Aus einem Wasserhahn läuft Trinkwasser in ein Wasserglas. | Bildquelle: dpa

Düngemittel-Belastung Bald 60 Prozent mehr für Trinkwasser?

Stand: 11.05.2018 14:21 Uhr

Das Grundwasser in Deutschland ist extrem mit Nitraten belastet. Das dürfte die Verbraucher teuer zu stehen kommen. Die Wasserversorger rechnen mit erheblichen Preissteigerungen in den kommenden Jahren.

Malta ist Spitzenreiter, aber dann folgt die Bundesrepublik: Das Grundwasser in Deutschland ist extrem mit Nitraten belastet. Umweltschutzverbände warnen seit Jahren vor dieser Entwicklung, und auch die Wasserwirtschaft ist besorgt.

Wenn sich die gängige Düngepraxis nicht ändere, könnten erhebliche Mehrkosten auf die Verbraucher zukommen, heißt es in einer Mitteilung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Trinkwasser könnte in einigen Regionen um bis zu 62 Prozent teurer werden. Denn die zunehmende Verschmutzung des Grundwassers erfordere eine immer kostenintensivere Trinkwasseraufbereitung.

Der Verband verweist auf Erhebungen der EU zu Nitratbelastung und auf ein eigenes Gutachten zu den daraus erwachsenden Kosten. Zudem steige mit der Überalterung der Gesellschaft der Einsatz von Medikamenten. Zwar gebe es heute "keinerlei Anlass zur Sorge um die hohe Trinkwasserqualität", sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Doch müsse zum Umweltschutz sichergestellt werden, dass möglichst wenige Arzneien ins Trinkwasser gelangten.

Der Bauernverband lehnte schärfere Gesetze für den Einsatz von Gülle, Pestiziden und Arzneien ab. Die Auflagen für Landwirte in Trinkwassergebieten seien bereits "exorbitant".

Grüne verwirren

Für Verwirrung sorgte zudem eine Pressemitteilung der Grünen. Demnach seien die Trinkwasserpreise für Verbraucher in Deutschland in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Zwischen 2005 und 2016 hätten sie um 25 Prozent zugelegt. Die Fraktion berief sich dabei auf Daten des Statistischen Bundesamts. tagesschau.de berichtete über diese Darstellung.

Der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) stellte die Preisangaben der Grünen in Frage. So habe das Statistische Bundesamt 2013 die Berechnungsmethode geändert, was auch die Behörde bestätigte. Bei gleicher Grundlage ergebe sich ein Anstieg der Trinkwasserpreise von nur 17,2 Prozent in dem Zeitraum. Der Zuwachs befindet sich dann etwa im Gleichklang mit der Inflation, die laut Statistischem Bundesamt zwischen 2005 und 2016 bei 17,6 Prozent liegt.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärte, der Anstieg der Trinkwasserpreise seit 2005 überträfe nicht die Inflation. Erst seit 2015 sei der Zuwachs höher als die allgemeine Teuerung. Die Versorger hätten ferner mehr in die Infrastruktur investiert, alleine für 2018 seien 2,7 Milliarden vorgesehen.

Über dieses Thema berichtete am 11. Mai 2018 Inforadio um 06:23 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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