Eine US-Flagge spiegelt sich in einem VW-Logo. | Bildquelle: dpa

Affen mussten Abgase einatmen US-Tierversuche für deutsche Autolobby

Stand: 26.01.2018 20:02 Uhr

Der Abgasskandal ist um ein bizarres Kapitel reicher: Vor der Entdeckung der Manipulationen ließen laut Medien Lobbyisten deutscher Konzerne in den USA Affen Dieselabgase einatmen, um deren Harmlosigkeit zu beweisen.

Schon vor der Entdeckung der Manipulationen an Diesel-Fahrzeugen hatte die Antriebstechnik in den USA nicht unbedingt einen guten Ruf. Laut einem Bericht der "New York Times" brachte dies eine Lobbygruppe deutscher Autobauer auf eine bizarre Idee: Sie ließ in einem Forschungsinstitut zehn Affen gezielt Schadstoffen aus Diesel-Motoren aussetzen.

Das Blatt meldet unter Berufung auf Gerichtsunterlagen und Regierungsdokumente, dass die Tiere 2014 vier Stunden lang in Räumen mit Auspuffgasen eines VW Beetles eingesperrt wurden. Der Versuch sei Teil einer Studie gewesen, die beweisen sollte, dass die Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Was die Forscher nicht wussten: Der Wagen war bereits mit manipulierter Abgastechnik ausgestattet.

Von deutschen Autobauern finanziert

Die EUGT ("Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor"), eine von Volkswagen, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative, soll die Untersuchung bei einem Forschungslabor in Albuquerque in Auftrag gegeben haben. Federführend sei VW gewesen.

Beteiligte Konzerne mauern

Daimler und VW bestätigten auf dpa-Anfrage die Auftragsvergabe, wollten sich zu den Experimenten aber nicht konkreter äußern. "Daimler unterstützt und toleriert keine unethische Behandlung von Tieren und distanziert sich von der Studie", sagte eine Sprecherin.

BMW äußerte sich in einem Statement ähnlich - der Konzern führe keine Tierversuche durch und habe an der Studie nicht mitgewirkt. "Details wie Ablauf oder Umfang können wir entsprechend nicht kommentieren". VW teilte mit, die Kritik an der Studie sehr ernst zu nehmen.

Studienleiter wusste nichts von Abgasmanipulation

Die "New York Times" stützt sich bei der Beschreibung der Experimente vor allem auf Zeugenaussagen des Studienleiters Jake McDonald vom Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI). Ihm sei nicht klar gewesen, dass der VW Beetle eine Software zur Abgas-Manipulation an Bord hatte. Diese waren tatsächlich erst im Herbst 2015 öffentlich geworden.

Ergebnisse wurden nie veröffentlicht

Die 2007 von BMW, Daimler, Volkswagen und Bosch gegründete EUGT wurde Mitte 2017 aufgelöst. Die abschließenden Ergebnisse der Studie hätten bis dahin nicht vorgelegen, womit das Projekt auch nicht abgeschlossen und veröffentlicht worden sei, hieß es von VW.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell BW am 27. Januar 2018 um 19:30 Uhr.

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