VW-Emblem, große schwarze Wolken: Der Absatz beim Konzern bricht ein | Bildquelle: dpa

Käufer fordern Schadenersatz 5000 neue Klagen gegen VW

Stand: 28.08.2017 18:46 Uhr

Neue Klagewelle gegen VW: Der frühere Innenminister und Rechtsanwalt Baum will Schadenersatz für Käufer von manipulierten Dieselfahrzeugen erstreiten. Und zwar schnell - Ende des Jahres läuft die Frist bei den Händlern ab.

Von Christine Adelhardt, NDR

Die Klageflut gegen VW nimmt kein Ende. Nun wollen 5000 weitere Diesel-Käufer gegen den VW-Konzern beziehungsweise dessen Händler klagen. Das kündigte der frühere Bundesinnenminister und FDP-Politiker Gerhart Baum in einem Gespräch mit NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" an.

Mangelhafte Fahrzeuge

Baum wird mit seinem Düsseldorfer Anwaltsbüro und einer Partnerkanzlei bis zum Jahresende für 5000 Kunden des Autokonzerns Klagen auf Schadenersatz einreichen. Den betroffenen Autobesitzern seien mangelhafte Fahrzeuge mit einer manipulierten Abgasreinigung verkauft worden.

Volkswagen versuche sich "in die Verjährung zu retten", so Baum, um den rund 2,5 Millionen Käufern von Dieselfahrzeugen mit einem überhöhten Schadstoffausstoß keinen Ausgleich für diesen Mangel zahlen zu müssen. Er werde die Klagen noch im Herbst einreichen, weil für einen Großteil der Kunden Ende 2017 Verjährungsfristen gegenüber Händlern auslaufen. Danach können die betroffenen Autokäufer keine Schadensersatzansprüche mehr stellen.

Gerhart Baum | Bildquelle: REUTERS
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Will für 5000 Diesel-Käufer Schadenersatz erstreiten: Ex-Innenminister und Rechtsanwalt Gerhart Baum

Automobilindustrie verhinderte Sammelklagen

Diese Flut von Einzelklagen hätte verhindert werden können, wenn die Politik die Möglichkeit von Sammelklagen eröffnet hätte, so Baum. Die Automobilindustrie aber habe das verhindert. VW streitet in Deutschland und im übrigen Europa jegliche Schadenersatzansprüche ab. Mit dem vom Kraftfahrt-Bundesamt bei den Dieselfahrzeugen angeordneten Software-Update werde der Mangel beseitigt, so die offizielle Lesart des Konzerns.

In den USA etliche Milliarden Schadenersatz

Bei rund zwei Millionen Autos in Deutschland sei das bereits geschehen, die restlichen Fahrzeuge folgten. VW verweist auf Anfrage darauf, dass die technischen Maßnahmen zum Software-Update alle gesetzlichen Anforderungen erfüllten, und dass man deshalb an den Verjährungsfristen festhalten wolle. Nach Angaben des Konzerns sind 70 bis 75 Prozent der bisher ergangenen Urteile zu Gunsten von Volkswagen ausgefallen.

In den USA dagegen hatte sich VW bereit erklärt, etliche Milliarden an Schadenersatz an Besitzer von manipulierten Dieselfahrzeugen zu zahlen. Die Rechtslage sei dort anders, betonte der Konzern.

Über dieses Thema berichtete der WDR 5 im Morgenecho am 29. August 2017 ab 06:00 Uhr.

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