Unicredit-Zentrale

UniCredit Mit Radikalkur aus der Krise?

Stand: 13.12.2016 15:06 Uhr

Die italienische Großbank UniCredit steckt in der Krise. Nun will sie tausende Stellen streichen und plant eine Kapitalerhöhung, um das Überleben zu sichern. Das Rettungsmanöver hat auch Folgen für die deutsche Tochter HypoVereinsbank.

Von Stefanie Pieper, ARD-Studio London

Jean Pierre Mustier muss ein Mann sein, der die Herausforderung liebt: Seit dem Sommer führt der gebürtige Franzose die UniCredit, als erster Nicht-Italiener in ihrer Geschichte. Seine Aufgabe ist es, das Überleben der UniCredit als eigenständige Bank zu sichern. Beim Investorentag in London versicherte Mustier, der jetzt beschlossene Umbau werde UniCredit zu einer stärkeren, noch besseren, attraktiveren europäischen Bank machen.

Den Preis dafür zahlen auch die Beschäftigten: Konzernweit will UniCredit bis zum Jahr 2019 nunmehr 14.000 Stellen streichen, fast doppelt so viele wie bislang geplant. Und das trifft auch die deutsche Tochter, die HypoVereinsbank: Hier sollen zwar - anders als in Italien - keine weiteren Filialen geschlossen werden, aber es werden zusätzliche 1500 Stellen wegfallen, über die bereits im vergangenen Jahr angekündigten 1200 Jobs hinaus.

Jede fünfte Stelle bei HVB fällt weg

Damit streicht Mustier nach eigenen Worten insgesamt jede fünfte Stelle bei der HVB, die Kostenersparnis soll 300 Millionen Euro betragen. Von einem Verkauf der HypoVereinsbank, über den bereits spekuliert wurde, hält Mustier indes nichts. Er nannte sie heute vielmehr eine "strategische Beteiligung". Um dies zu illustrieren, schilderte der UniCredit-Boss sein Treffen neulich mit einem deutschen Mittelständler: "Er hat mir eindringlich gesagt, er und seine Firma machten bereits seit 50 Jahren Geschäfte mit uns - und er habe vor, dies auch die nächsten 50 Jahre zu tun."

Ziel: ein Polster von 13 Milliarden Euro

Der Stellenabbau ist ein Baustein des Sanierungsplans - der wohl wichtigere ist: die geplante Kapitalerhöhung. 13 Milliarden Euro frisches Geld will UniCredit bis zum kommenden Sommer bei Investoren einsammeln, um mit einem dickeren Polster besser gewappnet zu sein für die nächste Krise.

Es ist ein ehrgeiziges Vorhaben, denn an der Börse ist UniCredit zurzeit gerade mal 15 Milliarden Euro wert. Doch Mustier gab sich zuversichtlich, das Ziel zu erreichen: "Ohne diese Kapitalerhöhung wären wir nicht in der Lage, UniCredit für die Zukunft aufzustellen und Wert für unsere Aktionäre zu schaffen."

Ein größerer Kapitalpuffer ist nötig und von der Europäischen Zentralbank gefordert, denn wie so viele italienische Banken leidet auch UniCredit darunter, dass die Rückzahlung von Krediten gefährdet ist. Zumindest einen Teil dieser Last konnte das Geldhaus aus Mailand jetzt auf anderen Schultern abladen; faule Kredite im Umfang von 17,7 Milliarden Euro habe UniCredit nämlich an die Allianz-Tochter Pimco und den US-Finanzinvestor Fortress verkauft, so Mustier.

Schlechte Noten beim Banken-Stresstest

Auch wenn der Konzernumbau zunächst rund zwölf Milliarden Euro kostet: Weniger Jobs und mehr Kapital, weniger Investmentbanking und mehr Firmenkundengeschäft - das ist Mustiers Strategie, um die schlingernde UniCredit wieder auf Kurs bringen, die beim jüngsten europäischen Banken-Stresstest besonders schlecht abgeschnitten hatte. Ob Mustier dies gelingt, wird aber nicht nur davon abhängen ob die Geldgeber ihm vertrauen, sondern auch davon, wie stabil die politischen Verhältnisse in Italien in den nächsten Monaten sind.

UniCredit: weniger Jobs, mehr Kapital
S. Pieper, ARD London
13.12.2016 14:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Dezember 2016 um 13:42 Uhr

Darstellung: