VW-Chef Müller | Bildquelle: REUTERS

Wechsel an Konzernspitze VW baut um - Müller soll gehen

Stand: 10.04.2018 20:45 Uhr

VW-Chef Müller soll seinen Posten räumen. Nachfolger soll Markenchef Diess werden. Der Autobauer bestätigt die Personalie zwar bislang nicht, spricht aber von einer "Weiterentwicklung der Führungsstruktur".

Volkswagen steht vor einem Chefwechsel: Markenchef Herbert Diess soll den bisherigen Vorstandschef Matthias Müller beerben, der den Autokonzern seit Bekanntwerden des Dieselskandals vor dreieinhalb Jahren führt.

Diess kam 2015 von BMW und handelte unter anderem das Reform- und Sparprogramm "Zukunftspakt" bei der Stammsparte mit dem mächtigen Betriebsrat aus.

VW-Markenchef Herbert Diess | Bildquelle: AFP
galerie

VW-Markenchef Herbert Diess soll an die Konzernspitze wechseln - als Nachfolger von Matthias Müller.

Bestätigen wollte der Konzern die Informationen des NDR und mehrerer anderer Medien bislang nicht. VW hatte kurz zuvor in einer Mitteilung an die Finanzwelt die Spekulationen über den Führungswechsel jedoch befeuert. Dort hieß es, man prüfe "eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur". Dies schließe Änderungen bei den Verantwortlichkeiten ein, womöglich auch "eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden". Müller habe seine "grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken", erklärte VW. Über die neue Führungsstruktur soll der Aufsichtsrat an diesem Freitag beraten.

Chefwechsel kommt überraschend

Der plötzliche Chefwechsel kommt überraschend. Müllers Vertrag läuft eigentlich noch bis 2020. Er führt den Konzern mit zwölf Marken seit September 2015, als der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn wegen der Dieselaffäre zurücktreten musste. Müller trieb seither die Aufklärung des Dieselbetrugs voran, der den Konzern bereits mehr als 25 Milliarden Euro gekostet hat.

Schon bei seinem Amtsantritt ließ der 64-Jährige erkennen, dass er sich nur schwer von seinem liebgewordenen Amt als Porsche-Chef trennen konnte, um nach Wolfsburg zu wechseln. Als Konzernchef begann Müller dann mit dem Umbau des Unternehmens, das der frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piech zu einem Imperium mit zentraler Führung aufgebaut hatte. Die einzelnen Regionen erhielten durch Müller mehr Mitsprache in der Modellpolitik, die Marken bekamen mehr Eigenständigkeit.

"Kulturwandel" stockt, Skandale bremsen

Der versprochene "Kulturwandel" kam jedoch nicht schnell genug voran. Hinzu kamen immer wieder Skandale. Zuletzt versetzten die fragwürdigen Abgastests mit Affen den Konzern in Aufruhr und setzten Müller auch persönlich zu. Immer wieder stand zudem die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen wegen des Abgaskandals vor der Tür. Jüngst geriet Müller wegen seines Millionengehalts in die Schlagzeilen. Dem Geschäftsbericht von VW zufolge bekommt er für das Jahr 2017 eine Vergütung von gut zehn Millionen Euro - ein Plus von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Müller verteidigte die Vergütung jüngst mit der Relevanz des Unternehmens für die Volkswirtschaft sowie dem mit dem Posten verbundenen Risiko.

Bei der Aufsichtsratssitzung soll es neben den personellen Veränderungen auch um die internen Strukturen gehen. Der riesige Konzern kämpft mit seinem komplexen Aufbau und will den einzelnen Marken und Regionen mehr Verantwortung geben. Außerdem erfordern die Elektromobilität und die Vernetzung viele Veränderungen. Volkswagen investiert hier bereits Milliarden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. April 2018 um 17:00 Uhr.

Darstellung: