VW-Logo | Bildquelle: AFP

Skandal um manipulierte Abgaswerte Harte Linie gegen Volkswagen

Stand: 23.09.2015 08:51 Uhr

Volkswagen kommt wegen manipulierter Abgaswerte zunehmend in Bedrängnis: Neben dem US-Justizministerium ermittelt nun auch der New Yorker Staatsanwalt. Auch in Kanada wird der Fall untersucht. In Wolfsburg geht es heute um die Zukunft von VW-Boss Winterkorn.

Die schlechten Nachrichten für Volkswagen im Skandal um manipulierte Abgaswerte nehmen kein Ende. Nachdem bereits das US-Justizministerium Ermittlungen gegen den Wolfsburger Konzern angekündigt hatte, zieht die New Yorker Staatsanwaltschaft nun nach. Sie will sich mit anderen US-Staaten zusammentun und gegen die Machenschaften von VW vorgehen, kündigte Staatsanwalt Eric T. Schneiderman an.

Ziel sei es, den Schutz der Verbraucher und der Umwelt sicherzustellen: "Keinem Unternehmen sollte es erlaubt sein, unsere Umweltgesetze zu umgehen oder Verbrauchern einen gefälschten Entwurf von Gütern zu versprechen", erklärte Schneiderman.

Für die juristische Aufarbeitung des Skandals hat sich VW eine bekannte Kanzlei zur Unterstützung geholt: Kirkland & Ellis LLP soll die Interessen des Konzerns vertreten. Die Anwälte hatten bereits den Ölkonzern BP nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Jahre 2010 mit elf Toten vertreten. Eine Sprecherin der Kanzlei lehnte eine Stellungnahme ab.

Ermittlungen gegen Volkswagen
tagesschau24 09:00 Uhr, 23.09.2015, Axel John, ARD Berlin

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Kanada kündigt Untersuchung an

Auch in Kanada will die Regierung die Manipulationen nicht einfach hinnehmen. Die Umweltbehörde kündigte an, etwa 100.000 Diesel-Fahrzeuge von VW und der Konzerntochter Audi mit den Baujahren 2009 bis 2015 zu untersuchen. Dazu bestehe Kontakt zur US-Umweltbehörde EPA und der kanadischen Volkswagen-Tochter. Die Höchststrafe für Verstöße gegen kanadische Umweltgesetze liege bei umgerechnet vier Millionen Euro.

VW hatte zugegeben, dass in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeugen Software eingebaut wurde, die die Emissionkontrollen beschönigen. Diese Zahl überstieg deutlich die rund 482.000 Fahrzeuge, von denen zuvor die US-Umweltschutzbehörde gesprochen hatte. Volkswagen drohen theoretisch Strafgelder in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar.

Wegen der befürchteten Strafzahlungen und Klagen hat VW inzwischen eine Gewinnwarnung ausgesprochen und eine Rückstellung von 6,5 Milliarden Euro angekündigt. Kurz darauf verlor die Aktie des Konzerns rund 20 Prozent an Wert.

Abgas-Manipulation bei VW - die Vorwürfe

Die US-Umweltschutz-Behörde EPA beschuldigt VW, vorsätzlich Abgasvorschriften bei Diesel-Fahrzeugen umgangen zu haben. Ihnen sei eine Software eingesetzt worden, mit der die Messung bestimmter Abgaswerte umgangen werden könne.

"Einfach gesagt, diese Autos hatten ein Programm, das die Abgaskontrollen beim normalen Fahren ausschaltet und bei Abgastests anschaltet", erklärt eine EPA-Vertreterin. Folge solcher Manipulationen sei, dass die Autos für den Umweltschutz festgesetzte Abgas-Limits um das bis zu 40-Fache überstiegen. Im Fokus der EPA-Ermittlungen stehen laut EPA Vier-Zylinder-Modelle der Jahre 2009 bis 2015. Volkswagen räumte die Manipulationen ein. Nach bisherigem Stand sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

T. Hapke, NDR, zur Krisensitzung bei VW
tagesschau 16:00 Uhr, 23.09.2015

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Für VW-Chef Winterkorn wird es eng

VW-Chef Martin Winterkorn bat am Dienstag um Entschuldigung und kündigte ausgiebige Untersuchungen an. "Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht", sagte er in dem Video, das auf der VW-Webseite veröffentlicht wurde. "Wir klären das auf." Es bleibt offen, ob sich Winterkorn in seinem Amt wird halten können.

Auch politisch wächst der Druck auf den VW-Konzern. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt setzte eine Untersuchungskommission unter Leitung des Verkehrsstaatssekretärs Michael Odenwald ein. Dieser soll noch diese Woche nach Wolfsburg reisen und Unterlagen einsehen. Beteiligt sei auch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). "Unsere Kommission wird untersuchen, ob die betreffenden Fahrzeuge innerhalb der bestehenden deutschen und europäischen Vorschriften gebaut und geprüft worden sind - und ob dies konform mit den Fahrzeugzulassungen geschehen ist", erklärte Dobrindt.

Heute berät das VW-Präsidium die Folgen der Abgas-Manipulationen. Dabei soll auch die Sitzung des Aufsichtsrats am Freitag vorbereitet werden. Dieser sollte ursprünglich eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Winterkorn um zwei Jahre bis Ende 2018 beschließen.

Klage gegen VW in Brasilien

Volkswagen muss sich neben dem Abgas-Skandal auch mit einer anderen Affäre auseinandersetzen: In Brasilien wurde gegen den Autobauer eine Zivilklage eingereicht. Der Vorwurf: VW soll während der Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 die Folter und illegale Festnahme von Mitarbeitern hingenommen haben. Zwölf ehemalige Mitarbeiter des VW-Werks in São Bernardo do Campo sollen laut Anklage festgenommen und gefoltert worden sein. Dutzende Mitarbeiter seien auf schwarzen Listen geführt worden. Das "Arbeiterforum für Wahrheit, Gerechtigkeit und Reparation" hatte die Klage angestrengt. Sie fordern eine kollektive Entschädigung. Das Arbeiterforum war 2012 von Brasiliens linksgerichteter Staatschefin Dilma Rousseff eingesetzt worden, um die Verbrechen während der Militärdiktatur zu untersuchen.

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