Strommast steht auf einem Feld | Bildquelle: picture alliance / dpa

Tennet-Bilanz 2017 Rekordkosten für Noteingriffe ins Stromnetz

Stand: 01.01.2018 09:36 Uhr

Das Stromnetz hält mit den Ausbau erneuerbarer Energien nicht Schritt. Weil große Nord-Süd-Trassen noch im Bau sind, müssen die Netzbetreiber stabilisierend eingreifen. Allein Tennet kostete das 2017 eine Milliarde Euro - am Ende zahlen die Stromkunden.

Der Stromnetzbetreiber Tennet hat im Jahr 2017 fast eine Milliarde Euro für Noteingriffe zur Stabilisierung des Netzes ausgeben müssen. Das teilte das Unternehmen in einer vorläufigen Bilanz mit. Die Kosten werden über die sogenannten Netzentgelte auf den Strompreis umgelegt und landen am Ende beim Verbraucher.

Tennet-Geschäftsführungsmitglied Lex Hartmann | Bildquelle: picture alliance / dpa
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"Das Netz ist extrem belastet" - Tennet-Geschäftsführungsmitglied Lex Hartmann.

"Das Netz ist wegen des starken Zubaus der Erneuerbaren weiter extrem belastet. Wir brauchen zwingend ein Energiewende-Netz, also die vom Gesetzgeber bereits beschlossenen Netzausbauprojekte", forderte das Tennet-Geschäftsführungsmitglied Lex Hartmann. "Bis dahin sind Netzengpässe, hohe Kosten für die Verbraucher und eine zunehmend instabile Versorgung die harte Wirklichkeit."

2015 lagen die Kosten für die Noteingriffe bei 710 Millionen Euro, im windschwachen Jahr 2016 bei nur bei 660 Millionen Euro. Tennet, dessen Netzgebiet in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis zum Süden Bayerns reicht, hat den größten Anteil an den deutschen Netzeingriffskosten. Nach der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022 könnten die Eingriffskosten laut Bundesnetzagentur auf bis zu vier Milliarden Euro bundesweit im Jahr anwachsen.

"Stabilisierung der Netze kostet viel Geld"

"Die Stabilisierung der Netze ist komplexer geworden und kostet uns alle viel Geld. Diese Kosten sinken erst durch die großen Stromleitungen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Allerdings hält der Behördenchef die Versorgung auch in der Zwischenzeit bis zum Start der neuen Leitungen für sicher. "Eine Warnung vor Stromausfällen bis dahin wäre übertrieben."

Noteingriffe werden nötig, wenn Stromleitungen fehlen, um vor allem Windstrom von Norden nach Süden zu bringen. Im stürmischen Herbst und Winter müssen im Norden dann immer wieder Gas- und Kohlekraftwerke heruntergefahren oder Windparks gegen Kostenerstattung abgeschaltet werden, weil sonst mehr Strom produziert würde als die Netze aufnehmen können. Damit im Süden dennoch nicht die Lichter ausgehen, müssen dort zugleich konventionelle Reservekraftwerke hochgefahren werden. Oft kommt die Netzreserve auch aus Österreich. Auch dafür müssen die Netzbetreiber Entschädigung zahlen.

Südlink soll 2025 fertig werden

"Die Lage wird sich erst entspannen, wenn das Energiewende-Netz ausgebaut ist", sagte Hartmann. Tennet baut selbst zusammen mit dem Netzbetreiber TransnetBW die "Schlagader der Energiewende", die Stromverbindung Südlink für den Transport von Windstrom von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Nach jetzigem Planungsstand soll sie 2025 fertig werden. Homann unterstrich diesen Zeitplan: "Es bleibt unser Ziel, dass die neuen Nord-Süd-Verbindungen 2025 in Betrieb gehen können."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Januar 2018 um 07:41 und 12:41 Uhr jeweils in der Wirtschaft.

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