VW | Bildquelle: dpa

Mögliche Hinweise auf illegale Praxis Ignorierte VW frühe Warnungen?

Stand: 27.09.2015 14:29 Uhr

Bei VW gab es einem Zeitungsbericht zufolge schon frühzeitig Hinweise auf manipulierte Abgaswerte. Demnach warnte ein Techniker 2011 vor illegalen Praktiken. Druck bekommt VW auch vom Kraftfahrtbundesamt. Der Konzern versprach Abhilfe in den nächsten Wochen.

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte beim Autobauer Volkswagen sind neue Einzelheiten bekannt geworden. Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" meldet, warnte ein VW-Techniker bereits im Jahr 2011 vor illegalen Praktiken in diesem Zusammenhang. Dies gehe aus einem ersten Prüfbericht der internen Revision des Autobauers hervor, schreibt das Blatt und beruft sich dabei auf Aufsichtsratskreise.

Den Kontrolleuren seien diese Ergebnisse am Freitag in ihrer Sitzung vorgelegt worden, ohne dass geklärt worden sei, warum die Warnung seinerzeit ohne Folgen geblieben sei und wer alles davon erfahren habe.

Mögliche Schadensersatzforderungen gegen Manager

Der VW-Aufsichtsrat soll externe Ermittler engagiert haben, um den Fall aufzuklären. Sollten diese Belege für ein Fehlverhalten aktueller oder ehemaliger Vorstände finden, müsste der Konzern von den Managern Schadensersatz einfordern, berichtet das Blatt. Der Aufsichtsrat sei zu diesem Schritt - falls nötig - fest entschlossen. Volkswagen wollte den Bericht nicht kommentieren. "Wir ermitteln auf Hochtouren und werden die Ergebnisse, sobald wir sie haben, bekanntgeben", sagte VW-Sprecher Peter Thul.

Bosch warnte vor illegalen Praktiken

Laut "Bild am Sonntag" sei die interne Revision des Fahrzeugherstellers auch auf ein weiteres brisantes Dokument gestoßen. Der Zulieferer Bosch habe schon 2007 in einem Schreiben an den VW-Konzern vor einer illegalen Verwendung seiner Technik zur Abgasnachbehandlung gewarnt. Bosch habe die Software an VW geliefert, die allerdings nur für Testzwecke und nicht für den normalen Fahrbetrieb vorgesehen gewesen sei.

Der Zeitung zufolge teilte der Zulieferer damals den Wolfsburgern mit, dass der geplante Einsatz gesetzeswidrig sei. Bosch äußerte sich am Sonntag nicht dazu. "Wir sind gegenüber VW zu Vertraulichkeit verpflichtet", so ein Bosch-Sprecher in Stuttgart.

VW war über Manipulationen frühzeitig informiert
tagesthemen 22:44 Uhr, 27.09.2015, Jan-Peter Bartels, HR

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Kraftfahrtbundesamt verlangt Zeitplan

Derweil setzte das Kraftfahrtbundesamt VW ein Ultimatum. Das Bundesamt forderte den Autobauer schriftlich auf, bis zum 7. Oktober einen verbindlichen "Maßnahmen- und Zeitplan" vorzulegen, ob und bis wann seine Fahrzeuge ohne Manipulationssoftware die Abgasverordnung einhalten werden.

Es müsse sichergestellt werden, dass die Fahrzeuge "mit dem jeweiligen genehmigten Typ in Übereinstimmung gebracht werden". Sollte Volkswagen die Aufforderung des Bundesamtes nicht beachten, könnten die Typengenehmigungen der Wagen entzogen werden. Dann dürften die betroffenen Autos nicht mehr verkauft oder bewegt werden.

VW sagte dem NDR, dass man in der kommenden Woche Lösungsvorschläge für technische Maßnahmen den Behörden vorstellen wolle. Im Anschluss werde Volkswagen einen Zeitplan erstellen, um die Fahrzeuge der betroffenen Kunden umzurüsten. Dies würde mehrere Wochen in Anspruch nehmen, so der Konzernsprecher. Wichtig sei für das Unternehmen, schnellstmöglich seine Kunden zu informieren. Ob dies direkt oder über die Händler geschehen werde, werde derzeit abgestimmt. Die Nachbesserungsaktion für die von den Abgasmanipulationen betroffenen Diesel-Fahrzeuge soll die Besitzer nichts kosten.

Elf Millionen Fahrzeuge betroffen

Nach Untersuchungen der US-Umweltschutzbehörde EPA hatte der Wolfsburger Konzern eingeräumt, dass mit Hilfe einer Software Abgaskontrollen von Diesel-Fahrzeugen manipuliert wurden. Betroffen sind weltweit elf Millionen Fahrzeuge. Auf das Unternehmen könnten daher Milliardenlasten zukommen.

Der langjährige Konzernchef Martin Winterkorn musste seinen Posten räumen. Er wurde am Freitag durch den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller ersetzt.

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