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Geplante US-Strafzölle "Kühler Kopf statt Sandkastenlogik"

Stand: 02.03.2018 16:45 Uhr

Durch Trumps Zollpläne drohe eine gefährliche Spirale, sagt Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft. Wichtig sei, dass die EU nun einen kühlen Kopf bewahre und nicht mit Sandkastenlogik reagiere.

tagesschau24: Was genau hat der US-Präsident eigentlich vor? Was ist das Ziel dieser Strafzölle?

Stefan Kooths: Es ist ein bisschen schwierig, sich in den Kopf von Donald Trump zu versetzen. Es gibt eine Erklärung, die eher naiv anmutet. Die andere ist eher polit-ökonomisch.

Die Naive ist: Er geht davon aus, dass eine Volkswirtschaft so ähnlich funktioniert wie ein Unternehmen. Und in einem Unternehmen kennt er sich ja aus - da sind die Exporte die Erlöse und die Importe sind die Kosten. Da macht er einen Strich drunter und sagt: Überall dort, wo die Exporte kleiner sind als die Importe, werden die USA unfair behandelt. Das ist natürlich Unsinn. Denn zu einer Volkswirtschaft gehört nicht nur der Unternehmenssektor, sondern auch noch der Haushaltssektor. Für den veranstalten wir ja die gesamte Güterproduktion.

Zur Person

Stefan Kooths ist ein deutscher Ökonom und seit November 2014 Leiter des Prognosezentrums im Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Diese Abteilung zählt seit Jahrzehnten zu den Beratern der Bundesregierung sowie anderer nationaler und internationaler Entscheidungsträger.

Die politisch strategische Überlegung ist eine ganz andere: Er schafft es jetzt ja, die Vorteile aus Sicht der Amerikaner auf eine ganz kleine Gruppe zu konzentrieren. Nämlich diejenigen, die in der Stahl- und in der Aluminiumproduktion tätig sind. Da kann er sich dann medienwirksam vor die Fabrikhallen stellen und verkünden, wie viele Arbeitsplätze er dort vermeintlich gerettet hat. Aber die Verluste - und netto sind es Verluste, auch für die USA - verteilen sich über die gesamte amerikanische Volkswirtschaft. Am Ende müssten es die Konsumenten bezahlen, die aber diesen Zusammenhang kaum noch wahrnehmen können.

"Aus Trumps Sicht vermutlich durchaus rational"

tagesschau24: Trump handelt also weiterhin wie ein Unternehmer. Gibt es niemanden in der US-Regierung, der ihm mal den Unterschied zwischen Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft erklären könnte?

Kooths: Es gibt zum Teil ja seltsame Gestalten in seinem unmittelbaren Umfeld - auch was die Wirtschaftsberater angeht. Aber vermutlich ist es ein aus seiner Sicht durchaus rationales Vorgehen. Trump adressiert ja nicht hundert Prozent der Wählerschaft, sondern eine sehr ausgewählte Wählerschaft, die auf so etwas leichter anspringt.

Und zu den vielen, die unter Strafzöllen leiden würden, gehören ja auch andere Industriebereiche. Denken Sie etwa die Automobilindustrie als wichtiger Abnehmer von Stahl und Aluminium-Produkten. Die werden dann im internationalen Handel auch schlechter gestellt Es ist also zu befürchten, dass nach einiger Zeit dort ebenfalls entsprechende Forderungen nach protektionistischen Maßnahmen erhoben werden. Und deshalb droht dieser Anfang bei Stahl und Aluminium sich sogar noch weiter auszuweiten.

tagesschau24: Das heißt aber: In wenigen Jahren könnte Trump sich dann vor eine Automobilfabrik stellen und das Gleiche sagen, was er jetzt bei den Stahlherstellern gesagt hat.

Kooths: So ist es. Und er wird dabei dann verschweigen, dass die Probleme, die er anderen eingebrockt hat, auf seine eigenen Fehlentscheidungen zurückgehen.

Stefan Kooths, Institut für Weltwirtschaft Kiel, zu den von Trump angekündigten Strafzöllen
tagesschau24 15:00 Uhr, 02.03.2018

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tagesschau24: Jetzt ist die Rede von Strafzöllen der EU, zum Beispiel auf Whiskey oder auf Harley-Davidson-Motorräder. Was kann das bringen?

Kooths: Ich halte gerade diese Frage mit dem Whiskey - erlauben Sie mir das - für eine Schnapsidee. Wir sollten jetzt vorsichtig sein, dass wir nicht in einer internationalen Protektionismus-Wettlauf hineingeraten. Das wäre das Schlimmste, was der Weltwirtschaft passieren kann.

Wir sollten jetzt einen kühlen Kopf bewahren und eher diese Attacke aus dem Weißen Haus auf den freien Welthandel aussitzen. Wir hätten zwar rechtlich alle Möglichkeiten für Gegenmaßnahmen - die WTO erlaubt es, auf solche einseitigen Handelsbeschränkungen zu reagieren. Aber die Gefahr ist sehr groß, dass dann auf die Gegenmaßnahmen mit weiteren Gegenmaßnahmen aus den USA reagiert wird.

Und dann haben wir auch hier so eine spiralförmige Entwicklung, bei der sich alle schlechter stellen. Von daher: Lieber aussitzen und darauf setzen, dass auch Herr Trump nur ein temporäres Phänomen ist.

tagesschau24: Aber was wird dazu zum Beispiel die Aluminium- und Stahlwirtschaft in Deutschland sagen? Müsste man der dann jetzt nicht helfen?

Kooths: Die sind in der Tat negativ betroffen, weil sie jetzt mit rückläufigen Preisen konfrontiert sind. In dem Maße, wie sie nicht mehr in die USA exportieren können, werden die Weltmarktpreise sinken. Von daher wird es hierzulande auch vereinzelt Profiteure geben, nämlich die Kunden dieser Unternehmen.

Wenn wir aber einen Strich druntermachen, geht es uns dadurch allen schlechter. Hier werden die internationalen freien Preise verzerrt. Damit werden knappe Ressourcen fehlgelenkt, alle miteinander stellen wir uns schlechter. Das wird aber nicht besser, wenn wir jetzt den Verzerrungen im Stahl- und Aluminiummarkt auch neue Verzerrungen im Motorrad- oder im Whiskeymarkt oder sonstwie entgegensetzen. Dieser Sandkastenlogik darf man nicht folgen, sondern man braucht jetzt einen kühlen Kopf.

tagesschau24: Glauben Sie, dass Donald Trump womöglich auch wieder zurückrudern könnte?

Kooths: Das bleibt abzuwarten. Ich glaube eher, dass er selektiver vorgehen wird. Dass er nicht generelle Zoll im Zollschranken errichtet, sondern sich wahrscheinlich stärker auf Länder wie China konzentriert, die die höheren Exportüberschüsse haben. Das könnte ich mir als Kompromisslösung vorstellen.

Das Gespräch führte André Schünke, tagesschau24

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. März 2018 um 15:00 Uhr.

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