BMW-Werbung | Bildquelle: REUTERS

Trump gegen Autobauer Alles ist möglich - auch Strafzölle

Stand: 16.01.2017 11:22 Uhr

Strafzölle für deutsche Autobauer? BMW zeigt sich wenig beeindruckt von der Androhung des künftigen US-Präsidenten. Wohl auch, weil die Bayern in den USA inzwischen mehr Autos produzieren als daheim. Doch Trump könnte Zölle wohl tatsächlich erheben.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Zum Start der Automesse in Detroit vergangene Woche gaben sich die deutschen Hersteller noch ganz entspannt. Er zittere nicht vor Trump, sagte der USA-Chef von VW, Hinrich Woebken. Und Daimler-Vorstand Dieter Zetsche wollte erst einmal abwarten, bis der neue Präsident im Amt ist.

Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis der künftige Präsident Donald Trump auch den deutschen Herstellern droht. Ford, General Motors und der japanische Hersteller Toyota hatte er schon per Tweet gewarnt. Autos, die in Mexiko gebaut werden, müssten mit bis zu 35 Prozent Einfuhrzöllen rechnen. Und im Interview mit "Bild" und "Times" legte er mit Blick auf die deutschen Autobauer nach: "Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen."

BMW produziert mehr Autos in den USA als in Bayern

Dabei haben fast alle deutschen Autohersteller ihre Produktion in den letzten Jahren in den USA kräftig ausgebaut. BMW zum Beispiel, das den Rüffel abbekommen hat, betreibt eine große Fabrik in South Carolina, dort arbeiten über 8000 Menschen. Sie stellen fast die gesamte X-Reihe her, die aus den USA in die ganze Welt verkauft werden.

BMW baut in den USA inzwischen mehr Autos als in Bayern. Als vor zwei Jahren die Ankündigung kam, dass BMW noch einmal eine Milliarde Dollar in South Carolina investiert, war die Gouverneurin des Bundesstaates, Nickey Hailey, voll des Lobes: "Eine Milliarde Dollar, ein neues Modell, 800 neue Jobs, danke!"

Doch gleichzeitig haben die Deutschen auch eine starke Präsenz in Mexiko. BMW will dort 2019 eine neue Fabrik in Betrieb nehmen, die den 3er BMW baut. Ein Großteil der Produktion soll in den USA verkauft werden, hohe Zölle könnten das Unternehmen also durchaus treffen.

Auf die jüngste Trump-Kritik im "Bild"-Interview reagiert der Autobauer aber unbeeindruckt: "Die BMW-Group ist in den USA zu Hause", erklärte das Unternehmen. "Die Produktion ist für den Weltmarkt bestimmt. Somit wird das Werk in Mexiko die bisherigen 3er-Prouktionsstätten in Deutschland und China ergänzen".

Mexiko: niedrige Löhne und ein Katzensprung in die USA

Ähnlich ergeht es Daimler. Die Schwaben bauen gerade mit Nissan eine neue Fabrik in Mexiko, wo im kommenden Jahr die ersten Mercedes-Fahrzeuge vom Band laufen sollen. Mexiko hat sich auf jeden Fall in den letzten Jahren zu einem starken Automobilstandort entwickelt. Audi, VW und alle großen Hersteller haben dort Milliarden in neue Anlagen investiert. Die Löhne sind niedrig, viele Zulieferer haben sich ebenfalls dort angesiedelt, und in die USA ist es nur ein Katzensprung. Und noch besteht zwischen beiden Ländern ja ein Freihandelsabkommen.

Trump dürfte genügend Gründe für Einfuhrzölle finden

Aber kann der künftige Präsident denn einfach Zölle auf bestimmte Produkte beschließen? Eigentlich braucht er dazu die Zustimmung des Kongresses, aber es gibt Ausnahmen. Der Präsident kann Einfuhrzölle erheben, wenn sich die USA irgendwo auf der Welt in einem Krieg befinden, was ja fast immer der Fall ist. Weitere Ausnahmen: Das Land befindet sich in einer Krise, wie zum Beispiel die Ölkrise in den 1970er-Jahren, oder die nationale Sicherheit wird durch die Importe bedroht. Da Trump schon eine "Jobkrise" ausgerufen hat, dürfte er genügend Gründe finden.

Ford-Boykott in Mexiko?

In Mexiko bereitet man sich von Gegenschlag vor. Die ersten Firmen kündigten an, keine Ford-Autos mehr zu kaufen, nachdem Ford als erster eine Fabrik in Mexiko rückgängig gemacht hat. Bevor Trump im Amt ist, ist er dabei, einen Handelskrieg anzufangen.

Deutsche Hersteller in den USA
S. Fritz, ARD Washington
16.01.2017 11:24 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Januar 2017 um 10:35 Uhr sowie tagesschau24 am 16. Januar 2017 um 11:00 Uhr.

Darstellung: