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Neustart nach Insolvenz Investor übernimmt Unister-Reisesparte

Stand: 23.12.2016 16:23 Uhr

Ein Käufer aus Prag wagt den Neuanfang mit Unister-Travel. Er will den Standort Leipzig erhalten und ausbauen. Unterdessen bleibt ein Angeklagter im Betrugsfall Unister in U-Haft.

Das insolvente Internetunternehmen Unister in Leipzig hat seine Reisesparte verkauft. Unister-Travel mit Portalen wie "ab-in-den-urlaub.de", "reisen.de" und "billigflüge.de" sei an die Gesellschaft Rockaway Capital SE mit Sitz in Prag veräußert worden, teilte Insolvenzverwalter Lukas Flöther mit. Nach Angaben von beiden Seiten ist über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart worden.

Jobs bleiben, Gläubiger einverstanden

Alle 520 Arbeitsplätze im Travelgeschäft sollen erhalten bleiben. Die Gläubiger haben dem Verkauf bereits zugestimmt. Der Betriebsübergang ist für den 1. Januar 2017 geplant. Rockaway Capital ist nach eigenen Angaben der führende Internetinvestor in Mittel-und Osteuropa. Mit dem Online-Anbieter Invia betreibt er bereits eine etablierte Marke auf dem osteuropäischen Reisemarkt - etwa in Tschechien, Polen, der Slowakei und Ungarn.

"Da Invia und die ehemaligen Unister-Unternehmen auf dem gleichen Geschäftsmodell basieren, werden wir unsere gebündelten Kräfte nutzen, um einen gesamteuropäischen Marktführer im Online-Reisesegment zu schaffen", sagte Jaroslaw Czernek, Rockaway Investment Partner und Aufsichtsratsvorsitzender bei Invia.

Chance für den Standort Leipzig

Der Standort Leipzig soll künftig ausgebaut werden, sagte Czernek, ohne Investitionssummen zu nennen. Rockaway wolle sich jedenfalls stark auf ein lokales Team und das Management in Leipzig stützen. Der Standort Leipzig sei der erste Schritt für den Einstieg in den westeuropäischen Markt.

Mit dem Verkauf von Shopping.de ist heute auch das erste Non-Travel-Portal des Unister-Konzerns veräußert worden, wie der Insolvenzverwalter weiter mitteilte. Erwerber sei die Karlsruher Solute GmbH, die das Preis- und Produktvergleichsportal "billiger.de" betreibt.

Ein mysteriöses Geschäft und ein Flugzeugabsturz

Nach dem Tod der beiden Unister-Gesellschafter Thomas Wagner und Oliver Schilling bei einem Flugzeugabsturz im Juli hatte das Unternehmen mit damals 900 Beschäftigten Insolvenz angemeldet. Mehrere Tochterfirmen rutschten danach ebenfalls in die Insolvenz.

Thomas Wagner | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Thomas Wagner war einer der beiden Unister-Gründe

Wrack des Flugzeugs von Unister-Chef Wagner
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Wrack des Flugzeugs von Unister-Chef Wagner

Unterdessen bleibt im mysteriösen Betrugsfall um den Unister-Gründer Wagner ein verdächtiger Finanzvermittler in Untersuchungshaft. Das sei bei einem Haftprüfungstermin entschieden worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig.

Dem 69-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen werde vorgeworfen, ein betrügerisches Kreditgeschäft mit einem angeblichen israelischen Diamantenhändler eingefädelt zu haben. Die Anklage wirft ihm Beihilfe zum Betrug vor. Er sitzt seit Juli in Untersuchungshaft. Wann ein Prozess am Landgericht beginnt, steht noch nicht fest.

Über dieses Thema berichtete MDR 1 Radio Sachsen am 23. Dezember 2016 um 13:20 Uhr

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