Eine rote Ampel vor dem KaDeWe
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Luxuskaufhaus insolvent Kostet die KaDeWe-Pleite den Staat Millionen?

Stand: 09.02.2024 14:35 Uhr

Die KaDeWe-Group ist insolvent, hat aber für 2023 einen Rekordumsatz gemeldet. Gleichzeitig warten Händler laut rbb immer noch auf die Auszahlung ihrer Weihnachtsumsätze. Auch für den Staat könnte es sehr teuer werden.

Von Johanna Sagmeister, Ute Barthel, Wolf Siebert und Arndt Breitfeld, rbb

Das Geschäft läuft zwar weiter, und bisher wurden keine Mitarbeiter entlassen, nachdem die KaDeWe-Gruppe Ende Januar Insolvenz angemeldet hatte. Doch wie es um die Luxuskaufhäuser in Berlin, Hamburg und München tatsächlich steht, ist weiter unklar. Und bei einigen Händlern steigt der Frust.

So warten etwa im Berliner "Kaufhaus des Westens" manche Händler noch immer auf ihr Geld aus dem Weihnachtsgeschäft. "Wir warten auf knapp 100.000 Euro, die das KaDeWe uns schuldet", sagt Hamid Djadda, der Mitgesellschafter von OHDE Berlin Marzipan ist. Das Unternehmen hat im KaDeWe einen Stand, die Ware kann man allerdings an allen Kassen des Kaufhauses zahlen.

"Einen Monat später hat das KaDeWe das Geld dann immer überwiesen", erzählt Djadda. Doch seit Mitte Dezember sei keins mehr gekommen. Die wichtigsten Gewinne des Weihnachtsgeschäfts fehlten ihm und vielen anderen Betroffenen, sagt er. "Das ist für eine Firma wie OHDE sowie andere familiengeführte, kleinere Firmen existenzbedrohend." Das KaDeWe möchte sich zu einzelnen Fällen nicht äußern.

Umsatz-Meldung als "Flucht nach vorne"?

Das "Kaufhaus des Westens" in Berlin gehört gemeinsam mit dem Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München zur KaDeWe-Gruppe, die knapp zur Hälfte im Besitz der ebenfalls insolventen Signa Holding des österreichischen Investors René Benko ist.

Seit der Insolvenzmeldung ist die KaDeWe-Gruppe bemüht, positive Botschaften zu senden: So teilte das Unternehmen diese Woche mit, dass 2022/23 das umsatzstärkste Jahr der Unternehmensgeschichte gewesen sei. Der Umsatz lag danach mit knapp 728 Millionen Euro um fast 24 Prozent über dem Vor-Corona-Jahr 2018/19.

Diese Meldung dürfe man allerdings nicht zu hoch bewerten, sagt Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbands der Insolvenzverwalter, VID. "Umsatz ist nicht gleich Gewinn und sagt deshalb nichts über die Profitabilität aus." Es sei nicht unüblich, dass Unternehmen in dieser Situation mit so einer Meldung "die Flucht nach vorne" anträten.

Seit 2016 keine Jahresabschlüsse veröffentlicht

Wie es tatsächlich um das Unternehmen steht, bleibt weiter unklar. Den letzten Jahresabschluss hat die KaDeWe-Gruppe im Jahr 2016 veröffentlicht. Nach Informationen von rbb24 verstößt das Unternehmen seitdem offenbar gegen die Offenlegungspflichten. Die KaDeWe-Gruppe teilt nun auf Anfrage mit, die seitdem fehlenden Geschäftsabschlüsse beim Bundesanzeiger eingereicht zu haben, wo so "zeitnah öffentlich einsehbar" sein sollen.

Der Staat hatte dem Unternehmen im Jahr 2020 eine Bürgschaft gewährt, die die Steuerzahler jetzt Millionen kosten könnte. Dabei geht es um einen Kredit von 90 Millionen Euro, den die KaDeWe-Gruppe nach eigenen Angaben von der BNP-Bank "im Zusammenhang mit den monatelangen erzwungenen Schließungen unserer Stores während der Corona-Pandemie" bekommen hat.

Bund, Berlin und Hamburg haften für 90 Prozent

Eine Bedingung für diesen Kredit war, dass der Bund und die Länder Berlin, Hamburg und Bayern beim Zahlungsausfall für 90 Prozent der Summe einspringen. Mit der Insolvenz der KaDeWe Group könnte diese Bürgschaft nun fällig werden: "Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen für den Kredit keine Sicherheiten in der entsprechenden Größenordnung hat. Sonst hätte es ja keine Bürgschaft gebraucht", sagt Insolvenzverwalter Niering.

Die KaDeWe-Gruppe teilt mit, dass die Bürgschaft bisher nicht in Anspruch genommen worden sei. Die Rückzahlung des Kredits erfolge planmäßig, und das Unternehmen habe "Rückzahlungen in relevanter Höhe an den Kreditgeber geleistet". Um welche Summen es genau geht, beantwortete das Unternehmen nicht.

Falls der Bund einspringen muss, übernimmt er die Hälfte der ausstehenden Zahlungen, und die drei beteiligten Bundesländer teilen sich die andere Hälfte. Laut Berliner Senatsverwaltung für Finanzen werden die Anteile nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel - zum Beispiel nach Anzahl der Mitarbeiter - aufgeteilt.

Händler im KaDeWe setzen auf eigene Kassen

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat dieses Geld im Insolvenzverfahren wiederbekommt, schätzt Niering als eher gering ein. "In der Regel sind staatliche Bürgschaften nicht abgesichert. Ungesicherte Gläubiger erhalten gerade bei Insolvenzen von Handelsunternehmen nur Quoten im einstelligen Bereich", so der Insolvenzverwalter.

Auch Hamid Djadda von OHDE Berlin Marzipan muss sich darauf einstellen, nur einen Bruchteil der 100.000 Euro wiederzubekommen, die ihm die KaDeWe-Group noch schuldet. Den Verkauf seiner Ware hat er allerdings nicht gestoppt. Stattdessen setzt er wie mittlerweile viele andere Händler auch auf eigene Kassen - und schützt sich so vor der Gefahr, irgendwann selbst Insolvenz anmelden zu müssen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Februar 2024 um 15:47 Uhr.