Autos fahren über eine Straße in Neu-Delhi | Bildquelle: picture alliance / dpa

VW und Tata stoppen Gespräche VW kommt mit Billigauto nicht voran

Stand: 10.08.2017 17:54 Uhr

Noch ein Rückschlag für VW: Der Konzern möchte ein billiges Auto für Schwellenländer entwickeln. Doch ein gemeinsames Projekt mit dem indischen Autobauer Tata wurde nun abgeblasen. Jetzt will man sich auf China konzentrieren.

Die VW-Tochter Skoda und der indische Autobauer Tata haben ihre Verhandlungen über eine Partnerschaft vorläufig eingestellt. Beide Seiten seien zu dem Schluss gekommen, dass derzeit sowohl technisch als auch wirtschaftlich nicht die gewünschten Vorteile einer Kooperation erzielt werden könnten, teilte Skoda mit.

Der strategische Nutzen für beide Parteien liege "unter der nötigen Schwelle", sagte der deutsche Tata-Motors-Chef Günter Butschek. Für künftige Gespräche zeigten sich die Unternehmen aber offen.

Schnelles Ende einer Partnerschaft

Im März hatten VW und Tata angekündigt, die Anstrengungen bei der Entwicklung von gemeinsamen Fahrzeugteilen bis hin zu möglichen ganzen Fahrzeugkonzepten bündeln zu wollen und eine langfristige Partnerschaft anzustreben.

Die Wolfsburger Konzernspitze hatte die Gespräche an Skoda delegiert. Die Tschechen gelten als Experten, wenn es um eine kostengünstige Produktion geht.

Skoda Octavia auf eine Automesse in Neu Delhi | Bildquelle: AFP
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Günstige Modelle aus dem VW-Konzern - das interessiert auch die Besucher einer Automesse in Indien.

Woran scheiterten die Gespräche?

Woran die Gespräche im Einzelnen scheiterten, ist unklar. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Insider mit der Einschätzung, Skoda habe die zusätzlichen Investitionen gescheut, die für die Entwicklung einer gemeinsamen Plattform notwendig gewesen wären.

Die Nachrichtenagentur DPA spekuliert, bei Skoda gehe man offenbar davon aus, dass man auch allein günstige Autos für den indischen Markt bauen könne.

Ein VW-Konzernsprecher in Wolfsburg betonte, unabhängig von der Zusammenarbeit bei günstigen Modellen für Schwellenländer wie Indien würden zudem die Pläne für ein "Budget Car" im Wachstumsmarkt China weiterverfolgt.

Kooperationen - ein schwieriges Unterfangen

VW hatte bei Kooperationsvorhaben in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen. Eine Allianz mit Suzuki scheiterte, weil die Japaner die Dominanz der Wolfsburger störte. Der japanische Kleinwagenspezialist vereinbarte mittlerweile Projekte mit dem VW-Rivalen Toyota.

Mit Tata wollte Volkswagen einen neuen Anlauf nehmen, um in Indien und anderen Schwellenländern Fuß zu fassen. Das Unternehmen bietet dort unter anderem den Billigwagen Nano an, der ab 3000 Dollar zu haben ist.

Indien gilt als einer der wichtigsten Märkte für Billigautos, dazu ist die Zahl der Fahrzeuge in dem bevölkerungsreichen Land relativ gering.

Verkehr in Neu-Delhi
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Autokonzerne versprechen sich viel vom indischen Markt.

Auch andere scheiterten

Doch auch der VW-Rivale General Motors hat sich an dem als zukunftsträchtig geltenden, aber schwierigen Markt die Zähne ausgebissen. Nach zwei Jahrzehnten stellten die Amerikaner ihr Indien-Geschäft Ende des Jahres ein.

Auch Tata Motors, in Europa durch die zugekauften Nobelmarken Jaguar und Land Rover bekannt, kämpft mit Verlusten in Indien. Die hohe Nachfrage nach Kleinwagen bedienen vor allem Maruti Suzuki und der koreanische Autobauer Hyundai Motor, die zwei Drittel des Absatzes beherrschen.

Der seit einigen Monaten amtierende neue Verwaltungsratschef Natarajan Chandrasekaran sucht zudem offenbar Wege, einige unprofitable und teils hoch verschuldete Bereiche zu verkaufen oder zu verschmelzen. Unter anderem wird seit geraumer Zeit auch über ein Zusammengehen von Tata Steel mit Thyssenkrupp im europäischen Stahlgeschäft gesprochen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. August 2017 um 17:26 Uhr.

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