nur nicht dem US-Recht - sie war zweifelsfrei dafür ausgelegt, bei Abgasmessungen im Labor zu schummeln.

Entschuldigung für den Entschuldigungs-Versuch

Der PR-Abteilung von Volkswagen muss anschließend aufgefallen sein, was ihr Chef da gesagt hatte, darum bat sie NPR um einen zweiten Anlauf. Darin entschuldigte sich Müller für den ersten Entschuldigungs-Versuch - die Interviewsituation sei für ihn schwierig gewesen. Man akzeptiere vollkommen den Verstoß, der Volkwagen vorgeworfen wird. Man arbeite Tag und Nacht an einer Lösung. Es gebe viel zu tun - auch für Anwälte und Pressesprecher.

Das Interview-Debakel kommt für Müller zu ungelegener Zeit - denn eigentlich wollte er eine andere Botschaft in Amerika aussenden. Sie brachte er auch im ersten Gespräch mit NPR unter: "Zuerst muss ich mich im Namen von Volkswagen entschuldigen. Zweitens verspreche ich, dass wir eine angemessene Lösung für unsere Kunden liefern. So schnell wie möglich."

Müller trifft EPA-Chefin

Daran hapert es aber noch: Denn im Gegensatz zu Europa gibt es in den USA noch keine bestätigte Lösung, was mit den betroffenen Diesel-Autos passieren wird. Das entscheidende Gespräche könnte am Mittwoch auf Müller zukommen: Dann trifft er sich in Washington mit der Chefin der Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy. Und bei US-Regulierern kommen Reue und ernsthaftes Bemühen immer am besten an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Januar 2016 um 17:00 Uhr.

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