AT&T-Logo an einem Haus | Bildquelle: dpa

US-Gericht genehmigt Kauf AT&T darf Time Warner übernehmen

Stand: 13.06.2018 03:27 Uhr

Der Telekomriese AT&T darf den Medienkonzern Time Warner gegen den Willen der US-Regierung übernehmen. Ein Richter genehmigte den Deal im Wert von 85 Milliarden US-Dollar. Das Justizministerium zeigte sich "enttäuscht".

Die Übernahme des Medienkonzerns Time Warner durch den Telekomriesen AT&T ist trotz Widerstands der US-Regierung ohne Auflagen genehmigt worden. Bundesrichter Richard Leon entschied, dass der rund 85 Milliarden US-Dollar (73 Milliarden Euro) schwere Mega-Deal nicht gegen US-Wettbewerbsrecht verstoße.

Niederlage für Trump

Für die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist dies eine krachende Niederlage - sie hatte gegen den Zusammenschluss geklagt. Die Behörden befürchten höhere Kosten für Konkurrenten und Kunden sowie eine Verzögerung bei der Entwicklung von Online-Angeboten. Die Kartellwächter des Justizministeriums hätten jedoch keinen ausreichenden Nachweis dafür erbracht, dass die Fusion dem Wettbewerb schade, befand Leon. Sein Gericht habe keine Einwände.

Trump hatte sich persönlich gegen die Übernahme von Time Warner ausgesprochen, dessen Nachrichten-Flaggschiff CNN häufig kritisch über ihn berichtet. Eigentlich sollte der im Oktober 2016 beschlossene Deal schon Ende 2017 in trockenen Tüchern sein - wegen der Klage des Justizministeriums wurde er dann jedoch zur Hängepartie.

Berufung noch möglich

Die Kartellabteilung des US-Justizministeriums zeigte sich "enttäuscht über die Entscheidung des Gerichts" und erwägt nun die nächsten Schritte, wie es in einer Erklärung hieß. "Wir glauben weiterhin, dass der Pay-TV-Markt als Konsequenz der geplanten Fusion weniger konkurrenzfähig und weniger innovativ sein wird", hieß es.

Die Regierung kann jedoch noch Berufung dagegen einlegen. Leon warnte vor einer Verzögerung der Übernahme durch ein mögliches Berufungsverfahren. Dies würde irreparablen Schaden für beide Unternehmen bedeuten.

Das Logo des Medienkonzerns Time Warner | Bildquelle: REUTERS
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Durch die Fusion von Time Warner mit AT&T kommen Produktion und Verbreitung von Medieninhalten unter ein Konzerndach

Folgen weitere Übernahmen?

AT&T zeigte sich in einem Statement hochzufrieden - das Gericht habe die Klage der Regierung nach einem fairen Prozess "kategorisch zurückgewiesen". Die Fusion solle nun bis zum 20. Juni abgeschlossen werden.

Zu Time Warner gehören neben CNN unter anderem der Pay-TV-Sender HBO und das berühmte Hollywood-Studio Warner Bros. AT&T ist der zweitgrößte Mobilfunkanbieter in den USA und der drittgrößte Kabelfernsehprovider des Landes. Der Konzern will sich mit der Übernahme unabhängiger vom Mobilfunkgeschäft machen, wo kleinere Rivalen Druck ausüben.

Das Urteil von Leon gilt als eine der wichtigsten kartellrechtlichen Entscheidungen seit Jahren. Sie könnte künftige Fusionen und Übernahmen in den USA maßgeblich beeinflussen. Anbieter von Kabel-, Satelliten- und Mobilfunkunternehmen sehen im Zukauf von Inhalten eine Möglichkeit zu wachsen und sich gegen die Konkurrenz von Netflix oder Google zu wehren.

Gericht entscheidet: AT&T darf Time Warner übernehmen
Torsten Teichmann, ARD Washington
13.06.2018 06:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2018 um 06:00 Uhr.

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