Ein Sparbuch | Bildquelle: dpa

Erste Bank droht Strafzinsen auch für Normalsparer?

Stand: 07.06.2017 09:58 Uhr

Es ist ein Tabubruch: Erstmals droht eine deutsche Bank mit Strafzinsen nicht nur für Unternehmen und Wohlhabende - sondern auch für Normalsparer. Folgen nun auch andere Geldinstitute?

Von Heinz-Roger Dohms, tagesschau.de

Als mutmaßlich erstes deutsches Geldinstitut droht die Volksbank Reutlingen mit Negativzinsen für normale Sparer. Wie aus dem offiziellen Preisaushang des Instituts hervorgeht, beträgt der Strafzins satte minus 0,5 Prozent - wer also im Jahresschnitt 5000 Euro auf dem Girokonto aufbewahrt, müsste demnach 25 Euro jährlich zahlen. Eine Sprecherin der Volksbank Reutlingen betonte allerdings gegenüber tagesschau.de, man habe das "Verwahrentgelt" erst einmal nur "prophylaktisch" eingeführt. Wirklich verhängt werde der Strafzins bis auf weiteres nicht.

Ein Tabubruch

Trotz dieser Einschränkung begeht die Volksbank Reutlingen einen Tabubruch. Denn auch wenn die Niedrigszinsphase mittlerweile seit Jahren anhält - Experten hatten es bis zuletzt für schwer vorstellbar gehalten, dass Banken tatsächlich so weit gehen, auch normale Spareinlagen mit negativen Zinsen zu belasten. Selbst der Spitzenverband der genossenschaftlichen Banken, dem auch die Volksbank Reutlingen angehört, hatte vor wenigen Monaten einen entsprechenden Tweet abgesetzt.

Glauben nicht an #Negativzinsen im Privatkundengeschäft, nicht zuletzt wegen des intensiven Wettbewerbs im deutschen Bankenmarkt.

Als erste Bank hatte Ende 2014 die thüringische Skatbank - auch sie entstammt dem Lager der Volks- und Raiffeisenbanken - negative Zinsen eingeführt. Der Strafzins von damals 0,25 Prozent galt allerdings nur für Vermögen von mehr als 500.000 Euro. Vor rund einem Jahr sorgte dann die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee für Schlagzeilen, als sie diese Grenze auf 100.000 Euro senkte - betroffen waren knapp 150 Kunden. Seitdem sind einige andere Banken mit ähnlichen Regelungen gefolgt, vor allem für Unternehmenskunden.

Schritt mit Symbolkraft

Allerdings hat sich nach allem, was man weiß, bislang kein Geldinstitut getraut, auch Spareinlagen unter 100.000 Euro zu belasten. Der Schritt der Volksbank Reutlingen hat daher hohe Symbolkraft, zumal auch die Grenze der gesetzlichen Einlagensicherung bei 100.000 Euro liegt. Bis zu dieser Marke sind Sparguthaben selbst dann geschützt, wenn die Bank, bei der das Geld liegt, pleitegeht.

Die große Frage wird nun sein, ob bald andere Geldinstituten folgen - und wann aus dem "prophylaktischen" Strafzins ein tatsächlicher wird. Dabei sollten Kunden allerdings wissen: Viele Banken haben ihre Kontogebühren in den vergangenen Jahren deutlich angehoben. Die Kosten, die hierdurch entstehen, sind gerade bei geringen Sparguthaben oftmals höher als die Kosten, die ein Negativzins verursachen würde.

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