Viele Näherinnen in einem größen Betrieb. | Bildquelle: dpa

Nach Schließung von Industriepark "Jetzt stehen wir da - vernichtet"

Stand: 29.02.2016 15:47 Uhr

Südkoreanische Firmen produzierten seit Jahren billig in einem Industriepark, der im Grenzgebiet auf nordkoreanischem Territorium steht. Nach einem Raketentest Nordkoreas ordnete die südkoreanische Regierung den Rückzug an. Die Unternehmer beklagen nun einen Millionenverlust.

Südkoreanische Firmen, die bis vor kurzem im Industriepark Kaesong im Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea produziert haben, verlangen Entschädigung vom Staat. Der plötzliche Rückzug haben sie mehr als 600 Millionen Euro gekostet, erklärte der Verband der rund 120 Kaesong-Firmen. Die Unternehmen hätten alles zurücklassen müssen. Darunter Maschinen, Rohstoffe und fertige Produkte. 2000 Südkoreaner hätten ihren Job verloren.

Schließung war Reaktion auf Raketentest

Die Regierung hatte den Industriepark auf nordkoreanischer Seite Anfang Februar aufgegeben. Grund war der Test einer Langstreckenrakete. Laut der nordkoreanischen Regierung sollte die Rakete einen Satelliten für eine wissenschaftliche Mission ins All befördern.

Die internationale Gemeinschaft wertet das Vorgehen dagegen als Test einer ballistischen Rakete und damit als Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Anfang Januar hatte Nordkorea bereits mit einem Atomwaffentest weltweit Empörung hervorgerufen.

Unternehmerverband kritisiert Regierung

Der Vorsitzende des Verbandes der Kaesong-Firmen, Jeong, kritisierte, "bei Eröffnung des Industrieparks 2004 hat die Regierung zugesichert, Kaesong bestehe unabhängig der politischen Lage. Jetzt stehen wir da - vernichtet".

Die südkoreanische Regierung gewährte den betroffenen Unternehmen bereits Nothilfen und will prüfen, wie hoch der Schaden für sie ist. All das sei nicht ausreichend, kritisierte Jeong. "Viele Firmen stehen vor der Pleite". Die Regierung dürfe die Unternehmen nicht einfach sterben lassen.

In Kaesong hatten 53.000 Nordkoreaner gearbeitet. Die Firmen in dem Industriepark produzierten Textilien, Schuhe oder Elektronikteile. Der Komplex war auch für das isolierte Nordkorea sehr wichtig - als Devisenquelle.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Februar 2016 um 12:30 Uhr.

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