Überland Stromkabel vor Himmel.

Tennets Pläne für Stromtrassen Wie kommt der Strom von Nord nach Süd?

Stand: 26.09.2016 15:21 Uhr

Die Pläne des Netzbetreibers Tennet für die geplanten "Stromautobahnen" nach Süddeutschland stoßen in Bayern auf großen Widerstand. In den vergangenen Wochen suchte der Konzern den Kontakt mit den Bürgern. Heute sollen nun Details zum Verlauf der Trassen vorgestellt werden.

Atomausstieg und Energiewende sind beschlossene Sache - nur die Umsetzung bereitet immer wieder Probleme. Viel diskutiert wird zum Beispiel über die Trassenführung für den Strom, der aus erneuerbaren Energien von Nord nach Süd quer durchs Land transportiert werden muss. Vor allem in Bayern liefen Gemeinden und Bürgeriniativen Sturm gegen die zunächst oberirdisch geplanten Leitungen.

Auf Bürgerveranstaltungen hatte der Netzbetreiber Tennet in den vergangenen Wochen über das Projekt informiert. Doch der Vorbehalt in der Bevölkerung ist groß: Kritiker der Gleichstromtrassen setzen auf eine dezentrale Versorgung und den Ausbau der bereits bestehenden Stromtrassen.

Trassen unter der Erde geplant

Auch die bayerische Staatsregierung hatte sich lange gegen neue Trassen gewehrt, wie ARD-Korrespondent Sebastian Kraft berichtet. Doch mittlerweile ist klar: Der "Suedostlink" von Sachsen-Anhalt nach Niederbayern und der "Suedlink" von Schleswig-Holstein nach Bayern werden kommen, in Bayern sollen sie aber komplett unterirdisch verlegt werden. In diesem Punkt habe sich die CSU durchgesetzt, so Kraft.

Die Erdverkabelung macht den Netzausbau aber teurer und langsamer. Erdkabel kosten das Drei- bis Zehnfache von Überlandleitungen. Der Bundesnetzagentur zufolge wird die 800 Kilometer lange "Suedlink"-Trasse - die "Hauptschlagader" der Energiewende - erst 2025 fertig, drei Jahre später als geplant. 2022 geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz.

Tennet will am Abend zeitgleich vor Abgeordneten des Bayerischen Landtags und des Bundestages erläutern, wo die Trassen verlaufen könnten. Es werde aber wohl nicht eine endgültige Variante geben, sondern vermutlich "eine Reihe von Varianten", so Kraft. Und je mehr Alternativen Tennet vorstelle, desto komplizierter werde am Ende die geplante Diskussion mit den Bürgern.

Tennet ist hierzulande der größte der vier Übertragungsnetzbetreiber, die anderen sind TransnetBW, 50Hertz und Amprion. Der niederländische Staatskonzern hatte im Jahr 2010 das Höchstspannungsnetz von E.ON übernommen, das fast die Hälfte der Fläche Deutschlands abdeckt.

Ein Umbau mit vielen Unbekannten

Die genauen Kosten des Netzausbaus lassen sich nach Angaben der Bundesnetzagentur nur schwer beziffern. Unter Berufung auf die Netzbetreiber spricht die Bundesnetzagentur von etwa 18 Milliarden Euro für den Netzausbau an Land plus etwa 15 Milliarden Euro für den Offshore-Netzausbau. Mehrkosten für eine mögliche Erdverkabelung an Land seien darin noch nicht enthalten.

Darstellung: