Autos des VW-Konzerns in Emden bei der Vorbereitung für den Export | Bildquelle: REUTERS

Trumps Zoll-Prüfung Deutsche Autohersteller protestieren

Stand: 24.05.2018 16:44 Uhr

US-Präsident Trump lässt neue Einfuhrzölle auf Autos prüfen - und sorgt damit nicht nur bei der Autoindustrie für Unruhe. Denn nach Berechnungen des ifo-Instituts hätten die Zölle massive Folgen für die deutsche Wirtschaftsbilanz.

Die deutsche Autoindustrie hat die von US-Präsident Donald Trump angedrohten neuen Zölle auf ausländische Fahrzeuge kritisiert. Der Volkswagenkonzern spricht von "einseitigem Protektionismus". Nur freier und fairer Handel sichere Wohlstandsgewinne, erklärte ein Konzernsprecher - einseitiger Protektionismus habe langfristig niemandem geholfen.

Auch BMW hob hervor, dass ein barrierefreier Marktzugang ein entscheidender Faktor für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung sei. Die BMW Group sei der größte Nettoexporteur von Fahrzeugen aus den USA. "Wir beobachten die weiteren Entwicklungen genau", hieß es in einer Stellungnahme.

US-Präsident Donald Trump (Bild vom 12.02.2018). | Bildquelle: AP
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US-Präsident Trump lässt neue Einfuhrzölle auf Autos prüfen.

Schutzzölle bis 25 Prozent?

Trump hatte zuvor das US-Handelsministerium offiziell angewiesen, Importzölle auf Autos, Lkw und Autoteile zu prüfen. Es müsse geklärt werden, ob die Autoeinfuhren eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA seien, erklärte Trump. Das "Wall Street Journal" berichtet, Trump erwäge Schutzzölle auf eingeführte Autos von bis zu 25 Prozent.

"Auf unsere großartigen amerikanischen Automobilarbeiter warten schon bald große Nachrichten", twitterte Trump, ohne Details zu nennen. "Nachdem eure Jobs jahrzehntelang ins Ausland verloren gingen, habt ihr lange genug gewartet!"

Besondere Härte für Deutschland

Deutschland dürfte das besonders empfindlich treffen. Nach Berechnungen des Münchner ifo-Instituts würde das Bruttoinlandsprodukt dann um etwa fünf Milliarden Euro niedriger liegen als ohne neue Zölle. Das seien immerhin 0,16 Prozent des gesamten deutschen Bruttoinlandsprodukts. "Kein Land hätte höhere absolute Verluste zu befürchten als Deutschland", so das Institut.

Die USA sind nach China der zweitgrößte Exportmarkt der deutschen Automobilhersteller. 2017 exportierten diese nach US-Daten rund eine halbe Million Fahrzeuge in die USA.

Scharfe Kritik aus der Wirtschaft

Angesichts solcher Zahlen fällt die Kritik der deutschen Wirtschaft harsch aus: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zweifelte vor allem den von Trump angeführten Aspekt der nationalen Sicherheit als "konstruiert und an den Haaren herbeigezogen" an. "Wir müssen das schon fast als Provokation werten", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Investitionen und Jobs, die deutsche Hersteller in den USA schaffen, würden in Washington vollkommen außer Acht gelassen

Für den Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Holger Bingmann, würden diese Zölle der deutschen Wirtschaft ebenso schaden wie den amerikanischen Verbrauchern. Der BGA plädierte aber für eine besonnene Reaktion.

Ähnlich argumentierte die EU-Kommission: Eine einseitige Anhebung der Abgaben durch die USA wäre nur schwer nachvollziehbar, sagte Kommissions-Vizepräsident Jyrki Katainen. Die Zölle würden gegen die Welthandelsregeln verstoßen und seien nur schwer mit Gründen der nationalen Sicherheit zu rechtfertigen, wie die USA dies beabsichtigten.

Autobauer verlieren an der Börse

An der Börse in Frankfurt am Main verloren die Aktien deutscher Autobauer deutlich. Die Papiere von BMW büßten 2,6 Prozent ein, bei Daimler lag das Minus zuletzt bei etwa 3,3 Prozent. Auch für VW ging es abwärts: Die Vorzugsaktien standen rund 2,6 Prozent tiefer.

US-Zölle auf Autos: Deutsche Wirtschaft zeigt sich besorgt
Dirk Rodenkirch, ARD Berlin
24.05.2018 14:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Mai 2018 um 04:57 Uhr.

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